Klimanotstand Nottuln ?
Den Worten müssen auch Taten folgen

Nottuln -

Nottulner Jugendliche, die sich in der Fridays-for-Future-Bewegung engagieren, sind überrascht von dem SPD-Antrag, der Rat möge den Klimanotstand Nottuln ausrufen. Die Jugendlichen waren dabei, einen eigenen Antrag vorzubereiten. Zwei Jugendliche haben den Ratsfraktionen geschrieben.

Dienstag, 28.05.2019, 11:24 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 14:30 Uhr
Beim Klimastreik von Fridays for Future am 24. Mai 2019 demonstrierten rund 6000 Menschen in Münsters Innenstadt für eine konsequentere Klimapolitik.
Beim Klimastreik von Fridays for Future am 24. Mai 2019 demonstrierten rund 6000 Menschen in Münsters Innenstadt für eine konsequentere Klimapolitik. Foto: Oliver Werner

Der Dringlichkeitsantrag der Nottulner SPD , der Gemeinderat möge in seiner Sitzung am Dienstagabend (28. Mai) den Klimanotstand ausrufen, hat große Überraschung bei den Nottulner Jugendlichen ausgelöst, die sich in der Fridays-for-Future-Bewegung engagieren. Denn die Jugendlichen waren dabei, einen eigenen Bürgerantrag an den Gemeinderat zu formulieren, wie der Nottulner Lukas Sydow im WN-Gespräch berichtet. Er und der Nottulner Richard Mannwald, Schüler am Rupert-Neudeck-Gymnasium, haben eine gemeinsame Stellungnahme zum SPD-Antrag erarbeitet und diese am Dienstmorgen per Mail an die Ratsfraktionen weitergeleitet.

„Wir haben alle Ratsfraktionen gebeten, dem Anliegen zuzustimmen, sollte es am Abend im Rat der Gemeinde Nottuln thematisiert werden“, berichtet Sydow und ergänzt: „Darüber hinaus ist es uns allerdings wichtig, dass dieser Appell nicht parteipolitisch zu verstehen ist, wir uns nicht werden vereinnahmen lassen und Worten dann auch Taten folgen müssen.“ Über konkrete Ziele und Maßnahmen zum Klimaschutz in Nottuln würde man sich gerne mit dem Rat austauschen.

Daher haben die beiden Schüler eine längere Stellungnahme verfasst und an die Fraktionen geschickt. Auf Nachfrage erläutert Lukas Sydow, dass Richard Mannwald und er nicht als Vertreter einer Ortsgruppe Nottuln der Fridays-for-Future-Bewegung sprechen, denn so eine Ortsgruppe gebe es zurzeit nicht. Es gebe aber viele Jugendliche, die an den Demonstrationen in Münster teilgenommen haben und sich in der Gruppe Münster engagieren. „Letztlich haben wir dem Rat als Privatpersonen geschrieben, aber wir haben unseren Brief mit anderen Jugendlichen besprochen“, schildert Sydow.

In ihrem Schreiben an die Fraktionen schildern die beiden jungen Nottulner, warum der Klimaschutz so wichtig ist:

„Die Klimakrise stellt für die Stabilität der Ökosysteme unseres Planeten und für Millionen von Menschen eine existenzielle Bedrohung dar. Eine ungebremste Erderwärmung ist eine enorme Gefahr für Frieden und Wohlstand weltweit. Es bleibt wenig Zeit, den Klimawandel aufzuhalten und so zu verhindern, dass die Kipppunkte im Klimasystem überschritten werden. Tun wir das nicht, werden die verursachten Schäden weit höhere Kosten mit sich bringen als alle Investitionen in konkrete Maßnahmen zur Vermeidung der Klimakatastrophe.

Die Klimakrise ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Deshalb gehen wir auf die Straßen. Wir sind weder an eine Partei noch an eine Organisation gebunden. Die Klimastreik-Bewegung hat ihre eigene Dynamik und wird durch tausende individuelle junge Menschen getragen.“

Und weiter heißt es: „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Gemeinde dem Beispiel anderer Kommunen weltweit folgen sollte. So hat beispielsweise der Münsterische Rat am 22. Mai für die Stadt den Klimanotstand erklärt. Zum jetzigen Zeitpunkt waren unsererseits erste Vorüberlegungen für Nottuln bereits getroffen – eine vorherige Absprache mit der Gemeindeverwaltung, der Lokalpolitik und Zivilgesellschaft sollte zeitnah erfolgen, sobald ein erster Entwurf für einen Bürgerantrag auf unsere Initiative hin ausgearbeitet worden wäre.

Nun hat die SPD-Ratsfraktion einen ähnlichen Antrag für die Ratssitzung eingebracht. Wir unterstützen dessen inhaltlichen Ziele und bitten Sie daher, dem Dringlichkeitsantrag zuzustimmen! Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass dieser Appell nicht parteipolitisch zu verstehen ist und wir uns als Jugendliche nicht vereinnahmen werden lassen. Darüber hinaus möchten wir unterstreichen, dass auch auf lokaler Ebene nun Worten Taten folgen müssen.

. . . Nun gilt es, schnell und effizient zu handeln – sei es beispielsweise bei der klimaneutralen Mobilität, Versorgung von Gebäuden oder energetischen Sanierung, bei einem grundsätzlichen Klimavorbehalt und dem Einbeziehen von Klimafolgekosten in Wirtschaftlichkeitsrechnungen oder bei dem Eintreten für ein bundesweites Klimaschutzgesetz. Auch auf lokaler Ebene in Nottuln bestehen also vielseitige Handlungsmöglichkeiten, die unser Meinung nach noch intensiver konkretisiert und ausgeschöpft werden müssen.“

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