Menschen
Vom Hauptschüler zum Unternehmer

Nottuln -

An ihre Zeit in der früheren Geschwister-Scholl-Schule Nottuln haben Klaus Gertz und Joyce Hardt gute Erinnerungen. Die früheren Hauptschüler haben beruflich ihren Weg gemacht.

Freitag, 04.10.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 16:28 Uhr
Klaus Gertz hat seinen Weg von der Geschwister-Scholl-Hauptschule zum selbstständigen Unternehmer gemacht. Joyce Hardt hat ebenfalls an der Geschwister-Scholl-Hauptschule gelernt und ist jetzt Friseurmeisterin.
Klaus Gertz hat seinen Weg von der Geschwister-Scholl-Hauptschule zum selbstständigen Unternehmer gemacht. Joyce Hardt hat ebenfalls an der Geschwister-Scholl-Hauptschule gelernt und ist jetzt Friseurmeisterin. Foto: Helmut Brandes

Am kommenden Donnerstag (10. Oktober) findet in der Liebfrauenschule Nottuln die Berufsinformationsbörse statt. Die schon traditionelle Veranstaltung hat ihren Ursprung in der damaligen Geschwister-Scholl-Schule. Ehemalige Schülerinnen und Schüler der Hauptschule kamen und kommen auch heute noch zur Berufsinformationsbörse.

Die Geschwister-Scholl-Schule hat Generationen von Schülern geprägt, sie auf den Weg ins Leben vorbereitet. Und die örtlichen Arbeitgeber waren immer eng mit der Schule verbunden. Nicht wenige Betriebsinhaber waren selbst dort Schüler und sind heute wichtige Arbeitgeber. Einige haben die Berufsinformationsbörse noch als Schüler erlebt, waren später oder sind jetzt aktuell als Aussteller dabei.

Friseurmeisterin Joyce Hardt.

Friseurmeisterin Joyce Hardt. Foto: Helmut Brandes

Wie die Friseurmeisterin Joyce Hardt vom gleichnamigen Nottulner Friseursalon. Ein echter Familienbetrieb seit vier Generationen. Joyce Hardt hat sich in der Hauptschule sehr wohl gefühlt und erinnert sich gern an ihre Schulzeit. „Die Schule hat mir das notwendige Rüstzeug für mein späteres Berufsleben mitgegeben“, ist sie sich sicher. Für sie stand schon früh fest, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Und ihre Eltern freuten sich natürlich, dass die Familientradition fortgesetzt wurde.

Ihre Ausbildung absolvierte Joyce Hardt in Münster. Nach dem Erwerb des Meisterbriefes arbeitete sie im Salon Jansen unter anderem auch als Ausbilderin. Weil ihr klar war, dass sie den Salon ihrer Eltern irgendwann übernehmen wird, qualifizierte sie sich zusätzlich zur Betriebswirtin. Seit gut einem Jahr arbeitet sie im elterlichen Betrieb und ist dabei voll eingebunden in die Betriebsleitung.

Zurzeit sind 14 Mitarbeiterinnen im Salon tätig. In den vergangenen Jahren war Joyce Hardt auch als Ausstellerin bei der Berufsinformationsbörse dabei. „Wir suchen geeignete Auszubildende, aber auch gelernte Friseuse und Friseure. Wir sind eigentlich immer auf der Suche“, macht sie die Situation deutlich. Kein neues Phänomen. Dieses Problem war auch Thema ihrer betriebswirtschaftlichen Abschlussarbeit.

Klaus Gertz ist Inhaber des gleichnamigen Handwerksbetriebes. Auch er erinnert sich gerne an seine Zeit in der Hauptschule. „Man hat sich um uns gekümmert, wir fühlten uns ernst genommen, sind intensiv gefördert worden.“ Er absolvierte dann eine Ausbildung als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer bei der Firma Föller. Nach zwei Gesellenjahren diente er bei der Bundesmarine im technischen Bereich auf einem Dampfschiff. „Ja, auf einem Dampfschiff. Das gab es damals noch“, schmunzelt der Nottulner. Bis heute erinnert er sich gerne an diese Zeit. Während der Kuwait-Krise in den 1990er-Jahren gaben sie über drei Monate einem US-Flugzeugträger bis zum Suezkanal Begleitschutz.

Zurück im erlernten Beruf, erwarb er mit 23 Jahren seinen Meisterbrief als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, nur ein Jahr später kam der zweite Meisterbrief als Gas- und Wasserinstallateur dazu. „Mir war vom ersten Tag in meiner Ausbildung klar, dass ich mich selbstständig machen würde“, war sein ehrgeiziges Ziel.

Am 1. April 1995 eröffnete Gertz auf dem elterlichen Geflügelhof seinen Betrieb. Die Garage wurde kurzerhand zum Büro umgebaut. Er hatte zunächst keine Mitarbeiter, alle anfallenden handwerklichen und kaufmännischen Arbeiten erledigte er allein. Diese Zeit möchte er nicht missen, denn in dieser Phase erwarb er Routine und machte wichtige Erfahrungen als selbstständiger Meister.

Seit 2000 hat er seinen Firmensitz in der Hanns-Martin-Schleyer Straße in Nottuln. Die Firmenräume wurden nach seinen Vorstellung gestaltet, tragen seine persönliche Handschrift. Zurzeit hat sein Betrieb acht feste Mitarbeiter. „Auf meine Mitarbeiter kann ich mich völlig verlassen. Wir sind ein gutes Team und begegnen uns auf Augenhöhe, nur dann kann man erfolgreich arbeiten.“

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des Betriebes: Badezimmersanierungen erfolgen komplett aus einer Hand. Klaus Gertz koordiniert alle anfallenden Arbeiten und rechnet dann mit dem Kunden ab. Dieses Konzept überzeugt. Er lebt fast ausschließlich von Stammkunden im regionalen Bereich.

Der viel zitierte Fachkräftemangel bereitet auch ihm große Sorgen. Obwohl er drei aktuelle Imagefilme im Internet zeigt, findet er zurzeit keinen Auszubildenden im handwerklichen Bereich. Auch die Teilnahme an der Nottulner Berufsinformationsbörse brachte keinen Erfolg. In diesem Jahr bildet er eine junge Frau zur Bürokauffrau aus. Er befürchtet, dass sich dieses Problem noch verschlimmern wird. „Da muss man sich schon überlegen, wie man als Unternehmer auf diese Entwicklung reagiert“, ist Gertz nachdenklich.

Seine Entscheidung zur Selbstständigkeit hat er nie bereut. „Ich gehe jeden Morgen gerne in meinen Betrieb, freue mich auf die Arbeit. Sonst sollte man die Finger davon lassen.“

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