Deutsch-Polnische Städtepartnerschaft
60 Minuten mit Lech Walesa

Nottuln/Danzig -

Beim Besuch in Danzig sind die Partnerschaftskomitees aus Nottuln und Chodziez auch mit Lech Walesa zusammengekommen. Ein besonderes Erlebnis.

Dienstag, 03.09.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 21:10 Uhr
Gruppenbild mit Friedensnobelpreisträger. Lech Walesa (sitzend neben Bürgermeisterin Manuela Mahnke) nahm sich eine Stunde Zeit zum Gespräch mit den Komiteemitgliedern aus Nottuln und Chodziez
Gruppenbild mit Friedensnobelpreisträger. Lech Walesa (sitzend neben Bürgermeisterin Manuela Mahnke) nahm sich eine Stunde Zeit zum Gespräch mit den Komiteemitgliedern aus Nottuln und Chodziez Foto: Peter Buddendick

Es waren ganz besondere 60 Minuten für die Mitglieder der Städtepartnerschaftskomitees aus Nottuln und Chodziez in einem der Konferenzräume im Europäischen Zentrum für Solidarnosc , das vor einigen Jahren auf dem Gelände der früheren Lenin-Werft in Danzig errichtet wurde. Es waren 60 Minuten mit dem ehemaligen Elektriker dieser Werft, mit dem Anführer großer Streikaktionen in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Gewerkschaft Solidarnosc (1980 bis 1990), mit dem Friedensnobelpreisträger (1983), mit dem ehemaligen polnischen Staatspräsidenten (1990 bis 1995) – mit Lech Walesa .

Welche Bedeutung der 75-Jährige für viele Menschen in Polen auch heute noch hat, machte die Reaktion der polnischen Teilnehmer dieses Treffens deutlich. In der aktuellen Politik heute eher ohne Stimme, sind seine Verdienste für die Überwindung des Kommunismus in dem osteuropäischen Land, für Menschen- und Arbeiterrechte noch immer unvergessen. So wird er auch jetzt noch respektvoll mit „Präsident“ angesprochen.

Die Begegnung mit ihm, der Händedruck, das gemeinsame Foto – das war für viele ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein kurzes Statement gibt nur einen allgemeinen Überblick darüber, wie Lech Walesa die Tagespolitik beurteilt. Immerhin: Die Freiheit, das Recht und eine freie Wirtschaft sind für ihn Grundlage für das Leben heute und Fundament für eine lebenswerte Zukunft. Man müsse gegen den Populismus und die Demagogen unter den Politikern kämpfen. „Wenn wir das nicht tun, zerstören wir die Revolution“, so Lech Walesa.

Zufrieden zeigte er sich mit dem Wegfall der Grenzen in Europa. „Die Welt ist größer geworden, aber es wird immer noch zu viel gekämpft“. Das gelte auch für Politiker in seinem Land. „Es sollte unser Ziel sein, gemeinsam das neue Europa zu bauen“, forderte der ehemalige polnische Staatspräsident. Deutschland, Frankreich und Italien sieht er dabei in einer Vorreiterrolle. „Wenn es diesen Ländern nicht gelingt, Europa weiter zu entwickeln, gibt man bestimmten Kreisen in Polen und Ungarn die Möglichkeit, die EU zu zerstören.“

Die Weigerung seines Landes, Flüchtlinge aufzunehmen, könne er nicht nachvollziehen. „Wenn ich noch einmal Präsident wäre, dürften Menschen aus der ganzen Welt – auch aus China – nach Polen kommen.“

Angesprochen auf den Jahrestag zum Beginn des Zweiten Weltkrieges und darauf, was er an diesem Tag wohl machen werde, gab es eine überraschende Antwort:

„Ich werde am 1. September an den 17. September 1939 denken. Also an den Tag, an dem die russische Armee die Grenze zu Polen überschritten hat.“ Er werde an seinen Vater denken, der von den Nazis in das KZ Sutthoff gebracht wurde und der dort 1945 starb. Er werde für ihn beten „und für alle, die im Zweiten Weltkrieg gestorben sind.“

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