Europawahl
„Wir wollen für Europa werben“

Nottuln -

Wie bringt man das Projekt Europa voran und in welche Richtung soll es gehen? Die Friedensinitiative hatte dazu Politiker von fünf Parteien eingeladen.

Dienstag, 21.05.2019, 21:00 Uhr
Die Friedensinitiative Nottuln hatte zum Infoabend zur Europawahl geladen. Auf dem Podium (v.l.): Richard Dammann (Grüne), Markus Lunau (CDU), Manfred Kunstlewe (SPD), Dr. Gernod Röken (Linke), Helmut Walter (FDP) und Moderator Heinz Böer.
Die Friedensinitiative Nottuln hatte zum Infoabend zur Europawahl geladen. Auf dem Podium (v.l.): Richard Dammann (Grüne), Markus Lunau (CDU), Manfred Kunstlewe (SPD), Dr. Gernod Röken (Linke), Helmut Walter (FDP) und Moderator Heinz Böer. Foto: Marita Strothe

„Uns geht es darum, für Europa zu werben“, betonte Heinz Böer am Montagabend bei seiner Begrüßung in der Alten Amtmannei. Der Moderator von der Friedensinitiative Nottuln (FI) begrüßte dazu auf dem Podium die Lokalpolitiker Helmut Walter (FDP), Dr. Gernod Röken (Die Linke), Manfred Kunstlewe (SPD), Markus Lunau (CDU) und Richard Dammann (Die Grünen) zur gemeinsamen Infoveranstaltung sechs Tage vor der Europawahl .

Mit „Wonderful Tonight“ von Eric Clapton hatte zuvor der Musiker João Alves die rund 50 Gäste erfreut. Ganz und gar nicht wunderbar, sondern erschreckend fand allerdings Böer Äußerungen, die auf dem zum Wochenende bekannt gewordenen Skandal-Video mit Österreichs Vize-Kanzler gemacht wurden. „Solche rechtspopulistischen Tendenzen waren ein Grund für diese Veranstaltung.“ In dieser stellten nun die Politiker den Besuchern in kurzen Statements die zentralen Programmpunkte ihrer Parteien für die Europawahl vor.

„Unser Europa lebt davon, dass wir uns frei bewegen können“, startete Helmut Walter die Runde. Das hohe Gut des seit 70 Jahren währenden Friedens sei nur mit Zusammenhalt möglich. Er wies auf die sehr starken Partnerschaften Nottulns mit europäischen Städten hin, bei denen er sich auch persönlich einbringt.

Dr. Gernod Röken erläuterte den Zuhörern unter anderem die Vision eines solidarischen Sozialismus. Ganz wichtig sei den Linken auch, dass mehr Sicherheit nicht mehr Militär heiße.

Nach ihm stellte Manfred Kunstlewe die fünf Hauptpunkte im Europaprogramm seiner Partei vor. „Es ist dringend notwendig, dass die Wirtschaftsunion Europa durch eine Sozialunion ergänzt wird“, unterstrich er.

„Was hat Europa mit Nottuln zu tun?“, stellte Markus Lunau seinen Ausführungen voran. „Vieles kann nicht mehr im Kleinteiligen passieren.“ Wirtschaftliche Stärke bewahren, ökologische Themen dabei nicht zu vernachlässigen und sich so als Europa gut aufzustellen, das sei Ziel seiner Partei.

„Wir haben ein solides Europa“, so Richard Dam­mann, „das sollten wir uns nicht kaputtreden lassen.“ Die Grünen, die als einzige als europäische Partei auf dem Wahlzettel steht, hat sich Themen für ein ökologisches, soziales und demokratisches Europa auf die Fahnen geschrieben. „Wir brauchen Freunde, nicht Feinde. Wir werden zusammenwachsen.“

Anschließend gingen die Politiker auf Fragen aus dem Publikum ein. Einigkeit herrschte beim Thema Flüchtlingspolitik, dass Menschen, die politisch verfolgt werden, politisches Asyl gewährt bekommen und Ertrinkende aus dem Mittelmeer gerettet werden müssen. Das musikalische Zwischenspiel von João Alves, „Imagine“ von John Lennon, passte hervorragend zur Diskussion des sozialen Europas, in der unter anderem Niedriglohn, Arbeitslosigkeit und Ausbildung bis hin zur Herzensbildung angesprochen wurden.

Ein großer Wunsch der FI ist ein atomwaffenfreies Europa. Klaus-Gerhard Greiff zitierte kritisch aus den Planungen zu einer EU-Armee, in denen stehe, das auch Nuklearwaffen entwickelt werden sollen.

Mit einer Vision rundete Robert Hülsbusch nach über zwei Stunden Meinungsaustausch den Abend ab. 100 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wäre es doch schön, wenn es am 8. Mai 2045 nur noch eine Europäische Republik gebe, mit Regionen wie dem Münsterland oder Bayern. „Wir müssen Europa neu denken.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6630110?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker