Gedenkfeier
„Das geht uns sehr wohl etwas an“

Nottuln -

Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger haben an der Gedenkfeier zur Erinnerung an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki teilgenommen. Gedacht wurde nicht nur der vielen Opfer. Alle Redner mahnten, sich für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen.

Mittwoch, 07.08.2019, 19:06 Uhr
Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger waren in den Abendstunden am Stiftsplatzbrunnen erschienen, um an der Hiroshima-Gedenkfeier teilzunehmen. Seit einigen Jahren verzeichnet das Gedenken steigende Teilnehmerzahlen.
Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger waren in den Abendstunden am Stiftsplatzbrunnen erschienen, um an der Hiroshima-Gedenkfeier teilzunehmen. Seit einigen Jahren verzeichnet das Gedenken steigende Teilnehmerzahlen. Foto: Ludger Warnke

Mit der eindringlichen Mahnung, Tod und Leiden der Menschen von Hiroshima und Nagasaki nicht zu vergessen, und dem Aufruf, sich dafür einzusetzen, eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen, endete am Dienstagabend die Nottulner Gedenkfeier zur Erinnerung an die Atombombenabwürfe auf die beiden japanischen Städte.

Knapp 80 Bürgerinnen und Bürger – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – waren diesmal der Einladung von Gemeinde und Friedensinitiative gefolgt und versammelten sich zu später Stunde am Brunnen am Stiftsplatz. Einer japanischen Tradition folgend, entzündeten die Teilnehmer Kerzen, die auf dem Brunnenrand standen oder auf dem Wasser schwammen. Vor der von Sendenschen Kurie (Rathaus) hatte die Gemeinde die Städtefahnen von Nottuln, Chodziez und St.-Amand-Montrond gehisst, dazu die mit einem Trauerflor versehene Fahne des Bündnisses „Mayors for Peace“.

Bürgermeisterin Manuela Mahnke erinnerte in ihrer Ansprache an das unsägliche Leid, an die „pure Katastrophe“, die die beiden Atombomben „Litte Boy“ und „Fat Man“ verursacht haben. So eine Katastrophe dürfe sich nie wieder ereignen. „Das sind wir uns, unseren Kindern und Enkeln und allen weiteren nachfolgenden Generationen schuldig.“

Eindrucksvolle Hiroshima-Gedenkfeier

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Dieses Ereignis müsse immer im Gedächtnis der Menschen bleiben, auch bei der jungen Generation, für die das Geschehen von vor 74 Jahren weit weg sei. Ausdrücklich begrüßte die Bürgermeisterin, dass mit Schülersprecher Richard Mannwald vom Rupert-Neudeck-Gymnasium auch ein Vertreter der jungen Generation die Gedenkfeier mitgestalte.

Und sie rief dazu auf: „Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bestreben, eine Welt ohne Atomwaffen zu fordern und zu schaffen.“ Mahnke lobte den Einsatz der Friedensinitiative und ebenso das Bündnis „Mayors for pace“.

Schülersprecher Richard Mannwald vom Rupert-Neudeck-Gymnasium hielt es keineswegs für absurd, dass sich auch die Menschen in Nottuln mit dem Thema beschäftigen. „Die Bedrohung betrifft uns auch heute noch“, erklärte er. Ihm laufe es kalt den Rücken herunter, wenn er an Kim Jong Un, Putin und Trump denke und an die Gefahr, die von ihnen in Verbindung mit Atomwaffen ausgehe: Genauso sei es, wenn er an die Klimakrise denke. Beides habe Folgen in einem Ausmaß, das man sich gar nicht vorstellen könne und wolle. „Es ist absolut notwendig, dass wir merken, dass uns dieses Thema sehr wohl etwas angeht, auch wenn die Problemzonen weit weg erscheinen.“

Richard Mannwald rief dazu auf, auf der Straße eine klare Meinung zu vertreten, „vielleicht donnerstags auf dem Markt mal an der Käsetheke über den Atomwaffenkonflikt zu sprechen, und die Wichtigkeit und Aktualität des Themas zu unterstreichen“. Der Schülersprecher zitierte Stefan Zweig: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

„Sollte so etwas wie ein nuklearer Krieg ausbrechen, dann hat dieser Planet danach, sollte es ihn dann noch geben, zum letzten Mal einen Menschen gesehen“, schloss Richard Mannwald unter Applaus der Zuhörer.

Für die Friedensinitiative erinnerte Ingeborg Bispinck-Weigand an die unfassbaren menschenverachtenden Atombombenabwürfe. Und sie erinnerte an ein Resümee des Zukunftsforschers Robert Jungk, wonach die Zukunft, seit jeher als Zeit der Hoffnung empfunden, nun mit Furcht und Schrecken besetzt sei.

Notwendig sei heute ein grundsätzlich anderes Denken, betone Bispinck-Weigand. Nur eine entscheidende Abkehr von allen Formen todbringenden Denkens und Handelns könne Rettung bringen. „Es wird das dringendste Projekt einer neuen Generation von Denkern und Forschern sein, solche Ideen weiterzudenken und zu konkretisieren.“ Es gelte, nach den verbindenden Kräften zu suchen, Unterschiedlichkeiten zu benennen und auszuhalten, lebbare Lösungen zu erarbeiten. Hier vor Ort könne man damit anfangen.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier durch Jutta Schmalenbach (Querflöte), die Musikstücke als Botschaft der Liebe ausgewählt hatte.

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