Maria 2.0
„Wir bleiben laut“

Nottuln -

„Ich finde es toll, dass diese Initiative im erzkatholischen Münsterland entstanden ist.“ Viel Zustimmung erhielt die Maria 2.0-Bewegung bei einem Gesprächsabend im Pfarrheim.

Dienstag, 05.11.2019, 20:30 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 12:32 Uhr
Lisa Kötter (l.) und Monika Schmelter (r.) von der Initiative „Maria 2.0“ aus Münster kamen auf Einladung von Mechtild Henke (Mitte, Sprecherin von Maria 2.0-Nottuln) ins Pfarrheim. Diese Gelegenheit zum regen Austausch und zur Vernetzung wurde intensiv genutzt.
Lisa Kötter (l.) und Monika Schmelter (r.) von der Initiative „Maria 2.0“ aus Münster kamen auf Einladung von Mechtild Henke (Mitte, Sprecherin von Maria 2.0-Nottuln) ins Pfarrheim. Diese Gelegenheit zum regen Austausch und zur Vernetzung wurde intensiv genutzt. Foto: Ulla Wolanewitz

Was einst als Lesekreis in der münsterischen Heilig-Geist-Gemeinde begann, entwickelte sich rasch zu einer erfolgreichen Initiative. „Maria 2.0“ ist mittlerweile in aller Munde und hat viele Nachahmer gefunden. Dem Aufruf zum Kirchenstreik im Marienmonat Mai folgten viele Engagierte in zahlreichen Kirchengemeinden – auch in St. Martin Nottuln. Mit Monika Schmelter und Lisa Kötter waren am Montagabend zwei Vertreterinnen der münsterischen Initiative auf Einladung der Nottulner „Maria 2.0“-Gruppe ins Pfarrheim zu einem regen und motivierenden Gedankenaustausch gekommen.

„Ich finde es toll, dass diese Initiative im erzkatholischen Münsterland entstanden ist“, lobte eine Besucherin das bahnbrechende Engagement der Münsteranerinnen. Nein, verwunderlich war es nicht, dass zu diesem spannenden und aufschlussreichen Austausch überwiegend Frauen gekommen waren. Immerhin konnte Mechtild Henke, Sprecherin von „Maria 2.0-Nottuln“, etwa 60 Teilnehmerinnen und vier männliche Teilnehmer aus verschiedenen Pfarrgemeinden begrüßen.

Im Fokus: Der von der deutschen Bischofskonferenz beschlossene synodale Weg, auf dem unter anderem Themen wie Missbrauch, Zölibat, Sexualmoral in der Kirche und Frauen im Dienst der Kirche neu überdacht werden sollen. Sicherlich ein Schritt in eine gute Richtung, letztendlich aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, so die Meinung am Montagabend.

Lisa Kötter wusste von Reaktionen und Zuschriften engagierter Christen und Priester zu berichten, die Warnungen enthielten wie „Seid vorsichtig, die Weltkirche ist mächtig“ und „Da werdet ihr nichts bewegen können“. Was die Mutter von vier Kindern wenig beeindruckte. Sie weiß, dass „wir es sind, die sich bewegen. Wie das quirlige Wasser, dass sich um die Steine herum den Weg zum Meer bahnt.“

Kinder und Enkel seien heute nicht mehr offen für die frohe Botschaft, weil sie den Boten keinen Glauben mehr schenkten. Die Kirche habe kein Rezept und „weiß die Erotik für junge Leute nicht mehr auszustrahlen, weil sie das Jesuanische an sich vergessen hat“, machte Lisa Kötter deutlich. „Dabei war Jesus ein toller Typ, der viele Lösungen anzubieten hatte. Das gilt es wieder zu entdecken.“

Viel Zustimmung fand die Meinung einer kritischen Christin, die sich nicht vorstellen konnte, dass Gott mit der Kirche einverstanden ist, so wie sie heute ist. „Vielmehr glaube ich, dass er uns jetzt braucht!“

Deutlich wurde, dass bei „Maria 2.0“ nicht allein die Frauenfrage im Mittelpunkt steht. „Wir wollen auch nicht das Zölibat abschaffen“, sagte Lisa Kötter. „Dennoch stellt sich die Frage: Wenn das Zölibat eine Gnade ist, wieso kann sie dann per Gesetz erlassen werden?“

Mehr Geschwisterlichkeit und Gleichheit auf Augenhöhe sind Forderungen von „Maria 2.0“, die nicht nur Frauen betreffen. Rhetorische Frage aus dem Publikum, die auch Männer etwas angeht: „Wieso darf nur der geweihte Mann, der Priester, die frohe Botschaft verkünden und in der Kirche mitbestimmen?“ Nach knapp zweistündigem Austausch lautete der Tenor: „Wir bleiben laut und tun schon mal das, was wir tun können!“

Dennoch bleiben sie spannend, die Antworten auf die Fragen: Wie lange kann es sich eine Amts- und Weltkirche noch erlauben, auf die Kreativität, die demokratische Energie und das fundierte Wissen der Frauen zu verzichten? Ist es Arroganz, Angst oder dient die Ungleichberechtigung einzig und allein dem Machterhalt?

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