UBG Nottuln besteht 40 Jahre
„Fester Bestandteil der Lokalpolitik“

Nottuln -

Die Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG) Nottuln feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie im Mai 1979. Damals war eine Gruppe innerhalb der Mehrheitsfraktion CDU nicht mehr einverstanden mit deren Kommunalpolitik sowie dem Amtsstil des damaligen Gemeindedirektors.

Montag, 26.08.2019, 06:00 Uhr
Gründungsmitglied und Ratsherr Klaus Teichmann (r.) und Fraktionsvorsitzender Jan Van de Vyle sprachen über die Geschichte, die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven der UBG Nottuln.
Gründungsmitglied und Ratsherr Klaus Teichmann (r.) und Fraktionsvorsitzender Jan Van de Vyle sprachen über die Geschichte, die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven der UBG Nottuln. Foto: Johannes Oetz

Im Mai 1979 ist die Unabhängige Bürgergemeinschaft in Nottuln gegründet worden. Am Freitag (30. August) feiern die ehrenamtlichen Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker offiziell ihr 40-jähriges Bestehen. Über die Geschichte, aber auch über die jetzige Situation und die Zukunftsperspektiven sprach WN-Redakteur Frank Vogel mit Klaus Teichmann , Gründungsmitglied und Ratsherr, und dem Fraktionsvorsitzenden Jan Van de Vyle.

Warum ist die UBG vor 40 Jahren gegründet worden?

Klaus Teichmann: Ende der 1970er-Jahre war eine Gruppe innerhalb der Mehrheitsfraktion CDU mit deren Kommunalpolitik und der dirigistischen Amtsführung des damaligen Gemeindedirektors nicht mehr einverstanden und löste sich von der Fraktion mit dem Ziel, eine eigenständige Wählergemeinschaft in Nottuln zu gründen. Sie konnten interessierte Newcomer gewinnen und alle Wahlbezirke für die folgende Kommunalwahl besetzen. Als Einstiegserfolg standen circa 19 Prozent der Wählerstimmen zu Buche, mit sechs Ratsmandaten zog die UBG ins Rathaus.

Jan Van de Vyle: Ein, höchstens zwei Wahlperioden wurden der UBG damals prophezeit. Jetzt sind es sage und schreibe 40 Jahre und acht Wahlperioden. Die UBG ist fester Bestandteil der Nottulner Kommunalpolitik und derzeit mit sieben Sitzen die drittstärkste Gruppierung im Rat.

Wie hat sich die Mitgliederzahl seitdem entwickelt?

Teichmann: Die UBG ist von Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben; so verstarb bereits in der Gründungsphase einer der Initiatoren und Ideengeber, ein herber Einschnitt. Weitere Todesfälle, insbesondere von Personen der Führungsebene, haben uns vor besondere Herausforderungen gestellt. Wir haben sie bewältigt.

Die Zahl der Austritte hielt und hält sich in Grenzen, durch neu hinzugewonnene Mitglieder konnte die Zahl im Wesentlichen nicht nur gehalten, sondern, wenn auch nur moderat, sogar gesteigert werden. Nichtsdestotrotz, neue Mitglieder, insbesondere jüngere, aktive Mitbürgerinnen und Mitbürger sind gern eingeladen, die UBG zukunftsfähig zu halten und zu stärken.

Van de Vyle: Eine Anmerkung zur Fraktionsstruktur erlaube ich mir: Die UBG ist mit sieben Ratsmitgliedern vertreten, davon sind sage und schreibe drei Frauen, annähernd so viel wie bei den übrigen Fraktionen zusammen!

Zwischenzeitlich sah es so aus, als überaltere die UBG. Ist dieser Trend gestoppt?

Teichmann: Dazu habe ich zwei Antworten: Zum einen bezogen auf die Mitglieder, hier ist die Alterspyramide eher ansteigend, Grund dafür sind die „altgedienten“, verdienten, ehemals Aktiven, die weiterhin als Mitglieder die Nähe zur UBG-Politik halten und uns aktiv unterstützen.

Zum anderen sind hier die Mitglieder der Fraktion zu nennen, hier zeigt sich tatsächlich ein Verjüngungstrend. Nicht nur für die UBG ist es schwer, Nachwuchs für die aktive Kommunalpolitik zu rekrutieren. Viel wichtiger als die Altersstruktur der Fraktionsmitglieder ist meines Erachtens ihre Kompetenz. Wir sind sicher, dass in unserer Fraktion die Belange zum Beispiel auch der Jugendlichen durchaus vertreten werden.

