Menschen und Hunde
Freunde auch in schwerer Zeit

Schapdetten -

Jasmin Jähne und ihre Hündin Fiby sind in der Hundesportart „Para Agility“ kaum zu schlagen. Jetzt wurde die Schapdettenerin Bundessiegerin. Ihr Sport und ihre Hunde halfen ihr, eine schwere Krebserkrankung zu meistern.

Donnerstag, 03.10.2019, 08:00 Uhr
Wenn Jasmin Jähne mit ihren Hunden loslegt, dann geht die Post ab und sprudeln die Glückshormone. Der Agility-Sport ist die große Leidenschaft der Schapdettenerin.
Wenn Jasmin Jähne mit ihren Hunden loslegt, dann geht die Post ab und sprudeln die Glückshormone. Der Agility-Sport ist die große Leidenschaft der Schapdettenerin. Foto: Guido Küster

Sie sind zwei wie aus einem Guss. Manchmal sind sie auch zu dritt. Sie hören nicht nur aufs Wort, sie reagieren auch auf jeden noch so kleinen Fingerzeig, jede Körperbewegung, jeden Blick. Dass Jasmin Jähne aus Schapdetten damit sehr erfolgreich ist, beweist die Galerie der Pokale, die sie in ihrer Wohnzimmervitrine stehen hat. Die jüngste Errungenschaft ist gerade mal zwei Wochen alt. Sie besiegelt, dass Jasmin Jähne sich mit ihrer Hündin Fiby in der Hundesportart „Para Agility“ bei der DVG-Prüfung in Ibbenbüren den Titel „Bundessiegerin“ geholt hat. Tardis, der spanische Mischling, brachte es immerhin bei den Landesmeisterschaften auf Platz 9.

„Ich bin das Navi meiner Hunde. Deshalb muss ich mich konzen­trieren, die richtigen Koordinaten durchzugeben, damit sie immer wissen, was Sache ist, wo es lang geht“, schmunzelt Jasmin Jähne. Aber viel mehr noch als Pokale oder Sachgeschenke sind es für sie die Glückshormone, die bei der gemeinsamen Agility-Arbeit freigesetzt werden und die sie immer wieder anspornen, dieser großen Leidenschaft nachzugehen.

Hart erarbeitete Glückshormone. Vor allem in den letzten acht Monaten stand das Training mit ihren geliebten Vierbeinern unter erschwerten Bedingungen. Der Grund? Die Diagnose Brustkrebs, die sie im Januar erhielt. Fiby und Tardis sind zwar nicht im offiziellen, zertifizierten Sinne Therapiehunde, aber für sie sind sie – neben ihrem Mann und ihrem Sohn und den guten Freunden – die besten Begleiter in dieser schweren Lebensphase.

Sonntags stand sie noch mit Fiby auf dem Turnierplatz. Montags stellte sie sich ihrer Operation. Der war bereits eine Chemotherapie vorausgegangen, die sie viel Kraft gekostet hat. Ihr Training zog sie trotzdem weiter durch, wenn es sich nur eben machen ließ. „Danach ging es mir immer besser. Ich kriegte besser Luft. Ich glaube, der Wille siegt über den Körper“, erklärt die 37-Jährige, die sich als Motto „Fuck Cancer – Run Agility“ auf die Fahnen geschrieben hat. „Die Hunde haben mich bei depressiven Anflügen immer wieder gut da rausgeholt.“ Denn: Auch ihre „Doggies“ fuhren in der akuten Krankheitsphase ihres „lebenden Navis“ ihre sensiblen Antennen aus und waren näher an ihr dran. „Sie nörgelten gar nicht, was sie sonst schon mal tun, weil sie rauswollen oder Langeweile haben.“

Mit Fiby wurde Jasmin Jähne Bundessiegerin in der Hundesportart „Para Agility“ bei der DVG-Prüfung in Ibbenbüren.

Mit Fiby wurde Jasmin Jähne Bundessiegerin in der Hundesportart „Para Agility“ bei der DVG-Prüfung in Ibbenbüren. Foto: Ulla Wolanewitz

Auf den Hund kam Jasmin Jähne bereits im Kindesalter durch ihren Vater. Er bildete Schäferhunde aus und betrieb eine kleine Hobbyzucht. Mit zehn Jahren legte sie die Begleithundeprüfung des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) ab. Mit 16 Jahren stellte sie sich mit ihrem Schäferhund der ersten Landesmeisterprüfung. Die Schnelligkeit und die Dynamik, das sind die Eigenschaften, die sie so sehr an der Agility faszinieren. Deshalb gründete sie vor 13 Jahren ihre eigene Hundeschule, in der sie vorwiegend Agility anbietet.

Einmal die Woche fährt sie zum Hundesportzentrum nach Wülfrath, um sich und ihre Hunde fit für Meisterschaften zu machen. „Eine Stunde Training und die sind platt“, so Jasmin Jähne, die Agility gerne als Hundekonzentrationssport bezeichnet. Den Beweis, dass die „Hundetherapie“ bei ihr gut angeschlagen hat, erhielt sie unlängst aus ihrem Krankenhaus: „Keine Tumorzellen mehr im Gewebe!“

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