Prozess vor dem Landgericht
Die Aufsichtspflicht nicht verletzt

Appelhülsen/Münster -

Das Landgericht Münster ist dem Amtsgericht gefolgt. Im Fall des Todes eines 14-jährigen Schülers des Alexianer Martinistifts ist die Lehrerin des Jungen freigesprochen worden.

Freitag, 01.11.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 16:39 Uhr
Vor dem Landgericht in Münster fand die Berufungsverhandlung zum Tod des 14-jährigen Schülers im Alexianer Martinistift statt.
Vor dem Landgericht in Münster fand die Berufungsverhandlung zum Tod des 14-jährigen Schülers im Alexianer Martinistift statt. Foto: dpa

Sein Urteil hat das Landgericht Münster im Verfahren um den tragischen Tod eines 14-jährigen Schülers und Bewohners des Alexianer Martinistiftes, der vor drei Jahren auf dem Stiftsgelände bei einem Unfall mit einem Radlader ums Leben gekommen war, gesprochen. Die Mutter des Jungen hatte – wie berichtet – Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Münster eingelegt, das die beklagte Lehrerin damals freigesprochen hatte. Das Landgericht folgte dieser Einschätzung und verwarf die Berufung.

Im Zentrum der Verhandlung stand die Frage, ob die Lehrerin ihre Aufsichtspflicht verletzt hatte. In seiner Urteilsbegründung erklärte der Richter am Donnerstag, dass das Gericht nicht in der Lage gewesen sei, „mit der erforderlichen Gewissheit festzustellen“, dass die Lehrerin dem 14-jährigen Schüler und seinem gleichaltrigen Klassenkameraden die Fahrt auf dem Radlader, den ein 17-jähriger Auszubildender der betriebseigenen Gärtnerei gefahren hatte, erlaubt hatte. Hierzu habe es von verschiedenen Zeugen widersprüchliche Aussagen gegeben, die kein einheitliches Bild gezeichnet hätten.

Hätte die Lehrerin eingreifen müssen?

Die genaue Rekonstruktion des Unfallvorgangs selbst sei schwierig, nach der Aussage der Lehrerin habe diese die Mitfahrt verboten. Die Schüler seien dann aber gleichwohl aufgesprungen und hätten sich an die Seite des Radladers gehängt. Die Frau habe noch „Halt, stopp!“ gerufen, was der Fahrzeugführer auch bestätigt habe. Doch es sei dann alles zu schnell gegangen, sodass sie nichts mehr hätte tun können, fasste der Richter zusammen.

Der Anwalt der Mutter hatte in seinem Plädoyer zuvor erklärt, dass die Lehrerin „nicht genügend interveniert habe“. Zumindest in diesem Punkt habe sie ihre Aufsichtspflicht verletzt. Er hatte für eine Verurteilung im Sinne der Anklage (Fahrlässige Tötung) plädiert.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Schlusswort dagegengehalten, dass die Situation zu unübersichtlich gewesen sei. Das, was man vor Gericht habe feststellen können, reiche nicht für den Tatbestand einer Pflichtverletzung. Er plädierte deshalb dafür, die Berufung zu verwerfen.

Für alle Angehörigen eine Katastrophe

Der Rechtsanwalt der Beklagten folgte dem Staatsanwalt in dessen Argumentation: seine Mandantin habe keine Chance gehabt einzugreifen. Er betonte zudem, dass der verstorbene Schüler „eigenverantwortlich selbstgefährdend“ gehandelt habe. Diese Argumentation greife nicht, widersprach ihm der Richter anschließend in seiner Urteilsbegründung. „Die Aufsichtspflicht soll die Selbstgefährdung ja gerade verhindern.“

Einig waren sich alle, dass der Tod eines Kindes für die Eltern und alle Angehörigen eine Katastrophe darstelle, die nicht wiedergutzumachen ist. Dem stimmte auch der Anwalt der Lehrerin zu, gab aber zudem zu bedenken: „Auch meine Mandantin leidet sehr unter dem Tod des Kindes.“

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