Tafel in Nottuln: Interview
„Die Tafeln bauen eine Brücke“

Nottuln/Baumberge -

„Die ehrenamtlichen Leistungen sind immens“, sagt Alexander Peters, der bei der Coesfelder Tafel hauptberuflich die administrativen Aufgaben übernommen hat. Er erzählt über die Arbeit dieser caritativen Einrichtung.

Donnerstag, 07.11.2019, 20:00 Uhr
Betriebsleiter Alexander Peters kümmert sich um die administrativen Aufgaben bei der Coesfelder Tafel. Er unterstützt auch den Aufbau des neuen Tafel-Angebotes in Nottuln.
Betriebsleiter Alexander Peters kümmert sich um die administrativen Aufgaben bei der Coesfelder Tafel. Er unterstützt auch den Aufbau des neuen Tafel-Angebotes in Nottuln. Foto: Ludger Warnke

Die Coesfelder Tafel mit ihrem Einzugsgebiet Coesfeld, Billerbeck, Havixbeck, Nottuln und Rosendahl hat sich in den 14 Jahren ihres Bestehens als unverzichtbare Institution im Reigen der sozial-caritativen Organisationen etabliert. Seit September 2018 wird sie vom Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Münster unterstützt, um die ehrenamtlich Engagierten bei ihren administrativen Aufgaben zu entlasten. Für die Lokalredaktion sprach Rita Kleinschneider mit Betriebsleiter Alexander Peters über die Arbeit der Coesfelder Tafel.

Herr Peters, seit dem 1. Februar unterstützen Sie als Betriebsleiter die Coesfelder Tafel mit Verwaltungsdienstleistungen. In welchen Bereichen können Sie als Hauptberuflicher die ehrenamtlichen Helfer entlasten?

Peters: Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Die Tafel Coesfeld ist eine von sechs Logistikzentren in NRW und verantwortet zudem als „Verteilzentrum“ die logistischen Aufgaben für verschiedene Tafeln im Umkreis. Daher fallen in diesem Bereich verschiedene Aufgaben an, wie zum Beispiel Kontakt mit Speditionen und Verteilung an 33 Empfängertafeln. Ich sehe es als meine Aufgabe an, in guter Zusammenarbeit den Vorstand und die ehrenamtlich Engagierten bei den anfallenden Verwaltungsaufgaben wie Abrechnungen mit Empfängertafeln, Eingliederungen von Langzeitarbeitslosen im Plus-Job und den entsprechenden Abrechnungen zu entlasten. Kurz gesagt: Es geht um das gesamte operative Geschäft.

Mehr als 100 Helfer und Helferinnen im Innendienst bei der Ausgabe und im Außenfahrdienst für den Transport der wöchentlich über 5000 Kilo Lebensmittel geben ja eine Ahnung vom logistischen Aufwand. Wie bewerten Sie die Tatsache, dass diese Leistungen ehrenamtlich gestemmt werden?

Peters: Die ehrenamtlichen Leistungen sind immens. Und die ehrenamtlichen Stunden gehen so manches Mal ins Unermessliche, etwa wenn die Fahrer frühmorgens auf Tour zu den Lebensmittelmärkten fahren und erst nachmittags zurück sind. Das gilt auch für die vielen Ehrenamtlichen des Warenausgabeteams, die mit einem Lächeln und freundlichen Worten die überschüssigen Lebensmittel an unsere Kunden verteilen. Allerdings gilt unser Motto: Jeder investiert so viel, wie er kann. Mein Respekt und meine Hochachtung vor diesen Leistungen! Die Tafeln bauen eine Brücke zwischen Überfluss und den Menschen, die diese Hilfe benötigen.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit den Lebensmittelhändlern?

Peters: Es ist eine sehr zufriedenstellende Zusammenarbeit mit den Supermärkten. Wir sind dankbar für jede Unterstützung von Lebensmittelspenden.

Würden Sie sich über weitere Ehrenamtliche freuen? Welche Talente müsste man mitbringen?

Peters: Es bedarf keiner fachspezifischen Talente, sondern nur menschlicher wie Freude am Mitmachen, Toleranz, Verschwiegenheit und Respekt dem Mitmenschen gegenüber. Die Coesfelder Tafel hat sich einen Leitfaden gegeben, so dürfen zum Beispiel die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen nichts mit nach Hause nehmen. Die Lebensmittelspenden kommen zu 100 Prozent beim Tafelkunden an. Wir freuen uns immer wieder über ehrenamtlich Mitarbeitende, weil es im Laufe des Jahres auch alters- oder krankheitsbedingte Fluktuationen gibt.

Wer gehört denn zu den Nutzern, den Kunden der Tafel?

Peters: Die Nutzer der Tafel, unsere Kunden, sind Menschen, die aus den verschiedensten Gründen Sozialleistungen beziehen müssen oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz unterstützt werden. Zu uns dürfen auch die Rentner kommen, deren Rente unter 850 Euro liegt. Wenn uns soziale Institutionen bedürftige Menschen melden, helfen wir auch unbürokratisch. Die Tafel ist nur unterstützend tätig – und das alleine ist für viele schon eine große Hilfe.

Gibt es eigentlich eine „Hitliste“ der begehrtesten Lebensmittel?

Peters: Eine Hitliste der Lebensmittel gibt es nicht. Unsere Tafelkunden kochen mit den Zutaten, die es als Warenspenden an der Tafel gibt.

Sie haben viele Kunden, die einen langen Anfahrtsweg haben. Das stelle ich mir schwierig vor.

Peters: Diese Tafelkunden haben sich in Fahrgemeinschaften organisiert. Allerdings ist die Anfahrt aus Nottuln oder Havixbeck sehr kostspielig und aufwendig. Darum planen wir ja auch, in Nottuln eine Ausgabestelle der Tafel zu eröffnen.

Zur Person

Alexander Peters (34), der seine Schulzeit mit dem Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung abgeschlossen hat, absolvierte eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der A&QUA gGmbH in Nottuln. Dort war er neun Jahre Büroleiter. Nebenberuflich hat er sich zum Finanzbuchhalter und Verkehrsleiter weitergebildet. Nun unterstützt er als Betriebsleiter die Coesfelder Tafel. Zu erreichen ist er unter 01 57/80 63 39 07 oder per Mail: tafel@kolping-ms.de

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