Deckelsammlung für die Polio-Impfung
„Wir hätten gerne noch weitergemacht“

Nottuln/Havixbeck -

Die Plastikdeckelsammlung für die Polio-Impfung kommt immer besser in Fahrt. Sogar einen neuen Monatsrekord verzeichnet Norbert Richter. Doch nun mus die Aktion beendet werden.

Samstag, 25.05.2019, 14:00 Uhr
Die Big Packs voll mit Plastikdeckeln werden bald zum letzten Mal vom Hof Wilhelmer in Hohenholte abgeholt. Die Aktion wird zum Bedauern der Aktiven eingestellt.
Die Big Packs voll mit Plastikdeckeln werden bald zum letzten Mal vom Hof Wilhelmer in Hohenholte abgeholt. Die Aktion wird zum Bedauern der Aktiven eingestellt. Foto: Norbert Richter

Der April war für die Plastikdeckelsammlung für die Polio-Impfung ein voller Erfolg. „Wir hatten mit 1,16 Tonnen einen neuen Monatsrekord“, berichtet Norbert Richter für den von ihm betreuten Bereich, zu dem auch die Gemeinden Nottuln und Havixbeck gehören. Umso trauriger, dass die Deckelsammlung „definitiv zum 30. Juni deutschlandweit ausläuft“, wie der Hohenholter jetzt seinen Mitstreitern geschrieben hat. „Viele finden das sehr schade, da die Sammlung jetzt richtig in Schwung kommt. Und mir tut es ebenfalls sehr leid.“

Die Gründe nennt der Verein „Deckel drauf“, der die von Rotary International ins Leben gerufene Aktion für Deutschland organisiert hat, auf seiner Homepage:

„Die Preise auf dem Markt für Sekundärrohstoffe sind zuletzt deutlich gesunken. Es kann daher nicht sichergestellt werden, dass wir auch in Zukunft die Erlöse erzielen, die erforderlich sind, um das Motto der Sammlung zu erfüllen. Hintergrund dieser Preisentwicklung sind Marktverschiebungen, die durch das chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle ausgelöst wurden. Es ist eine so große Menge auf dem Markt, dass auch unsere gute Qualität auf dem deutschen Markt nur schlechte Preise erzielt.

Die EU hat in ihrer Kunststoffstrategie, die wir für völlig richtig und notwendig halten, festgelegt, dass künftig die Deckel fest mit den Flaschen verbunden sein müssen. Uns geht also mittelfristig das Sammelmaterial aus.

Wir sind vom Erfolg überrollt worden. Das Projekt ist inzwischen so groß geworden, dass es für eine Handvoll Ehrenamtliche nicht mehr ordentlich betrieben werden kann. Wir waren bereits seit langer Zeit eigentlich dauerhaft im Einsatz, egal ob tagsüber in den Pausen, nach Feierabend, an den Wochenenden, Feiertagen oder auch im Urlaub. Leider ist nun der Punkt erreicht, an dem wir, auch aufgrund zwischenzeitlicher Veränderungen im Beruf und im Privaten, es einfach nicht mehr schaffen. Viele haben das in den letzten Wochen bemerkt, Bestellungen dauerten länger, Antworten blieben länger aus und der Facebook-Account wurde seltener aktualisiert.

Bevor unser Projekt „schleichend“ zu Ende geht, wollen wir es nun anständig und sauber selbst beenden.“

Norbert Richter bedauert, dass die Deckelsammlung auch örtlich begrenzt nicht weitergeführt werden könne. „Aber vor allem die Speditionslogistik kann nicht ersetzt werden.“ Richter lagerte die Deckel aus den verschiedenen Sammelstellen in Big Bags in Hohenholte auf dem Hof Wilhelmer, ehe sie dann zur Wiederverwertung abgeholt wurden. Er bittet darum, noch einmal richtig Gas zu geben. „Alle Deckel, die bis Mitte Juni in Hohenholte sind, werden noch abgeholt.“

Ende Mai, Anfang Juni werden die Sammelbehälter entfernt. „Nachzüglerdeckel können dann noch einige Tage gesammelt werden“, erklärt Richter. „Ich hoffe, wir bekommen unser großes System geordnet zurückgefahren.“

Die Helferinnen der Pfarrcaritas St. Martin, die sich um die Organisation einzelner Sammelstellen in der Gemeinde Nottuln gekümmert haben (es gibt weitere Sammelstellen etwa am Rupert-Neudeck-Gymnasium), bedauern das Aus sehr. Carola Ansmann: „Wir hätten gerne weitergemacht.“

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