St.-Josef-Kindergarten
Mitarbeiter auf vier Pfoten

Havixbeck -

Balu ist der Star im St.-Josef-Kindergarten. Der Rüde von Erzieherin Nadine Isfort wird für die pädagogische Arbeit eingesetzt. Dafür haben er und seine Besitzerin fleißig büffeln und üben müssen.

Dienstag, 22.10.2019, 20:00 Uhr
Erzieherin Nadine Isfort hat sich und ihren Rüden Balu für die tiergestützte Intervention Nadine Isfort macht mit Balu und den Kindern einen Stationslauf durchs Dorf. Dabei gibt es besondere Herausforderungen für beide Seiten.
Erzieherin Nadine Isfort hat sich und ihren Rüden Balu für die tiergestützte Intervention Nadine Isfort macht mit Balu und den Kindern einen Stationslauf durchs Dorf. Dabei gibt es besondere Herausforderungen für beide Seiten. Foto: St.-Josef-Kindergarten

Der jüngste Mitarbeiter im St.-Josef-Kindergarten in Appelhülsen ist gerade einmal drei Jahre alt – und er hat vier Beine. Balu heißt er und ist der Labrador-Retriever-Rüde von Nadine Isfort . Die 27-Jährige, seit 2013 im St.-Josef-Kindergarten als Erzieherin tätig, hat Mitte des Jahres die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie und Intervention beim Institut für systemische und tiergestützte Therapie in Marl erfolgreich abgeschlossen und arbeitet jetzt in der Kita mit Balu zusammen.

Tiergestützte Intervention, erklärt Nadine Isfort, sei ein wertfreier Mensch-Tier-Kontakt, der alle Bildungsbereiche fördern kann. Ziel der Ausbildung sei es unter anderem, die Befähigung zu erlangen, mit den Tieren pädagogisch zu arbeiten, die Körperkontakt zu Menschen zulassen und diesen im besten Falle auch von sich aus suchen.

Auch Balu hat sich durch eine Ausbildung für die Arbeit mit Kindern und Erwachsenen qualifiziert: mit einer Gehorsamsgrundausbildung und der Sichtung für die Therapiebegleithundeausbildung. Außerdem hat er zusammen mit Nadine Isfort an unterschiedlichen Beziehungs- und Verständigungskursen teilgenommen.

Im St.-Josef-Kindergarten wird Balu nachmittags eingesetzt, um die Erweiterung der emotionalen und sozialen Kompetenzen der Kinder zu unterstützen und Impulse für eine alltagsintegrierte Sprachförderung zu setzen, erläutert der Kindergarten in einer Pressemitteilung. Und Balu kann das. „Durch sein freundliches und ausgeglichenes Wesen gelingt es ihm, auch skeptische Kinder zum Mitmachen zu motivieren“, sagt Kita-Leiterin Petra Breuckmann.

Das Angebot richtet sich zunächst einmal an die Kinder, die hier einen Förderbedarf anzeigen. Manchmal in Einzelsitzungen, manchmal in Gruppen mit Freunden. Je nach Förderauftrag des einzelnen Teilnehmenden wird die Intervention individuell abgestimmt, geplant und durchgeführt.

Voraussetzung dafür ist die regelmäßige Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung durch alle Pädagogen im Kindergarten, der kontinuierliche Austausch untereinander und das gemeinsame Benennen der Förderziele und Schwerpunkte der jeweiligen Intervention. Darüber hinaus werden auch weitere, einzelne Kinder eingeladen, an diesen besonderen Nachmittagen teilzunehmen, um allen Mädchen und Jungen eine gute Zeit mit Balu zu schenken.

Die Kinder machen zum Beispiel einen Stationslauf mit Balu. Dabei gibt es besondere Herausforderungen für beide Seiten: Als erstes wird geklärt, wer den Hund an der Leine führen darf, wer sich das alleine zutraut und wer vielleicht noch Unterstützung dabei wünscht. Auch müssen die Kinder lernen, die Signale des Hundes zu lesen und angemessen darauf zu reagieren, etwa zu warten, wenn Balu mal „das Bein heben muss“.

Oder die Kinder stapeln gemeinsam Becher, farblich sortiert, so hoch wie möglich. Anschließend darf Balu sein Leckerchen unter den bunten Farbtürmen suchen, das die Kinder dort versteckt haben. „Dann ist es auch nicht schlimm, wenn die Bauwerke einstürzen und aufgeräumt werden muss“, lacht Nadine Isfort.

„So achtsam wie wir auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, achten wir Pädagogen auch auf die Bedürfnisse und Signale des Hundes. Die artgerechte Haltung von Balu ist ebenso selbstverständlich wie die regelmäßigen Kontrollen und Absprachen mit dem Tierarzt und dem Kreisveterinäramt“, erläutert Nadine Isfort. Dazu gehöre auch eine Bescheinigung nach §11 des Tierschutzgesetzes, das den artgerechten Umgang und die artgerechte Versorgung im öffentlichen Raum regelt.

„Doch neben all den pädagogischen Zielen und wissenschaftlichen Erkenntnissen“, so Nadine Isfort, „sind es vor allem die Freude und der Spaß, mit der Balu unsere Arbeit im Kindergarten bereichert und zum Erfolg führt.“

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