Mühle Zumbülte
Vom „Bänker“ zum „Dentisten“

Nottuln -

Holzfachmann Heinz Merschkötter ist für seine langlebigen, rustikalen Sitzbänke in den Baumbergen bestens bekannt. Beim jüngsten Projekt war er aber nicht als „Bänker“ gefragt, sondern als „Dentist“.

Freitag, 07.06.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 17:46 Uhr
Die alten Zähne für das Mühlrad waren sichtbar hinüber. Heinz Merschkötter (l.) und Karl Hauk-Zumbülte freuen sich über die gelungene Erneuerung.
Die alten Zähne für das Mühlrad waren sichtbar hinüber. Heinz Merschkötter (l.) und Karl Hauk-Zumbülte freuen sich über die gelungene Erneuerung. Foto: Ulla Wolanewitz

Einige Tage haben sie am Rad gedreht. Das allerdings mit größtem Vergnügen und bestem Erfolg. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann am Deutschen Mühlentag ( Pfingstmontag ) von 10 bis 18 Uhr in der Mühle Zumbülte an der Mühlenstraße 14 in Augenschein genommen werden. Holzfachmann Heinz Merschkötter , der als „Bänker“ mit seinen rustikalen Sitzbänken in den Baumbergen und darüber hinaus viele Landmarken gesetzt hat, macht sich mit seiner neuesten Produktion einmal mehr einen Namen als Experte für kniffelige Details, diesmal sozusagen als „Dentist“.

Die Geschichte der Restaurierung : Die alten Zähne für das Mühlrad waren sichtbar hinüber.

Die Geschichte der Restaurierung : Die alten Zähne für das Mühlrad waren sichtbar hinüber. Foto: Ulla Wolanewitz

Karl Hauk-Zumbülte benötigte für die dicken Zahnräder im Mühlenbetrieb 240 Holzzähne, weil „Eisen nicht auf Eisen laufen darf“. In die Originalteile war der Holzbock eingezogen. „Wenn der Müller nicht arbeitet, arbeitet der Holzwurm“, flachst der Mühlenbesitzer und erklärt weiter: „Das Holz muss nass bleiben, dann passiert nichts.“ Bei diesem „Zahnersatz“ handelt es sich allerdings nicht um einfache Keile, sondern um „Implantate“ mit zwölf verschiedenen schrägen Schnitten auf drei Ebenen. Ein Teil davon sitzt in der „Zahnlücke“, eines schaut vorne, eines hinter raus.

Bei den Überlegungen zu diesem Projekt hatte Hauk-Zumbülte unter anderem den Einsatz einer CNC (Computergesteuerte Werkzeugmaschine) in Erwägung gezogen. Bis Heinz Merschkötter ihm praktische Unterstützung anbot: „Was die früher konnten, können wir doch auch.“

Die Geschichte der Restaurierung: Heinz Merschkötter machte passgenau die neuen Zähne für das Mühlrad.

Die Geschichte der Restaurierung: Heinz Merschkötter machte passgenau die neuen Zähne für das Mühlrad. Foto: Ulla Wolanewitz

Klar war, dass es – der Härte wegen – Hainbuche werden sollte. Merschkötter wurde dazu im Vogelbusch fündig. Und Hauk-Zumbülte entdeckte das Holz via Internet bei Karlsruhe, wo „es ursprünglich für den Klavierbau gedacht war.“ Beide Partien zusammen ergaben die benötigte Menge, die der Holzexperte vor der Verarbeitung entsprechend sanft behandelte und „mit Sonne, Luft und viel Liebe“ trocknete, bevor es die Kreissäge zu sehen bekam.

Nein, eine technische Zeichnung brauchte er nicht. Sämtliche Maße nahm er am Original ab und fertigte sich dazu die entsprechende Skizze an. Dann tüftelte er in seiner Werkstatt. Die Frage, wie lange er dafür benötigte, beantwortet der „Zahnkosmetiker“ schmunzelnd: „Die Stunden habe ich doch nicht gezählt.“ Hauk-Zumbülte lacht: „Das kann solange nicht gedauert haben. Nach drei Tagen stand er schon damit vor der Tür.“

Die Geschichte der Restaurierung: Heinz Merschkötter machte passgenau die neuen Zähne für das Mühlrad. Und das gleich in 240-facher Ausführung.

Die Geschichte der Restaurierung: Heinz Merschkötter machte passgenau die neuen Zähne für das Mühlrad. Und das gleich in 240-facher Ausführung. Foto: Ulla Wolanewitz

Auf jeden Fall brauchte es viel Ruhe und Ausdauer in der „Zauber-Werkstatt“ des Experten. „Es wollte gut überlegt sein, welcher Schnitt am günstigsten in welchem Schritt gemacht werden wollte. Auch habe ich mir für die Maschinen verschiedene Vorrichtungen gebaut“, so Merschkötter. „Vor allem aber muss ich das ganz alleine machen. Ich kann dann keinen neben oder hinter mir in der Werkstatt gebrauchen.“

Vor Ort wurde jeder einzelne Zahn passend eingeschliffen. Jetzt dürften die „Beißerchen“ wieder für mindestens ein halbes Jahrhundert halten. Das strahlend hainbuchenweiße Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen.

Das nächste Projekt? „Ich habe im Schuppen noch einen alten Bollerwagen. Da fehlt die Deichsel“, sagt Hauk-Zumbülte und der Fachmann lacht, denn auch diesen Fall wird er zu deichseln wissen: „Ist doch kein Problem. Man muss nur einfach damit anfangen“.

Klingt ein bisschen nach Archimedes. Dem alten Griechen wird das Zitat „Gebt mir einen Punkt, wo ich hintreten kann und ich bewege die Erde“ zugeschrieben, mit dem er sein Hebelgesetz veranschaulichte.

Heinz Merschkötter hat dieses Gesetz im Blut. Allerdings mehr nach dem Prinzip „Nich küern, müern“ – nicht so viel Theorie, lieber mehr Praxis. Gleichzeitig liefert er einen prächtigen Beweis dafür, dass einem passionierten und erfahrenen Handwerker immer auch ein guter Mathematiker und Physiker innewohnt.

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