Glockenspiel
Marseillaise erklingt über Nottuln

Nottuln -

Das Glockenspiel an der Aschebergschen Kurie ist jetzt gewartet worden. Und ein Fehler wurde dabei auch gleich behoben. Ansonsten hätten sich die Gäste aus der Partnerstadt Saint-Amand-Montrond gewundert.

Donnerstag, 25.04.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 17:44 Uhr
Glockenspielwartung in luftiger Höhe an der Aschebergschen Kurie: Glockenmonteur Oliver Linnhoff überprüft die einzelnen Glocken und ihre Mechanik.
Glockenspielwartung in luftiger Höhe an der Aschebergschen Kurie: Glockenmonteur Oliver Linnhoff überprüft die einzelnen Glocken und ihre Mechanik. Foto: Gemeinde Nottuln

Oliver Linnhoff ist Glockenmonteur bei der Glocken- und Kunstgussmanufaktur Petit und Gebrüder Edelbrock aus Gescher. Und an diesem Morgen ist er im Außendienst in Nottuln unterwegs. In gut sieben Metern Höhe überprüft und wartet Linnhoff das Glockenspiel an der Ascheberg­schen Kurie. Löst Verkrustungen mit Kriechöl, justiert Stellschrauben, überprüft Kabelverbindungen, testet die Mechanik der einzelnen Bauteile und guckt nach, ob die Glocken noch fest an ihrem Platz hängen.

Gerade feilt er an der Halterung des Magnethammers von einer der insgesamt 16 Bronzeglocken. Im Laufe der Zeit ist dort eine Art Überstand entstanden und „der bremst den Schwung des Hammers”, erklärt der gelernte Elektriker, „das heißt, die Glocke klingt nicht mehr so hell und klar wie sie es eigentlich soll.”

Und manchmal fällt eine solche Glocke auch komplett aus – so wie Glocke Nummer zehn. Ihr Ton war wohl seit einiger Zeit schon nicht mehr zu hören. Weil sie aber nur selten genutzt wird, bemerkte es erst niemand. Als jedoch unlängst der Glockencomputer im Dachgeschoss des Kuriengebäudes aus Anlass des bevorstehenden Städtepartnerschaftsjubiläums mit der deutschen und der französischen Nationalhymne programmiert wurde, fiel ihr fehlender Klang auf, berichtet Wolfgang Heyn , der bei der Gemeinde auch für das vor 15 Jahren vom Heimatverein Nottuln gestiftete Glockenspiel verantwortlich ist.

Gut nur, dass sowieso eine Wartung anstand, schreibt die Gemeinde in einer Pressemitteilung. So konnte der Fehler an Glocke Nummer zehn, die den Ton G spielt, rasch behoben werden.

Zwei Stunden arbeitet Oliver Linnhoff dort oben an der Giebelfront des Kuriengebäudes an der Stiftsstraße – ein Hubsteiger macht‘s möglich. Dessen Plattform nutzt er gerne auch als Arbeitstisch – dazu fährt er das Gerät mit seinen Scherenbeinen wieder zusammen und arbeitet dann am Erdboden weiter.

Gerade hat Linnhoff die Magnethammer-Halterung zu Ende bearbeitet. Er fährt den Hubsteiger wieder hoch und montiert die Halterung an die Glocke mit der Nummer 10. Nun überprüft er den Anschlag – und fertig ist die Wartung an diesem hell klingenden Glöckchen.

Zum Schluss testet Linnhoff den Klang aller Glocken und lässt dabei zusammen mit Wolfgang Heyn die deutsche und die französische Nationalhymne abspielen. Alle Töne sind da und erklingen im harmonischen Zusammenspiel. Genauso wie die anderen fünf Melodien, die die 16 Glocken über den ganzen Tag verteilt, spielen.

Alle zwei Jahre sollte eine solche Wartung stattfinden, erklärt Oliver Linnhoff, dessen Firma in schöner Regelmäßigkeit auch das Geläut der St.-Martinus-Kirche überprüft. Die Wartung sei so was wie der TÜV beim Auto: Schließlich gehe es bei einem Glockenspiel dieser Art nicht nur darum, das harmonische Zusammenspiel zu erhalten, sondern eben auch darum, seine Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Man stelle sich nur mal vor, was geschehen könnte, wenn die Glocken nicht mehr fest in ihrer Verankerung säßen. Doch davor ist das Glockenspiel an der Ascheberg­schen Kurie dank der Wartung gefeit. Linnhoff: „Das Glockenspiel ist in einem guten Zustand.”

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