VHS/FI: Vortragsabend
„Mischen wir uns ein!“

Nottuln -

Ein „Feuerwerk an Alternativen“ zum herrschenden Wirtschaftssystem hatten Volkshochschule und Friedensinitiative angekündigt. Und Referent Dr. Wolfgang Kessler löste das Versprechen auf beeindruckende Weise ein.

Dienstag, 08.10.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 17:46 Uhr
Freundlich begrüßt wurde Dr. Wolfgang Kessler von der VHS-Leiterin Dr. Mechthilde Boland-Theißen (l.), von Brigitte Balmer Landwehr (FI, 2.v.r.) und Gabriele Mense-Viehoff (VHS/FI).
Freundlich begrüßt wurde Dr. Wolfgang Kessler von der VHS-Leiterin Dr. Mechthilde Boland-Theißen (l.), von Brigitte Balmer Landwehr (FI, 2.v.r.) und Gabriele Mense-Viehoff (VHS/FI). Foto: FI/VHS

„Ein beeindruckendes Feuerwerk von Alternativen, das nur eine Schlussfolgerung zulässt: Alles ist tatsächlich zum Besseren veränderbar.“ Dies schreibt die Kritik zu dem neuen Buch von Dr. Wolfgang Kessler . Und dieses Lob traf auch auf den Vortrag zu, den Kessler, Ökonom und Publizist, am Montagabend im Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums hielt, berichten die Veranstalter in einer Pressemitteilung. 70 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung von Volkshochschule (VHS) und Friedensinitiative Nottuln (FI) gefolgt, die mit diesem Vortragsabend ihre Reihe „Lust auf Zukunft“ fortsetzten.

Gleich zu Beginn machte Dr. Kessler deutlich: „Es gibt Alternativen zum normalen Kapitalismus. Und sie sind notwendig!“ Viele Menschen spürten, dass es zur Bewältigung der großen Zukunftsprobleme wie Klimakrise, Weltgerechtigkeit, Migration oder Digitalisierung grundlegende Veränderungen brauche. Kessler: „Trotz guter Wirtschaftsdaten ist ein Viertel der Deutschen vom Wohlstand abgehängt, darunter 3,6 Millionen Kinder und Jugendliche. Die reichsten Haushalte (zehn Prozent) besitzen Jahr für Jahr mehr vom privaten Gesamtvermögen – inzwischen rund 70 Prozent.“ Dies sei auch ein sozialer und politischer Sprengstoff.

Doch keine Spur von Resignation in dem Vortrag. Kessler machte Mut und Hoffnung: „Es ist wieder Bewegung in der Politik. Das liegt vor allem an den neuen sozialen Bewegungen, den Hunderttausenden Schülern, die für das Klima streiken, der mehr als eine Million Bayern, die das Bienenvolksbegehren unterzeichnet haben, den Zehntausenden, die gegen Mietwucher demonstrieren. Legen wir den Hebel um!“

Und dann brannte Wolfgang Kessler das „Feuerwerk von Alternativen“ ab, zeigte an beispielhaften Projekten, wie Modelle eines humanen Wirtschaftens funktionieren können, zeigte, wie Mitarbeiter ihr ins Straucheln geratenes Unternehmen kauften und retteten, zeigte, wie eine Bank ohne riskante Spekulationen und ohne Investitionen in Rüstung und Umweltzerstörung erfolgreich wirtschaftet, zeigte, wie in anderen Ländern eine CO- Steuer sozial abgefedert eine zukunftsweisende Lenkungsfunktion hat, wie ein Grundeinkommen neue lokale Wirtschaftsperspektiven eröffnete.

Kessler: „Dies sind Inseln, die im Kleinen zeigen, was auch im Großen möglich ist, die viele Vorbehalte gegen notwendige und mögliche Änderungen entkräften.“ Das Ziel der Änderungen sei eine gerechte Verteilung des Reichtums, eine Stärkung des Staates, eine ökologische Wirtschaft, die auch „Fair Trade“ praktiziert, und eine Entwicklungspolitik, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

„Doch wie kommen wir zu so einer Veränderung der Wirtschaft?“ Die Antwort von Dr. Kessler: „Fangen wir bei uns selber an. Brauchen wir alles, was wir kaufen?“ Eine Veränderung sei noch nie so einfach gewesen wie heute.

Und dann Kesslers Schlussappell an alle: „Mischen wir uns ein! Bewegen wir uns für Klimaschutz, gerechtes Wohnen, für Naturschutz, gegen das Diktat der Rendite. Tun wir das auf den Straßen, in den Parteien, in den Parlamenten! Und hoffen wir, dass die Politik zu einer Veränderung nicht eine große Katastrophe braucht!“

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