kleiner musiksommer schapdetten
Liebe, Schmerz und Drama

Schapdetten -

Das Schmalz floss in den Altarraum – und das Publikum war hin und weg. Zum zweiten Mal begeisterte der „Gesangstechnische Hilfsdienst“ aus Köln die Gäste des „kleinen musiksommers schapdetten“.

Montag, 01.07.2019, 20:00 Uhr
Der „Gesangstechnische Hilfsdienst“ hatte die Geschichte „Wüstenwind & Rosenhauch“ mitgebracht, eine orientalische Geschichte, bei der die ehrwürdige St.-Bonifatius-Kirche wahrlich in ihren Grundmauern erschüttert wurde.
Der „Gesangstechnische Hilfsdienst“ hatte die Geschichte „Wüstenwind & Rosenhauch“ mitgebracht, eine orientalische Geschichte, bei der die ehrwürdige St.-Bonifatius-Kirche wahrlich in ihren Grundmauern erschüttert wurde. Foto: Axel Engels

Schon im Vorjahr sorgte der „Gesangstechnische Hilfsdienst“ mit seinem musikalisch-literarischen Klosterkrimi beim „kleinen schapdettener musiksommer“ für Furore. Diesmal hatten sie „Wüstenwind & Rosenhauch“ mitgebracht, eine orientalische Geschichte, bei der die ehrwürdige St.-Bonifatius-Kirche wahrlich in ihren Grundmauern erschüttert wurde.

Es gibt wohl kein Gesangsensemble in der bunten Musik-Republik, das sich dem Genre der Groschenromane verschrieben hat und damit auf ganz hohem gesanglichen Niveau die Ohren des Publikums verwöhnt und dabei dessen Lachmuskulatur bis an ihre Belastungsgrenze strapaziert.

Ilka Brandt , Gründerin des „Gesangstechnischen Hilfsdienstes“, schreibt die Groschenromane als Wellgunde von Stolzenstein selbst. Liebe, Schmerz und Drama vereint sie dabei in einzigartiger Form, da tropfte am Sonntag bei ihrer musikalischen Märchenstunde der Schmalz nur so vom Altarraum. Mit Akribie und Feinsinn war die köstliche Geschichte musikalisch bereichert worden, spannte sich der Bogen vom Barock über die Renaissance bis zum Bluesgefühl des amerikanischen Südens.

Scheherezade hätte es wohl nicht eindrucksvoller in Worte fassen können als Ilka Brandt. Bei ihren Worten war man augenblicklich voll im Geschehen. Man fieberte mit bei der Geschichte rund um die junge adelige Archäologin Dörthe, Prof. Dr. Hero zur Sorgenfalt und dem gut aussehenden Scheich Idris. Und man schmunzelte bei jeder noch so kleinen Episode aus dem fernen Morgenland.

Aber was die Sängerinnen unter der Leitung von Ilka Brandt als „musikalisches Beiwerk“ lieferten, war wie eine Lehrstunde des kultivierten Gesangs. Intonation, reine Stimmgruppentrennung und was es an gesangstechnischen Schwierigkeiten sonst noch so gibt, all dies erfüllte der Kölner Frauenchor „ganz nebenbei“ mit Esprit und Leidenschaft.

Neben ihren wohltim­brierten Stimmen machten die Sängerinnen aber auch schauspielerisch eine gute Figur. Im „kleinen Schwarzen“ mit dezentem Hut und einer jederzeit spürbaren Lust am Singen hatten sie schon mit Bill Ramseys „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ und Freddy Quinns „So schön war die Zeit“ die Herzen des Publikums im Sturm erobert. Aber was sie bei Anton Bruckners vierstimmiger lateinischer Motette „Locus iste WAB 23“ dem begeisterten Publikum präsentierten, war ganz exquisite romantische Kunst. Aber auch Werke der englischen Chorliteratur waren bei den Frauen aus Köln bestens aufgehoben „Mourn for thy servant, mighty God of love“ von John Blow aus dem Jahre 1683 erklang stilistisch perfekt bis in die kleinste Verzierung und lebendig wie vom Staub der Zeit befreit. Selten hat man „April is in my Mistress’ face“ von Thomas Morley und „Hush, no more“ von Henry Purcell so innig und filigran gehört wie von diesem Ensemble.

Aber die Sängerinnen zeigten, dass sie nicht nur „barock“ perfekt können. Sie lieferten mit dem Country-bestimmten „A horse with no name“ von America, dem romantischen Lied „Lockung“ von Joseph Eichendorff und mit Ray Charles’ „Hit the road, Jack“ einen wahren stilistischen Crossover.

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