Annette-von-Droste-Hülshoff-Jugendherberge
Herbergsväter mit Herz

Nottuln -

Hagebuttentee – ja, den gibt s auch heute noch in der Nottulner Jugendherberge, neben vielen anderen Sorten. Zwei, die die frühere und heutige Jugendherbergsarbeit kennen, sind Günther Bittner und Christoph Zumbülte.

Mittwoch, 01.05.2019, 08:00 Uhr
Zwei, die die Nottulner Jugendherberge geprägt haben und noch weiter prägen: Günther Bittner (l.) und Christoph Zumbülte.
Zwei, die die Nottulner Jugendherberge geprägt haben und noch weiter prägen: Günther Bittner (l.) und Christoph Zumbülte. Foto: Ulla Wolanewitz

Hagebuttentee, Spüldienst und Betten beziehen. Diese drei Attribute waren einmal eng verknüpft mit dem Aufenthalt in einer Jugendherberge. Lange ist es her. „Hagebuttentee steht zwar noch heute – neben vielen anderen Sorten – zur freien Auswahl“, schmunzelt Jugendherbergsleiter Christoph Zumbülte, „spülen müssen die Gäste aber nicht mehr, wohl jedoch ihre eigenen Betten beziehen.“

19 Jahre leitete Günther Bittner das Haus, das den Namen der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff trägt. Als seine Frau Renate sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste, stellte Bittner am 1. Mai 1999, also vor genau 20 Jahren, Christoph Zumbülte als Assistenten ein. Dem jungen Erzieher aus Metelen war die Jugendherberge nicht unbekannt. Schon 1996 und 1997 hatte er hier seine 13 Monate Zivildienst geleistet. „Danach war mir klar, dass ich auch mal eine Jugendherberge leiten will“, sagt er. Mittlerweile lebt der 44-Jährige seit 16 Jahren in Nottuln. Als Bittner 2003 in den Ruhestand ging, übernahm Zumbülte dessen Position.

„Den Neubau in den Ort zu bringen, war eine gute Alternative.“

Das Ehepaar Bittner siedelte 1984 von Hagen, wo es neun Jahre ein DJH-Haus mit 120 Betten geleitet hatte, nach Nottuln um. Die Jugendherberge mit ihrer gezackten grün-grauen Silhouette war 1980 eingeweiht worden. „Geplant war zunächst, sie an die Stelle des alten Gebäudes von 1927 zu setzen“, erinnert sich Bittner. „In der nötigen Größenordnung ließ sich das dort aber nicht realisieren. Das Sandsteingebäude erhielt Denkmalschutz. Den Neubau in den Ort zu bringen, war eine gute Alternative.“

In das nun seit einem knappen Jahr komplett erneuerte Haus konnte Christoph Zumbülte seine Wünsche zur Gestaltung und Ausstattung mit einbringen, weil „ich die Bedürfnisse unserer Gäste eben sehr gut kenne. Es ist schön zu sehen, dass davon auch ganz viel umgesetzt worden ist und in der Praxis funktioniert.“

„Die Frau sollte Erfahrung in der Haushaltsführung haben.“

Nein, eine einschlägige Ausbildung zum Herbergsleiter gibt es nicht. Erfahrungen als Erzieher oder Pädagoge, der oder die in der Jugendarbeit versiert ist, sind sehr dienlich. „Zu meiner Zeit hieß es, man sollte ein Instrument beherrschen, und die Frau sollte Erfahrung in der Haushaltsführung haben“, erklärt Bittner, der Orgel und Posaune spielte. Da Christoph Zumbülte seit seiner Jugend Tenorhorn spielt, kann er die erstgenannte Bedingung auch erfüllen.

„Als ich vor 16 Jahren nach Nottuln umgezogen bin, nahm mich der Zivi mit zur Probe der Blasmusikvereinigung“, sagt er. „Ankommen und Freunde finden, gelingt am besten über die Musik und einen Verein.“ Das bestätigt ihm sein Mentor gerne, denn der ist noch heute Mitglied der Kolpingsfamilie und aktiver Sänger im Männergesangverein. Mittlerweile ist Christoph Zumbülte seit 13 Jahren Vorsitzender der Blasmusikvereinigung Nottuln und seit mehreren Jahren mit der Querflötistin Anne Zumbülte verheiratet, welche jedoch ihrem Beruf als Physikerin nachgeht. Denn: In der Küche der Jugendherberge hat längst nicht mehr unbedingt die Herbergsmutter, sondern – wie im Fall Nottuln – eine engagierte Küchenleitung das Sagen. Dort, wie auch in den anderen Bereichen des Hauses, werden die Arbeiten von einem gut organisierten 23-köpfigen Team gestemmt.

Treue Gäste

Zu den treuen Gästen zählt unter anderem das Landesjugendorchester NRW, das sich seit 1984 hier regelmäßig zu Probenphasen einbucht. „Optimal, weil sie nebenan die Räume im Gymnasium nutzen können. Anfangs übten sie in der Alten Amtmannei. Vor allem für die Musiker mit großen Instrumenten war das ein langer Weg“, erinnert sich Günther Bittner.

Mit seinem Nachfolger ist Günther Bittner bestens zufrieden. Auch im neuen Haus ist und bleibt er nach wie vor ein gern gesehener Gast. Manchmal schaut er hier vorbei. Ansonsten genießt er seinen wohlverdienten Ruhestand. Trotzdem schwingt er sich noch täglich auf den Sattel. „So 20 Kilometer sind es meistens“, erklärt er stolz, greift zum E-Bike und fährt davon.

Dieses Privileg hat sein Nachfolger noch nicht. Seine kleinen Auszeiten genießt aber auch er auf dem Zweirad. Allerdings ohne Elektroantrieb. Er schwingt sich eher aufs Rennrad. Im Alltag sind es die Baumberge, im Urlaub darf es auch die Tramuntana auf Mallorca oder Irland sein.

Daten zur Geschichte

1909: Gründung des Deutschen Jugendherbergswerks1925: Grundsteinlegung der ersten Jugendherberge in den Baumbergen (Einweihung am 26. Februar 1927)1980: Einweihung der Jugendherberge in der Sankt-Amand-Montrond-Straße1985: 22 437 Übernachtungen bei 114 Betten2017: Teilabbruch und Baubeginn der Erweiterung1. Juli 2018: Einweihung des Neubaus (Investition 6 Mio. Euro); 165 Betten, 44 Zimmer mit Dusche und WC (davon fünf Sechs-Bett-Zimmer, zehn Doppelzimmer und 29 Vier-Bett-Zimmer, davon fünf rollstuhlfreundlich).

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