Bürgermeisterinnen-Treffen
„Nottuln ist ein Begriff in Narowlja“

Nottuln -

Können die Kontakte zwischen Nottuln und Narowlja, die durch ein rund 20 Jahre dauerndes ehrenamtliches Engagement des Vereins „Hilfe für Narowlja“ geprägt waren, wieder belebt werden? Auch darum ging es bei einem Gespräch zwischen Alla Naumenko, Bürgermeisterin von Narowlja, und der Nottulner Bürgermeisterin Manuela Mahnke.

Freitag, 20.09.2019, 20:00 Uhr
Trafen sich zum Erfahrungsaustausch (v.l.): Valentina Yatsukevich, Peter Eltrop, Bürgermeisterin Manuela Mahnke, Bürgermeisterin Alla Naumenko und Dolmetscherin Dr. Marina Rumiantseva mit Tochter Anna.
Trafen sich zum Erfahrungsaustausch (v.l.): Valentina Yatsukevich, Peter Eltrop, Bürgermeisterin Manuela Mahnke, Bürgermeisterin Alla Naumenko und Dolmetscherin Dr. Marina Rumiantseva mit Tochter Anna. Foto: Ludger Warnke

Die Kinder aus dem 1700 Kilometer entfernten weißrussischen Narowlja, die einst nach der Katastrophe von Tschernobyl (1986) viele Jahre lang für jeweils mehrere Wochen die heile Welt in Nottuln erlebten, sind heute längst Erwachsene. An Nottuln haben sie nach wie vor gute Erinnerungen. „Es kann passieren, dass man mitten auf der Straße plötzlich auf Deutsch mit ‚Guten Tag‘ angesprochen wird“, sagt der Nottulner Peter Eltrop, der regelmäßig in Narowlja ist.

Alla Naumenko , seit rund 18 Jahren die Bürgermeisterin von Narowlja, sagt Danke für die Unterstützung aus Nottuln in der Vergangenheit. „Viele Menschen bei uns wissen, wo Nottuln liegt. Nottuln ist ein Begriff in Na­rowlja“, betont sie.

Können die Kontakte zwischen Nottuln und Narowlja, die durch ein rund 20 Jahre dauerndes ehrenamtliches Engagement des Vereins „Hilfe für Narowlja“ geprägt waren, wieder belebt werden? Auch darum ging es bei einem Gespräch der weißrussischen Bürgermeisterin bei ihrer Amtskollegin Manuela Mahnke . Mit dabei die im Jugendkulturbereich tätige Valentina Yatsukevich, Tochter von Alla Naumenko, sowie als Dolmetscherin die in Nottuln lebende Wissenschaftlerin Dr. Marina Rumiantseva.

Und eben Peter Eltrop. Der frühere Geschäftsführer von drei Kliniken engagierte sich für den Aufbau einer Tagesklinik für geistig erkrankte junge Menschen in Narowlja. Aus diesem Engagement sind Kontakte und Freundschaften entstanden, die bis heute gepflegt werden.

Eltrop dankte Manuela Mahnke für die Möglichkeit zu einem Besuch. Die Nottulner Bürgermeisterin zeigte sich hoch interessiert an den früheren Beziehungen und an der Entwicklung der weißrussischen Stadt.

Heute leben im Landkreis Narowlja rund 11 000 Menschen (davon 8000 in Narowlja selbst). 1986 waren es 28 000 Einwohner. Die Folgen der Atomkatas­trophe im nur 60 Kilometer entfernten Tschernobyl begleiten auch heute die Menschen. „Wir müssen das Thema Tschernobyl ständig betrachten“, betont Bürgermeisterin Naumenko. Die Luft sei gesund geblieben, aber beispielsweise im Wald Pilze zu sammeln, sei nicht erlaubt. Wenn die Bürger im eigenen Garten Obst- und Gemüse anbauen, geschieht dies auf eigenes Risiko.

Für das Mittagessen in Schulen und Kitas greift die Stadt Narowlja ausschließlich auf Lebensmittel aus anderen Regionen des Landes zurück. Und nach wie vor ermöglicht die Stadt allen Schulkindern bis 17 Jahren, dass sie einmal im Jahr für vier Wochen den Ort verlassen und ein Feriencamp in einer anderen Region besuchen können. Dass diese Ferienaufenthalte außerhalb von Narowlja sehr positiv für die Kinder sind, habe man auch damals schon festgestellt, als die Kinder in Nottuln aufgenommen wurden. Die Bürgermeisterin berichtet davon, dass die Kinder nach ihrer Rückkehr aus Nottuln untersucht wurden und man deutlich verbesserte Gesundheitswerte habe messen können.

Erfreut ist Bürgermeisterin Naumenko, dass sich die Bevölkerungszahl in ihrer Stadt wieder entwickelt. Narowlja sei einige der ganz wenigen Regionen in Weißrussland mit einem Geburtenüberschuss. Stolz ist man auch auf die eigene Wirtschaft, darunter ein Unternehmen für die Herstellung von Landmaschinenersatzteilen und eine Pralinenfa­brik. Diese Fabrik mit rund 300 Beschäftigten produziert rund 100 verschiedene Sorten Pralinen, die in Weißrussland sehr bekannt sind und zum Beispiel auch nach Russland, Israel und in die USA exportiert werden.

Auch Peter Eltrop hat aufgrund seiner vielen Besuche festgestellt: „Narowlja hat eine Entwicklung durchgemacht.“ Und Bürgermeisterin Naumenko ergänzt: „Die Entwicklung in Weißrussland ist aber nicht so schnell, wie ich mir das wünsche.“ Sie erhofft sich von Kontakten zu Nottuln eine neue Motivation für die Menschen in Narowlja. „Ich hoffe, es wird gelingen. Es könnte eine schöne Initiative sein“, sagte Narowljas Bürgermeisterin und lud Manuela Mahnke zu einem Gegenbesuch ein.

Nottulns Bürgermeisterin zeigte sich offen für Kontakte unter den Menschen, auch für einen Informationsaustausch zwischen den beiden Verwaltungen. Peter Eltrop hat die Idee eines Wiedersehen-Treffens zwischen den ehemaligen Narowlja-Kindern und ihren Nottulner Gastfamilien. Ob es dafür eine Bereitschaft gibt, dass soll nun geprüft werden.

„Hilfe für Narowlja“

Der Nottulner Verein „Hilfe für Narowlja/Tschernobyl“ hat die weißrussische Gemeinde über 20 Jahre mit mehr als zehn Lkw-Hilfstransporten unterstützt. Auch einem Therapiezentrum für geistig und körperbehinderte Kinder half man. Weit über 600 Kindern aus Narowlja wurde eine vierwöchige Ferienfreizeit in Nottuln ermöglicht.

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