Kunst und Kultur
Von Hightech und Hunden

Nottuln -

Mögen Sie Hund? Stephan Orth, der mit seinen Couchsurfing-Büchern bekannt geworden ist, war wieder in Nottuln. Auf Einladung des Vereins Kunst und Kultur stellte er sein Buch über China vor.

Mittwoch, 30.10.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 13:12 Uhr
Stephan Orth stellte den Zuhörerinnen und Zuhörern im Forum die Supermacht China „von unten“ vor.
Stephan Orth stellte den Zuhörerinnen und Zuhörern im Forum die Supermacht China „von unten“ vor. Foto: Corona Büning

In der Öffentlichkeit auf großen Bildschirmen dafür angeprangert zu werden, eine rote Ampel überquert zu haben, ist in Deutschland eine absurde Vorstellung. Stephan Orth hat allerdings genau das schon selbst gesehen. Am Dienstagabend stellte der Buchautor und ehemalige Spiegel-Online-Redakteur in der Alten Amtmannei sein neuestes Werk „Couchsurfing in China“ auf Einladung des Vereins „Kunst und Kultur Nottuln“ vor.

Orth selbst bezeichnet sich als Reisereporter mit einer Vorliebe für Länder, die einen negativen Ruf haben. „Ich will dort im Alltag andere Geschichten als in den Nachrichten entdecken und die Leser überraschen.“ Nach Russland und dem Iran ging es nun nach China.

Jedes Mal nutzte Stephan Orth hierbei das sogenannte „Couchsurfing“. Menschen aus aller Welt bieten auf einer Internetplattform einen Schlafplatz bei sich an, auf den man sich dann bewerben kann. So könne er einen authentischen Eindruck vom Land bekommen und gleich Einheimische kennenlernen, so Orth.

Und diese Erlebnisse waren bunt gemischt, wie das Publikum erfuhr. Von Macau im Süden Chinas reiste er bis zur nordkoreanischen Grenze im Osten und dann wieder ganz in den Westen Chinas. Hierbei sah er in Shenzhen die Hochburg der Elek­trotechnik und anderswo wieder 30 000-Einwohner-„Dörfer“. Humorvoll, sehr lebendig und von Bildern und kurzen Videos begleitet, erzählte der Reisereporter den Interessierten von den Schicksalen seiner Gastgeber und Reisebekanntschaften. Der freundliche Schuljunge begegnete ihm genauso wie die regimekritische Künstlerin oder ein junger Mann, der sich nicht gegen seine Eltern durchsetzen konnte.

Anhand dieser Beispiele und persönlicher Eindrücke erläuterte Orth die Kultur und Eigenheiten Chinas genauso wie die Probleme des Landes - die teilweise nicht einmal als solche wahrgenommen werden. Während einem Europäer die ständige Überwachung oft unangenehm ist, nähmen viele Chinesen diese nicht unbedingt negativ wahr, weiß Orth. „Das ist auch so, weil täglich Positivbeispiele in den Medien gezeigt werden.“ Wie zum Beispiel, wenn ein Taschendieb dank der Bilder der Überwachungskameras innerhalb von nur drei Minuten gefasst werde.

Auch Umerziehungslager für Muslime und die Probleme der Kunstfreiheit fanden Eingang in sein Buch und auch in die Lesung. So berichtete er von einem Streit zwischen einer regimetreuen Mutter und ihrer kritischen Künstlertochter, den er mitbekommen hat. „Ich hatte das Gefühl, in diesen 30 Minuten mehr über das Land zu lernen als sonst in einer Woche. Wie die Partei Folgsamkeit von den Leuten einfordert.“

Doch Orth erzählte auch von herzlichen Menschen, von gutem Essen, von lustigen Übersetzungen aus dem Chinesischen ins Englische und von einer ganz besonderen Gastfreundschaft. Eine Begrüßung wird der Couchsurfer wohl nie vergessen: „Meine Eltern freuen sich schon, sie haben extra den Hund für dich geschlachtet.“ Dieser für ihn qualvollen wie für das Publikum amüsanten Episode verdankt das Buch seine Widmung an den Hund und einige Tipps zum Verspeisen eines Hundes (Nummer eins: möglichst wenig Kontakt zur Zunge). Hunde zu essen sei in China allerdings nicht üblich, sondern eher eine lokale Spezialität, relativierte Orth das Vorurteil schmunzelnd.

So erreichte der Reisereporter mit der ungewöhnlichen Vorliebe am Dienstagabend sein Ziel und brachte seinen Zuhörern ein für sie unbekanntes Land näher, sodass sie China auch einmal abseits der Nachrichten und Klischees kennenlernen konnten.

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