Schapdetten
Aus Tradition wird gelebter Alltag

Schapdetten -

Jeden Dienstag wird es in der Café-Ecke im Dettener Dorfladen eng. Die „Plattdeutsche Viertelstunde“ kommt zusammen. Aktuell sind das zehn ältere Herren. „Leider kommen die Frauen nicht mit“, bedauern sie.

Mittwoch, 24.07.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 25.07.2019, 11:20 Uhr
Sie küern Platt (v.l.): Willi Lüning, Bernhard Schäpers, Ewald Görtz, Bernhard Eßmann, Franz Muck, Heinz Merschkötter, Hugo Sandmann, Willi Hartz, Ulrich Scheipers und Heinz Rütering treffen sich jeden Dienstag im Dettener Dorfladen.
Sie küern Platt (v.l.): Willi Lüning, Bernhard Schäpers, Ewald Görtz, Bernhard Eßmann, Franz Muck, Heinz Merschkötter, Hugo Sandmann, Willi Hartz, Ulrich Scheipers und Heinz Rütering treffen sich jeden Dienstag im Dettener Dorfladen. Foto: Hugo Schmidt

Den Mitarbeiterinnen des Dettener Dorfladens sind diese Gäste wohl vertraut: Jeden Dienstagnachmittag um 15 Uhr trifft sich in der Café-Ecke des Dorfladens eine kleine Runde älterer Herren zur „Plattdeutschen Viertelstunde“. Sie sprechen über „Gott und die Welt“, über das aktuelle Dorfgeschehen. So vielfältig die Themen auch sein mögen, gesprochen wird nur auf Platt. Und das funktioniert wunderbar.

Ins Leben gerufen hat die Runde, aktuell bestehend aus zehn Herren, der Schapdettener Hugo Sandmann . „Vor 70 bis 80 Jahren war das Plattdeutsche die Umgangssprache im Münsterland“, erzählt er. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Platt nach und nach verloren gegangen, da viele Zugezogene nur Hochdeutsch sprachen und der Unterricht in den Schulen auf Hochdeutsch stattfand, fährt er fort. Heute spreche die Sprache daher nur noch die Generation über 60, da es für sie oftmals noch die Muttersprache sei.

Um das Platt als Tradition und kulturelles Erbe zu erhalten, setzte der Heimatverein Schapdetten sich als Ziel, im Rahmen der Denkmalpflege das Plattdeutsche zu fördern. Hugo Sandmann besucht daher regelmäßig den Schapdettener Kindergarten, um den Kindern das Plattdeutsche näher zubringen. „Die Kinder sind mit Begeisterung dabei“, freut er sich.

Um das Platt im Alltag wieder präsenter zu machen, gründete Sandmann zur Eröffnung des Dettener Dorfladens vor fünf Jahren die „Plattdeutsche Viertelstunde“. Jeden Dienstagnachmittag trifft sich die Gruppe im Dorfladen, um bei Kaffee und Kuchen „Platt te praoten“.

Der mit 69 Jahren Jüngste der Runde, Willi Lüning, hat das Platt noch von seinem Großvater gelernt. Neben ihm kommen noch zwei Appelhülsener, zwei Nottulner und die Schapdettener zum „Verdel Stünken“ in den Dorfladen. Dass die Runde bisher lediglich aus Herren besteht und die Frauen nicht mitkommen, bedauern die Männer sehr. „Jeder ist bei uns herzlich willkommen“, betont Hugo Sandmann.

Anfänglich hatte er in der Plattdeutschen Viertelstunde auch Diskussionen über Literatur angedacht, doch es zeigte sich, dass der Alltag genug Gesprächsstoff bietet, um aus einer Viertelstunde auch mal eineinhalb Stunden zu machen. So erzählen sich die Männer einen „Schwank aus dem Leben“, sprechen über Eichenprozessionsspinner oder den Vogelbestand in den Baumbergen. Es gibt kein Thema, über das man nicht auch auf Platt küern kann.

Das regelmäßige gesellige Beisammensein, bei dem auch immer viel gelacht wird, schätzen die Herren sehr. „Das ist ja das Schöne, dass jeder hier machen kann, was er will“, freut sich Heinz Rütering.

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