Schapdetten
Überarbeitung dringend gewünscht

Nottuln -

Es geht um die Nachfolgebebauung des „Landhauses Schapdetten“. Der mobile Baukulturbeirat des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sieht das Projekt „Wohnpark St. Bonifatius“ sehr kritisch. Und führte dafür auch mehrere Gründe an.

Samstag, 19.10.2019, 08:00 Uhr
Der Baukulturbeirat sprach über die Überplanung des alten „Landhauses Schapdetten“. Mit dabei waren Architektin Dagmar Grote, Prof. Oskar Spital-Frenking, Architekt Oliver Silge, Denkmalschützerin Kathrin Baumann (LWL), Ludger Brinkmann (Kreisbauordnungsamt), Dipl.-Ing. Darius Djahanschah (LWL) und Fachbereichsleiter Jonas Sonntag.
Der Baukulturbeirat sprach über die Überplanung des alten „Landhauses Schapdetten“. Mit dabei waren Architektin Dagmar Grote, Prof. Oskar Spital-Frenking, Architekt Oliver Silge, Denkmalschützerin Kathrin Baumann (LWL), Ludger Brinkmann (Kreisbauordnungsamt), Dipl.-Ing. Darius Djahanschah (LWL) und Fachbereichsleiter Jonas Sonntag. Foto: Frank Vogel

„Wir wollen nichts verhindern, es soll etwas passieren an dieser Stelle. Wir wollen aber die Identität des Dorfes bewahren und haben große Probleme damit, dass Sie einen solchen Komplex da hinsetzen wollen. Meines Erachtens gehört sich das nicht.“ Prof. Oskar Spital-Frenking , Mitglied des mobilen Baukulturbeirates des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), fasste zusammen, was das vierköpfige Expertengremium über das Projekt „Wohnpark St. Bonifatius“ denkt, das an die Stelle des alten „Landhauses Schapdetten“ rücken soll.

Zum ersten Mal hatte die Gemeinde Nottuln, auf Vorschlag der Ratsfraktion der Grünen, den Baukulturbeirat eingeladen, ein Projekt aus städtebaulicher Sicht zu bewerten. Neben Spital-Frenking gehören die Architekten Dagmar Grote und Oliver Silge sowie als Vertreter des LWL Darius Djahanschah dem Gremium an. Letzterer moderierte die Veranstaltung im Bürgerzentrum Schulze Frenking in Appelhülsen, zu der Bürgermeisterin Manuela Mahnke eine ganze Reihe interessierter Bürger begrüßen konnte.

Zunächst stellten Investor und Eigentümer Hubert Huesmann (Huesmann Ingenieure Münster GmbH) und Architekt Ludger Schulten-von Lücken (ars architekten GmbH Münster) das Projekt noch einmal kurz vor. Dabei betonten sie, dass die Planung „nicht in Stein gemeißelt“ sei, Anregungen noch aufgenommen werden könnten, man zwar die wirtschaftliche Darstellbarkeit im Auge haben müsse, aber nicht auf Gewinnmaximierung aus sei, die Bebauung deshalb nicht zu massiv gewählt habe.

An diesem Punkt allerdings hatten die Baukulturbeiratsmitglieder, wie Oliver Silge es formulierte, „eine grundsätzlich andere Wahrnehmung“. Oskar Spital-Frenking erklärte, dass das Dorf geprägt sei durch einzelne kleine Häuser, „da können Sie nicht so einen Moloch hinstellen“.

Eine weitere besondere Qualität aus städtebaulicher Sicht sei der Sandstein. „Wir verstehen nicht, warum Sie das alte Sandsteingebäude abreißen wollen“, wandte er sich an Schulten-von Lücken. Eine energetische Sanierung sei wirtschaftlich nicht darstellbar, erklärte dieser. „Ich saniere gerade eine 60-Quadratmeter-Wohnung und muss rund 30 000 Euro allein für den Brandschutz investieren.“ Dagmar Grote hielt dagegen, dass die Ökobilanz eines Abrisses und Neubaus deutlich schlechter sei als die Sanierung eines Gebäudes, „das seit Jahrhunderten da steht und noch Jahrhunderte stehen bleiben kann“.

Grote war es auch, die einen weiteren großen Knackpunkt erläuterte. Die Planung nehme keine Rücksicht auf die Kirchsituation. Entscheidend: Der Blick auf die Kirche von der Roxeler Straße aus sollte frei bleiben. Das unterstrich auch Kathrin Baumann vom Denkmalschutz beim LWL: „Es ist textlich festgehalten, das der Turm der St.-Bonifatius-Kirche ortsbildprägend ist und sichtbar sein sollte. Das ist ein wichtiger Punkt beim Genehmigungsverfahren.“

Außerdem, so Dagmar Grote weiter, sollte ein Freibereich um die Kirche erhalten bleiben: „Ist es richtig, Pkw-Stellplätze zur Kirche hin anzulegen, so wie Sie es planen? Und ist es richtig, direkt an das alte historische Pfarrhaus anzubauen?“

Der Baukulturbeirat wünschte sich – und mit ihm auch einige der Zuhörer und Grünen-Ratsherr Richard Dammann – eine Bebauung mit einzelnen Häusern. Als Beispiel nannte eine Bürgerin die Kirchsituation in Billerbeck. „Da würde ich dann gerne einziehen.“

Darius Djahanschah fasste am Ende zusammen: „Wir haben viel kritisiert und grundlegend städtebaulich beanstandet. Wir werden das schriftlich an die Gemeinde und den Architekten geben und hoffen, dass sich noch ‚Überarbeitungskorridore‘ für die Planung auftun.“ Der Baukulturbeirat, so erklärten Djahanschah und Nottulns Fachbereichsleiter Jonas Sonntag, trage nur seine Argumente vor. Die Entscheidung treffen Politik und die Genehmigungsbehörden.

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