Historischer Verein Nottuln
Notgeld aus Geldnot

Nottuln -

Zu Martinimarkt präsentiert der Historische Verein Nottuln eine ungewöhnliche Ausstellung. Es geht um Notgeld. Friedhelm Becker zeigt eine Auswahl seiner 8000 Exponate umfassenden Sammlung.

Samstag, 12.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 13.10.2019, 12:06 Uhr
Nur wenige Jahre währte die Zeit des Notgeldes. Dennoch gab es schier unzählige Varianten. Friedhelm Becker hat rund 8000 Notgeldscheine gesammelt und stellt eine Auswahl in Nottuln aus.
Nur wenige Jahre währte die Zeit des Notgeldes. Dennoch gab es schier unzählige Varianten. Friedhelm Becker hat rund 8000 Notgeldscheine gesammelt und stellt eine Auswahl in Nottuln aus. Foto: Friedhelm Becker

Friedhelm Becker kann sich noch gut an den Besuch bei seiner Tante in Paderborn erinnern. Dort stieß der heute 69-jährige Coesfelder zum ersten Mal auf Notgeldscheine. Und war sogleich fasziniert. „Auf einem Schein stand: Nur in meinem Hause gültig“, erzählt Becker im WN-Gespräch. Sein Interesse war geweckt und fortan sammelte er seit Anfang der 80er-Jahre Notgeldscheine und -münzen in allen erdenklichen Varianten. Nun hat er eine Sammlung von rund 8000 Exponaten aufgebaut, in der sich zahlreiche Raritäten und auch Kuriositäten befinden. Und Teile dieser Sammlung wird Friedhelm Becker demnächst in Nottuln präsentieren.

Dem Historischen Verein Nottuln ist es gelungen, den Coesfelder für eine Ausstellung zu gewinnen. Sie findet statt an den Martinimarkt-Tagen 10. und 11. November (Sonntag und Montag) in der Alten Amtmannei, wenn der Historische Verein dort zu seinem Café einlädt.

Unter dem Motto „Notgeld aus Geldnot“ werden historische Geldscheine und Münzen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der folgenden Inflation gezeigt. „Bei dem Notgeld handelt es sich aber nicht um das vielen noch bekannte Inflationsgeld“, erläutert Friedhelm Becker. Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges am 28. September 1914 habe das preußische Heer kriegswichtiges Metall zur Herstellung von Waffen und Munition benötigt. So begann der Staat, Nickel- und Kupfermünzen aus dem Verkehr zu ziehen, was alsbald zu einem Kleingeldmangel in der Bevölkerung führte. Außerdem begann die Reichsbank, Gold- und Silbermünzen zur Finanzierung des Krieges einzuziehen. Aber auch Privatpersonen wurden aufgefordert, Goldmünzen zu spenden. Sie erhielten dafür dann eine Ehrennadel aus Eisen mit der Prägung „Gold gab ich zur Wehr, Eisen erhielt ich zur Ehr“.

Friedhelm Becker: „In einer Art Selbsthilfe stellten deshalb Städte und Gemeinden, Privatunternehmen, Geschäftsleute, Gastwirte, Vereine, ja sogar im weiteren Verlauf des Krieges Kegelclubs und sogar Privatpersonen „Ersatzwertzeichen“ her. Anfangs ersetzten diese Ersatzgeldscheine auch in schlichter Form die fehlenden Kleingeldmünzen. Doch mehr und mehr wurden diese Kuriositäten gesammelt. Dem Einfallsreichtum der Herausgeber waren keine Grenzen gesetzt. Die Scheine, die anfangs aus Pappe oder Papier bestanden und immer bunter wurden, erschienen in einigen Städten auch aus Seide, Leinen, Jute, Samt und sogar aus Leder und Holz. Auch Münzen, anfangs aus Aluminium, erschienen in einigen Regionen aus Bakelit, gepresstem Kohlenstaub, Steingut und Porzellan.

„Liebevoll gestaltet, geben die Scheinchen mit Nennwerten von 1 Pfennig bis zu 3 oder 5 Mark zumeist auf ihren Rückseiten Ortsgeschichte, Geschehnisse, Scherenschnitte, kunstvolle Zeichnungen oder humorvolle Gedichte zumeist in plattdeutscher Sprache wieder“, erläutert Friedhelm Becker.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der beginnenden Inflation mit immer weiter steigenden Löhnen, Gehältern und Preisen wurde der Geldbedarf von Woche zu Woche, von Tag zu Tag und ab 1922 von Stunde zu Stunde immer größer. So bittet zum Beispiel die Sparkasse in Coesfeld die Landesbank, selbst Geld drucken zu dürfen, da, wenn der Lehrling abends mit dem Zug nach Münster führe, um Geldnachschub zu holen, dieses am Morgen schon nichts mehr wert sei“, hat Becker herausgefunden.

Und da begann die Zeit der echten Geldnot. Das Notgeld sowie das Reichsgeld wurden rund um die Uhr in ca. 130 Druckereien Deutschlands in riesigen Mengen hergestellt.

Friedhelm Becker ist an beiden Tagen der Ausstellung anwesend und steht für Fragen und weitere Informationen zur Verfügung.

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