Wo hat die UBG ihre Themen durchbringen können und nachhaltig Akzente gesetzt?

Van de Vyle: Als jüngstes Beispiel möchte ich die Entscheidung zur Erweiterung des EDEKA-Marktes bzw. die Inanspruchnahme eines Teiles des Rhode-Parks nennen, hier sind nun auch die Befürworter der vorgelegten Planungen den Überlegungen der UBG gefolgt und haben die Entscheidung revidiert bzw. ausgesetzt. Ein gemeinsamer Antrag zur Rhode-Park Gestaltung und künftigen Nutzung steht zur Entscheidung.

Die von der UBG geforderte Voranstellung der Entwicklung eines Baugebietes „Nottuln Nord“ ist ein weiteres Beispiel der vor ausschauenden Kommunalpolitik der UBG. Eine sinnvolle Entwicklung des Wohnungsbaus sieht die UBG in der Erschließung von Bauland im Gürtel zwischen Havixbecker Straße und Umgehungsstraße.

Obwohl die Realisierung der Umgehungsstraße vorangetrieben wurde, haben wir uns konstruktiv in die Planung eingebracht, die Installation des „Kreisels“ im Bereich der Einmündung Billerbecker Straße/Daruper Straße ist aufgrund der Eingabe der UBG umgesetzt worden.

Teichmann: Ein nachhaltiges Projekt wurde bereits vor mehr als zehn Jahren durch Initiative der UBG ins Leben gerufen, der Bürgerbus. Ein Erfolgsmodell, nutzen derzeit doch mehr als 10 000 Fahrgäste im Jahr dieses Angebot, im Übrigen fährt der Bürgerbus seit acht Jahren interkommunal, Havixbeck ist mit eingebunden. Und nach dem Dilemma „Appelhülsen Nord“ unterstützte die UBG die Entwicklung des Konzeptes „Fotovoltaik-Park“. Auch dieses ein Erfolgsmodell.

Wo gab es schmerzhafte Niederlagen? War der Bau der Umgehungsstraße so eine?

Teichmann: Sicher war die Entscheidung zur Nordumgehung für die UBG eine „Niederlage“, aber nicht die Entscheidung für eine Umgehungsstraße als solches. Die UBG hatte andere Vorstellungen zur Ortsumgehung, zum Beispiel bereits weit vor dem Ort, ich nenne hier nur die Abzweigung an der Gaststätte „Jägerhof“ zur A 43. Dass wir mit diesem Vorschlag die Mehrheitskoalition nicht überzeugen konnten, das war die „Niederlage“ der UBG.

Van de Vyle: Gekoppelt mit dem Umgehungsstraße-Beschluss ist die Entscheidung für die Netzschlusslösung bis heute nicht umgesetzt, wir werden weiter die Forderung stellen, diesen Beschluss, gegebenenfalls auch in Teilabschnitten, umzusetzen oder aufzuheben, damit weitergehende Planungen zu Verkehrslenkungen angedacht werden können.

Welche großen Ziele hat die UBG für die Zukunft der Gemeinde Nottuln?

Van de Vyle: Hierzu zitiere ich bezüglich der grundsätzlichen Ziele auszugsweise den Beitrag in unserem Wahlbürgerboten 2015:

„Wir wollen einen Politikstil, der die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt und zu einem Konsens führt, ohne dass sich Einzelne in ihrer Meinung nicht ernst genommen wissen.“ „Wir wollen Fehlentwicklungen in der Gemeinde vermeiden, die notwendigen Entscheidungen kritisch begleiten. Bei der schwierigen Haushaltslage müssen wir sehr sparsam mit den Steuergeldern der Bürger umgehen. Neue Baugebiete sollen nur behutsam entwickelt werden.“

Im Jahre 2019 möchte ich ergänzen, dass es zunehmend schwieriger wird, Sachpolitik zu betreiben, da leider auch in Nottuln immer mehr die Gerüchteküche, unter anderem vonseiten einzelner Lokalpolitiker, bedient wird. Mit diesem Vorgehen wird der ernsthafte politische Diskurs auf Dauer stark gefährdet. Das ist nicht hinnehmbar, weshalb die UBG versuchen wird, dem wenigstens in Nottuln entgegenzuwirken.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6873764?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker