Fabian Guhr
Seelsorge statt Schreibtischjob

Nottuln -

Fabian Guhr will Priester werden. Am 5. Mai wird er zunächst zum Diakon geweiht. Der gebürtige Nottulner arbeitet schon heute in Rheine an einer neuen Kirche mit.

Dienstag, 23.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 20:08 Uhr
Im St.-Paulus-Dom Münster wird Fabian Guhr am 5. Mai zum Diakon geweiht werden.
Im St.-Paulus-Dom Münster wird Fabian Guhr am 5. Mai zum Diakon geweiht werden. Foto: Anke Lucht/Bischöfliche Pressestelle

Fast wäre Fabian Guhr Betriebs- oder Volkswirt geworden – aber eben nur fast. Letztlich hat er der nüchternen Arbeit mit Zahlen einen gänzlich anderen Weg vorgezogen: Am 5. Mai (Sonntag) wird Bischof Dr. Felix Genn den 26-Jährigen und den 25-jährigen Coesfelder Jan Tasler im St.-Paulus-Dom Münster zu Diakonen weihen. Pfingsten 2020 soll für beide die Priesterweihe folgen, berichtet die Bischöfliche Pressestelle in einer Pressemitteilung.

Eine „klassisch katholische Karriere“ habe ihn auf diesen Weg geführt, erzählt der gebürtige Nottulner. Nach jahrelangem Engagement zunächst als Messdiener und dann als Messdienerleiter machte Fabian Guhr in der Oberstufe ein betriebswirtschaftliches Praktikum. „Die Richtung hat mich interessiert, aber im Praktikum habe ich schnell gemerkt, dass mir bei dieser Arbeit etwas fehlt“, erinnert er sich. Schon damals kam ihm die Idee, Theologie zu studieren – allerdings dachte er zunächst darüber nach, dies parallel zu einem wirtschaftlichen Studiengang zu tun.

Ein Gespräch mit Nottulns damaligem Kaplan Axel Pieper veranlasste ihn aber zum konsequenten Spurwechsel. „Der meinte, er habe immer gewusst, dass ich in die geistliche Richtung gehe“, sagt Guhr. „Dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen.“ Er überlegte, was er mit dem Theologiestudium eigentlich wolle, und beriet sich mit Freunden. „Die kirchlich Orientierten sagten, dieser Weg passe zu mir, die Kirchenfernen fanden den Weg krass, aber ebenfalls passend“, erinnert er sich lachend. Natürlich habe es auch kritische Fragen gegeben, etwa mit Blick auf die Lebensform des Zölibats. Diese hätten ihm aber bei der Entscheidung geholfen.

Bei einer Messdiener-Wallfahrt entschloss sich der junge Mann, diesen Lebensweg auszuprobieren. Er meldete sich direkt im Priesterseminar Borromaeum in Münster an. „Meinen Eltern habe ich das aber erst erzählt, als ich die Zusage hatte. Vor allem für meine Mutter war es ein Prozess, sich damit anzufreunden“, sagt Guhr, der eine ältere Schwester und einen älteren Bruder hat. Heute erfahre er die volle Unterstützung seines Umfelds.

Der folgende Weg sei „wie ein Schleifstein: Das Bild davon, wie ich als Priester leben möchte, rundet sich zunehmend ab, ohne dass es schon vollständig rund ist.“ Dazu habe auch sein Auslandsjahr in Italien beigetragen. Ganz bewusst habe er dieses nicht in Rom, sondern in Mailand verbracht. „Das war sehr bereichernd“, sagt er. „Die Tatsache, wie viele gläubige und spirituelle Menschen es in den Gemeinden gibt, entzieht jedem Klerikalismus die Grundlage.“

Apropos Klerikalismus: Sein eigenes Priester-Sein stellt sich Fabian Guhr nicht als oberster Manager einer Kirchengemeinde vor. St. Antonius Rheine, wo er derzeit im Gemeindejahr unter anderem Religionsunterricht gibt, die Firmvorbereitung und den Jugendbereich mitgestaltet und an neuen Gottesdienstformen arbeitet, ist Pilotpfarrei für neue Leitungsmodelle im Bistum Münster. „So kann ich mir die Kirche der Zukunft und meine Rolle als deren Priester vorstellen“, meint Guhr. Er wolle weniger im Sinne eines leitenden Pfarrers mit vielen Verwaltungsaufgaben arbeiten, sondern als Priester seelsorglich wirken. „Mit dem Ende meiner BWL-Pläne habe ich mich ja gegen die Verwaltung vom Schreibtisch her entschieden“, vergleicht er augenzwinkernd.

Wie das Priesterbild sieht er auch die Kirche in einem grundlegenden Wandel: „Ich spüre, welche großen Erwartungen da sind, und habe Freude daran, dass sich was verändert.“ Experimente seien wichtig. „Vielleicht werden wir irgendwann nicht mehr in Pfarreien, sondern in anderen Formen von Gemeinde denken“, nennt er ein Beispiel.

So oder so müsse sich die Kirche neu definieren. „Ich selbst arbeite bei ihr nicht wegen des Systems, sondern wegen der Botschaft, die dahintersteht. Ich möchte an den Fragen mitarbeiten, wie Liebe und Heilung und Gemeinde in der Nachfolge Jesu heute gelingen können.“

Dabei trage das viele Positive, das es in der Kirche gebe. So fühlt sich Fabian Guhr auch nicht dadurch entmutigt, dass sein Berufswunsch heute ein exotischer ist: „Es kann ja auch eine Chance sein, dass es so wenig Priester gibt. Vielleicht spricht Gott dadurch und weist uns auf die großen Charismen aller Getauften hin.“

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