Gedenken in allen Gottesdiensten
„Wir stehen an ihrer Seite“

Nottuln -

In allen katholischen und evangelischen Gottesdiensten in der Gemeinde Nottuln gehörte am Wochenende die Menora auf dem Altartisch dazu. Das Symbol der jüdischen Religion drückte die Verbundenheit der Menschen in der Gemeinde mit den jüdischen Mitbürgern in Halle aus.

Sonntag, 13.10.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 13.10.2019, 17:52 Uhr
Die Menora (siebenarmiger Leuchter) war in allen Gottesdiensten am Wochenende dabei. In St. Martinus (Foto) wurde er am Samstagabend von Bürgermeisterin Manuela Mahnke entzündet. Pfarrdechant Norbert Caßens und Pfarrerin Regine Vogtmann sprachen in ihren Gottesdiensten das gemeinsam formulierte Gebet.
Die Menora (siebenarmiger Leuchter) war in allen Gottesdiensten am Wochenende dabei. In St. Martinus (Foto) wurde er am Samstagabend von Bürgermeisterin Manuela Mahnke entzündet. Pfarrdechant Norbert Caßens und Pfarrerin Regine Vogtmann sprachen in ihren Gottesdiensten das gemeinsam formulierte Gebet. Foto: Marita Strothe

In allen katholischen und evangelischen Gottesdiensten in der Gemeinde Nottuln ist am Wochenende der Opfer des rechtsextremistischen Terroranschlags von Halle gedacht worden.

„Vielleicht hat jeder von ihnen ein politisches Ereignis im Kopf, das ihn in jungen Jahren als erstes betroffen gemacht hat“, wandte sich Pfarrdechant Norbert Caßens am Samstagabend zu Beginn der Messe in St. Martin an die Gottesdienstbesucher. Er selbst denke an das Jahr 1972, an das Attentat auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München. „Damals war ich acht Jahre alt.“ Erstmals habe er seinen Vater weinend vor dem Fernseher sitzen gesehen, der mit den Worten „schon wieder Juden“ um die Opfer getrauert habe. Pfarrdechant Caßens: „Daran habe ich letzten Mittwoch denken müssen.“

„Wir sind in dieser Woche wieder aufgeschreckt worden“, erinnerte auch Pfarrerin Regine Vogtmann am Sonntagmorgen zu Anfang des Gottesdienstes im Appelhülsener Friedenshaus an den rechtsextremistischen Terroranschlag, bei dem letzten Mittwoch zwei Menschen getötet wurden. Weltweit feierten Juden an diesem wichtigsten jüdischen Feiertag das Versöhnungsfest Jom Kippur. Vogtmann verlas die offizielle Stellungnahme der Evangelischen Kirchenleitung, in der Mitgefühl, große Sorge und Verbundenheit mit den jüdischen Gemeinden zum Ausdruck gebracht wird. „Wir stehen an ihrer Seite.“

Pfarrerin Regine Vogtmann beim Gottesdienst im Friedenshaus. Neben dem gemeinsam formulierten Gebet verlas sie auch eine Erklärung der Leitung der Evangelischen Kirche.

Pfarrerin Regine Vogtmann beim Gottesdienst im Friedenshaus. Neben dem gemeinsam formulierten Gebet verlas sie auch eine Erklärung der Leitung der Evangelischen Kirche. Foto: Marita Strothe

Pfarrdechant Norbert Caßens und Pfarrerin Regine Vogtmann beließen es an diesem Wochenende nicht nur bei der Bestürzung. In ökumenischer Eintracht wurden in allen Gottesdiensten die Kerzen einer Menora entzündet. Der siebenarmige Leuchter ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums und der jüdischen Liturgie. Am Samstagabend übernahm dies in der Pfarrkirche St. Martinus Bürgermeisterin Manuela Mahnke, die damit auch ein Zeichen der Anteilnahme für die politische Gemeinde Nottuln setzte.

Dem Entzünden der Kerzen folgte eine Schweigeminute. In jeder Gottesdienstgemeinschaft wurde dann das eigens von Norbert Caßens und Regine Vogtmann gemeinsam formulierte Gebet gesprochen. Es hat folgenden Wortlaut:

„Herr, unser Gott, du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der du dein Volk Israel als erstes Volk gerufen hast, deinen Namen in der Welt zu verkünden;

Herr, unser Gott, der du Jesus, einen Sohn deines Volkes, gerufen hast, dein Reich der Liebe und der Versöhnung in der Welt zu verkünden und dafür am Kreuz zu sterben;

wir kommen vor dein Antlitz, um das geplante Massaker an Menschen jüdischen Glaubens in der Synagoge von Halle zu beklagen, um den Mord an zwei Unschuldigen zu beklagen, die zufällig in der Nähe waren.

Wir kommen vor dein Antlitz, weil wir verstehen, dass bei diesem Attentat wir alle das Ziel waren, Juden, Christen, Muslime und alle Menschen, die guten Willens sind.

Herr, unser Gott, wir bitten dich: Erneuere unsere Gesellschaft, reiße aus unserer Mitte die Haltung und die Worte, die Spaltung und Hass erzeugen.

Wir bitten dich auch für den Mörder und für die, die es noch werden könnten. Wenn einer einen Zugang zu ihnen findet, dann vielleicht nur noch du. Du kannst Menschenverachtung und Fanatismus heilen.

Schenke uns den Mut, eine Gesellschaft der versöhnten Verschiedenheit zu leben und zu prägen, eine Gesellschaft, in der Menschen das Gespräch, den Frieden und die Freude aneinander suchen. Amen.“

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