Landesjugendorchester
Ganz besonderer Genuss

Nottuln -

Was die Gäste bei der öffentlichen Generalprobe des Landesjugendorchesters zu hören bekamen, das war nicht nur Orchestermusik vom Feinsten. Vor allem der Solo-Cellist Bruno Philippe verzauberte die Zuhörer.

Montag, 22.04.2019, 20:00 Uhr
Faszinierte das Publikum mit dem lange Zeit für „unspielbar“ gehaltenen Cello-Konzert von Offenbach, das er virtuos und leidenschaftlich darbot: Bruno Philippe.
Faszinierte das Publikum mit dem lange Zeit für „unspielbar“ gehaltenen Cello-Konzert von Offenbach, das er virtuos und leidenschaftlich darbot: Bruno Philippe. Foto: Axel Engels

Einen musikalischen Genuss der ganz besonderen Art boten die jungen Musikerinnen und Musiker des Landesjugendorchesters NRW am Ostersonntag bei ihrer schon traditionellen öffentlichen Generalprobe im Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums. Eine Woche hatten sie unter der Leitung von Dozenten bekannter Orchester und Hochschulen in Nottuln geprobt. Und das Ergebnis begeisterte die vielen Musikliebhaber. Die Jugendlichen setzten selbst kleinste Akzente im Dirigat von Prof. Sebastian Tewinkel sehr direkt um. Und so genoss das Publikum die auf ganz hohem künstlerischen Niveau gespielte Musik.

Für den ersten Konzertteil hatte das Orchester passend zum Konzerttitel „À la française“ das „Grand Concerto pour Violoncelle et Orchestre“ von Jacques Offenbach ausgewählt, das von der musikalischen Gestaltung sowie den spieltechnischen Anforderungen an den Solisten lange Zeit als „unspielbar“ galt. Seit Jacqueline du Pré und Daniel Barenboim haben sich nur wenige Instrumentalisten an dieses hochvirtuose Konzert mit dem Beinamen „Concerto militaire“ gewagt. Um es zu einem inspirierenden Erlebnis zu machen, brauchte es einen Solisten wie den Franzosen Bruno Philippe , der mit Esprit und Leidenschaft sowie technischer Brillanz den Solopart zum Leben erweckte. Das Werk aus dem Jahre 1847 erklang wie vom Staub der Zeit befreit.

Offenbach galt als einer der größten Cello-Virtuosen, wusste also ganz genau, wie man die Grenzen des Instrumentes noch um innovative Facetten erweitern konnte. Bruno Philippe war bei diesem so abwechslungsreichen Werk nie überfordert, wusste seine Musizierkunst immer in den Dienst der Musik zu stellen. Dabei stimmte der Dialog zwischen ihm und dem Orchester bis ins kleinste Detail, konnte das Landesjugendorchester seine ganzen Qualitäten einbringen.

Selten erlebt man solch innige Musizierweise wie bei dem langsamen Mittelsatz, dessen wunderbare Melodien exquisit ausgespielt wurden. Spritzigkeit und Spielfreude prägten das Finale, und so war diese Interpretation wohl eine einzigartige Hommage an die vom Pariser Leben geprägte Musik zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach.

Für die Zeit mit dem Landesjugendorchesters bedankte sich Bruno Philippe dann auf seine ganz persönliche Art, er spielte als Zugabe das „Prélude“ aus der „Suite für Violoncello solo Nr.1 G-Dur BWV 1007“ von Johann Sebastian Bach.

Nach der Pause ging es dann mit bekannteren Orchesterwerken weiter. Maurice Ravels „La Valse“ mit seinem breiten Spektrum von brillant-elegantem Glanz bis zu düsteren Klängen entfaltete sich in seinem ganzen Reichtum. Zwischen glänzenden Pastelltönen und morbiden Farben präsentierte das Landesjugendorchester dieses Werk, das mit der üblichen Walzerseligkeit so gar nichts zu tun hat.

Als Abschluss erklang dann noch mit „An American in Paris“ eines der wohl populärsten Werke von George Gershwin. Erweitert um den Klang der Hupen von Pariser Taxis, fühlte man sich sofort in die vor Lebenslust übersprühende Metropole an der Seine versetzt. So muss es zur Rush Hour auf den Champs Élysées für Gershwin geklungen haben, und die Elemente von Ragtime und Blues wurden vom Landesjugendorchester einfach mitreißend in Szene gesetzt. In jedem Takt spürte man dieses in Musik gesetzte Lebensgefühl.

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