Klimaschutzwoche
„Machen Sie mal Dampf im Rat“

Nottuln -

Wie kann sie umgesetzt werden, die Klimawende? Um diese Frage zu diskutieren, hatten die Fraktionen ÖLiN (Ökologische Liste Nottuln) und die Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG) in die Alte Amtmannei eingeladen.

Freitag, 20.09.2019, 19:34 Uhr aktualisiert: 23.09.2019, 18:26 Uhr
Im Rahmen der Klimaschutzwochen des Kreises hatten UBG und ÖLiN – vertreten durch die Fraktionsvorsitzenden Jan Van de Vyle (l.) und Stephan Hofacker, zum Diskussionsabend eingeladen. Mit dabei die Klimaschutzbeauftragte der Gemeinde Nottuln, Petra Bunzel.
Im Rahmen der Klimaschutzwochen des Kreises hatten UBG und ÖLiN – vertreten durch die Fraktionsvorsitzenden Jan Van de Vyle (l.) und Stephan Hofacker, zum Diskussionsabend eingeladen. Mit dabei die Klimaschutzbeauftragte der Gemeinde Nottuln, Petra Bunzel. Foto: Ulla Wolanewitz

„Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass durch erhöhte Geschwindigkeiten Zeit eingespart wird“, machte Stephan Hofacker deutlich. „Tatsache ist, dass schneller größere Entfernungen überwunden werden können.“ Ebenso sei es eine Mär, dass es die freie Wahl der Verkehrsmittel gebe, wenn „die Mobilitätsstrukturen Autos bevorzugen“. Der Fraktionsvorsitzende der ÖLiN (Ökologische Liste Nottuln) besitzt selbst kein Auto – „damit komme ich sehr gut klar“ – und legt pro Jahr etwa 2000 Kilometer mit dem Rad zurück.

Wie kann sie umgesetzt werden, die Klimawende? Um diese Frage zu beleuchten und zu diskutieren, hatten die Fraktionen ÖLiN (Ökologische Liste Nottuln) und die Unabhängige Bürgergemeinschaft ( UBG ) im Rahmen der Klimaschutzwochen des Kreises Coesfeld am Donnerstagabend in die Alte Amtmannei eingeladen.

Hofacker stellte heraus, dass jeder Verkehrsteilnehmer täglich drei Wege zurücklege: „Die Mobilität ist eine globale Konstante und ein persönliches Wachstum der Mobilität gibt es nicht.“ Warum dann nicht „einfach“ umsteigen auf die Leeze? Das Angebot an unterschiedlichen Fahrrädern zu unterschiedlichen Zwecken war noch nie so groß wie heute. Bundesweit sind etwa 75 Millionen Fahrräder unterwegs. Die Wachstumszahlen für E-Bikes liegen mit rund 980 000 Verkäufen um rund 36 Prozent über denen des Jahres 2017.

„Damit ist leider auch die Zahl der tödlichen Radunfälle um 16,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen“, erklärte Hofacker. Dieser Fakt stehe sicherlich im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Mobilitätsstrukturen in Deutschland primär für das Autofahren ausgelegt sind.

Deutlich wurde an diesem Abend durch verschiedene Beispiele aus dem Publikum, dass in der Gemeinde das Radwegenetz und entsprechende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder noch sehr ausbaufähig sind. „Der Wochenmarkt ist ja quasi eine „Drive-In“-Veranstaltung. Für den Autoverkehr perfekt gemacht“, so ein Besucherkommentar. Hürden gegen das bequeme Autofahren wurden gefordert und Halteverbote für Elterntaxis vor Schulen und Kindergärten. Unverständnis wurde auch geäußert zum neuen B 525-Kreisverkehr am Draum: „Da wird man gezwungen, auf der falschen Seite in den Ort hineinzufahren. Wer plant so etwas?“

Insgesamt fehle ein eindeutiges politisches Bekenntnis zum Radfahren. „Warum nehmen wir uns nicht Münster zum Beispiel?“, so die rhetorische Frage eines kritischen Besuchers. Auch fehle es an einer Gesamtdatenbank, in der die Gefahrenpunkte gesammelt und bei Umbaumaßnahmen berücksichtigt würden. „Machen Sie mal Dampf im Rat“, lautete eine Aufforderung an die Politiker von UBG und ÖLiN.

Zuwenig getan werde ebenso im Bereich der Speichertechnologien. Um die Klimaziele zu erreichen „bräuchten wir vier Mal so viele Windkraftanlagen, zehn Mal so viele Solaranlagen und das Tausendfache an Speicheranlagen“, rechnete anschließend UBG-Fraktionsvorsitzender Jan Van de Vyle vor. Die Energiepolitik von Bund und Land sei zeitlich fehlgeleitet. Denn: Um eine CO-Ausstoßreduktion zu erreichen, sei ein Ausbau von Wind- und Solaranalagen allein nicht zielführend. Genau an diesem Punkt könnten Speichertechnologien einen wertvollen Beitrag leisten und „dafür muss das Rad gar nicht neu erfunden werden“, so Van de Vyle.

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