Uphovener Funde
Wenn Bauern Sammler und Jäger treffen

Nottuln -

Wie sind Bauern und Jäger und Sammler miteinander ausgekommen? Das ist eine der Fragen zum Zusammenleben in der Natur, mit denen sich die Ausstellung „Beziehungskisten“ im LWL-Museum für Naturkunde beschäftigt. Und Funde aus Uphoven sind mit dabei.

Mittwoch, 23.10.2019, 19:00 Uhr
Diese zusammengesetzten Scherben eines Keramikgefäßes gehören zu den Ausstellungsstücken aus Uphoven.  Diese zusammengesetzten Keramikscherben gehören zu den Fundstücken aus Uphoven, die in der Sonderausstellung „Beziehungskisten“ im LWL-Museum für Naturkunde zu sehen sind.
Diese zusammengesetzten Scherben eines Keramikgefäßes gehören zu den Ausstellungsstücken aus Uphoven.  Diese zusammengesetzten Keramikscherben gehören zu den Fundstücken aus Uphoven, die in der Sonderausstellung „Beziehungskisten“ im LWL-Museum für Naturkunde zu sehen sind. Foto: LWL / Bianca Fialla

Dass in Uphoven frühe Belege einer menschlichen Siedlung gefunden worden sind – für Nottulner ist das keine Besonderheit mehr. Doch jetzt wissen es demnächst auch die voraussichtlich zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Sonderausstellung „Beziehungskisten - Formen des Zusammenlebens in der Natur“. In dieser Ausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im LWL-Museum für Naturkunde in Münster bis zum 27. September 2020 zeigt, sind unter den insgesamt fast 900 Exponaten auch einige Fundstücke aus Uphoven.

Im Begleitbuch, das Ausstellungsmacherin Dr. Michaela Klösener gemeinsam mit Kuratorin Lisa Klepfer geschrieben hat, wird der Zusammenhang erläutert, warum die Ausstellungsstücke aus den Baumbergen zum Thema der „Beziehungskisten“ passen.

Mit der Bandkeramik, die etwa auf die Zeit ab 5700 vor Christus datiert wird, sei die sesshafte Lebensweise nach Europa gekommen. „Die darauffolgenden neolithischen Kulturen besiedelten den europäischen Raum teils großräumig und teils in einzelnen, kleineren Regionen. Bevorzugt wurden Regionen mit lössreichen und leicht zu bearbeitenden Böden, die sich besonders gut für den Anbau von Pflanzen eignen. In Westfalen siedelten die ersten Bauern daher vor allem in Regionen wie der Soester Börde, der Warburger Börde und den Hellwegbörden“, heißt es im Begleitbuch. In Uphoven nun befand sich ein inselartiges Lössvorkommen, das für eine Ansiedlung gut geeignet war und genutzt wurde. „Hier wurden in den Jahren 2007 und 2008 neben Funden aus der Bischheimer, Michelsberger und Trichterbecher Kultur auch Funde aus der Rössener Kultur gemacht. Es handelt sich dabei um die derzeit älteste bekannte Ansiedlung durch frühe jungsteinzeitliche Bauern im Münsterland um 4800 bis 4400 vor Christus“, fassen Michaela Klösener und Lisa Klepfer zusammen.

Die Bauern der Rössener Kultur bewohnten Westfalen zeitgleich mit den noch weit verbreiteten Jäger- und Sammlergesellschaften. Zwei unterschiedliche Gesellschaften. Prallten sie aufeinander oder passten sie zusammen? Und wenn ja, wie sah das Zusammenleben aus? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach.

Lange Zeit habe man geglaubt, dass „die kulturellen Unterschiede der Gruppen eine Vermischung verhinderten.“ Doch inzwischen legen aktuelle Untersuchungen nahe, dass „der Kontakt zwischen den Gruppen über einen gelegentlichen Tauschhandel deutlich hinausging und es auch zu Vermischungen kam. So schlossen sich demnach vor allem Frauen aus den Jäger-Sammler-Gesellschaften bäuerlichen Gruppen an und wurden in diese integriert.“

Im Naturkundemuseum sind zu diesem Thema aus Uphoven neben einigen Keramikscherben auch zwei Rössener Pfeilspitzen zu sehen. Die Art der Bearbeitung von Pfeilspitzen und anderen Werkzeugen habe sich zwischen Jägern und Sammlern auf der einen Seite und Bauern auf der anderen deutlich unterschieden, heißt es im Begleittext zu den Funden. „Sehr wahrscheinlich waren kulturelle Unterschiede damals wie heute gemeinschaftsstiftend und dienten der Abgrenzung der Gruppen.“ Und trotzdem ist Zusammenleben irgendwie möglich geworden. Auch das ist etwas, was man aus der Ausstellung für die eigene Gegenwart lernen kann.

Die Sonderausstellung „Beziehungskisten“

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt bis zum 27. September 2020 die inklusive Sonderausstellung „Beziehungskisten - Formen des Zusammenlebens in der Natur“. Auf 560 Quadratmetern lernen Besucher das Miteinander, Gegeneinander und Nebeneinander nicht nur zwischen Tieren und Menschen, sondern auch zwischen Pflanzen bis hin zu den Mikroorganismen kennen. Die Ausstellung ist für alle Menschen geeignet. Sie beinhaltet Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide sowie Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung. Zehn Themenbereiche mit 890 Ausstellungsstücken werden bearbeitet. Insgesamt 17 Tastmodelle, 31 Medienstationen sowie 14 Mitmach-Stationen hat Ausstellungsmacherin Dr. Michaela Klösener gemeinsam mit Kuratorin Lisa Klepfer zusammengetragen. Ziel der Ausstellung sei es, die Besucher dazu anzuregen, über die eigene Gemeinschaft mit Tieren und Pflanzen nachzudenken und die Umwelt so möglicherweise bewusster wahrzunehmen. Das Naturkundemuseum, 02 51/5 91 05, ist dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 7,50 Euro für Erwachsene, Minderjährige unter 18 Jahre haben freien Eintritt. 

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