Kleiderstube
Schlafsäcke für Obdachlose

Nottuln -

Die Kleiderstube in der Evangelischen Friedens-Kirchengemeinde arbeitet eng mit Kay Kuhnert zusammen. Der 55-Jährige betreut Obdachlose in Dortmund.

Samstag, 09.11.2019, 07:00 Uhr
Aus den Erlösen der Schutzgebühr für die Kleiderabgabe finanzierte das Team der Kleiderstube nun zehn Winterschlafsäcke für Obdachlose, die Teamsprecherin Sabine Omar (4.v.l.) an Kay Kuhnert übergab, der sich in Dortmund um Obdachlose kümmert.
Aus den Erlösen der Schutzgebühr für die Kleiderabgabe finanzierte das Team der Kleiderstube nun zehn Winterschlafsäcke für Obdachlose, die Teamsprecherin Sabine Omar (4.v.l.) an Kay Kuhnert übergab, der sich in Dortmund um Obdachlose kümmert. Foto: Ludger Warnke

Kay Kuhnert ist immer wieder aufs Neue überrascht, wie problemlos die Hilfe aus Nottuln funktioniert. Der 55-jährige Malermeister kümmert sich ehrenamtlich um Obdachlose in Dortmund. „Einmal besuchte mich sogar eine Nottulnerin in Dortmund und brachte mir persönlich verschiedene Sachen wie Iso-Matten, Kleidung, Hygieneartikel und neue Unterwäsche für die Obdachlosen“, erzählt er im WN-Gespräch.

Im Normalfall erfolgt die Hilfe aus Nottuln seit über einem Jahr über die Kleiderstube der evangelischen Friedens-Kirchengemeinde, die zu den Spendenaufrufen für die eigene Kleiderstube auch um Unterstützung für die Obdachlosenhilfe wirbt. In dieser Woche durfte sich Kuhnert über eine ganz besondere Hilfe der Kleiderstube freuen: Teamleiterin Sabine Omar überreichte ihm zehn Winterschlafsäcke im Wert von rund 400 Euro. Finanziert wurde die Spende aus der Schutzgebühr, die die Kleiderstube für die Abgabe der Kleidung erhebt.

„Mir ist es wichtig, Menschlichkeit weiterzugeben“, sagt Kuhnert. Seit vier Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe, zunächst innerhalb einer Organisation, heute mehr privat in Form aufsuchender Arbeit. In Dortmund gebe es geschätzt rund 700 Obdachlose, die auf der Straße lebten. Deutschlandweit seien es etwa 60 000 bis 70 000 Menschen. Sie seien zu trennen von den rund 1,2 Millionen Menschen, die als wohnungslos gelten bzw. in unsicheren Wohnverhältnissen (zum Beispiel bei Freunden) lebten.

Kuhnert steht mit vielen Gruppen in Verbindung, zum Beispiel mit Strickkreisen, die sogenannte Versteckbeutel herstellen, in denen Obdachlose persönliche Unterlagen vor unbefugtem Zugriff verstecken können. Kuhnert versucht auch mit Lebensmittelspenden zu helfen, führt zum Beispiel eine Weihnachtspäckchenaktion durch, die von der Nottulner Kleiderstube ebenfalls unterstützt wird.

Der Kontakt nach Nottuln entstand bei einem Treffen bei der Tierhilfe Lüdinghausen. Edda Schäfer hatte alte Handtücher und Bettwäsche, die für den normalen Gebrauch nicht mehr geeignet waren, aber der Tierhilfe noch gute Dienste leisten, nach Lüdinghausen gebracht. Dort traf sie auf Kuhnert. Aus dem Gespräch über das jeweilige ehrenamtliche Engagement entwickele sich die Idee, dass die Kleiderstube Nottuln auch für Obdachlose sammelt.

Und die Nottulner stehen diesem Engagement positiv gegenüber. Teamsprecherin Sabine Omar und die anderen Frauen des Kleiderstuben-Teams sind immer wieder überwältigt von der großen Welle der Hilfsbereitschaft. „Es gibt zum Beispiel eine Nottulnerin, die regelmäßig neue Unterwäsche kauft und diese für Obdachlose bei uns abgibt“, erzählt Sabine Omar. Andere Nottulner kommen zur Kleiderstube und sagen, ihre Kleiderspenden seien gezielt für Obdachlose.

Dass die Kleiderstube in der Nottulner Bevölkerung gut verankert ist, freut das ehrenamtliche Team sehr. Und die Helferinnen merken das nicht nur an den vielen Spenden, sondern auch an den Kunden. Nutzten in den Jahren ab 2015 vor allem Geflüchtete und Asylsuchende die Kleiderstube im Johanneshaus, um sich mit Kleidung zu versorgen, so gibt es heute Kunden, die aus Nachhaltigkeitsgründen gezielt auf Secondhand setzen. Kunden sind aber auch zum Beispiel Altenheimbewohner, die nur über geringe finanzielle Mittel, manchmal auch nur über das gesetzliche Mindesttaschengeld verfügen.

„Bei uns kann jeder vorbeikommen. Wir brauchen keine Bedarfsnachweise“, betont Teamsprecherin Sabine Omar. Es gehe um schnelle und unbürokratische Hilfe. Niemand müsse sich schämen.

Das Kleiderstubenteam gibt die Kleidung gegen eine Schutzgebühr ab. Das sind im Normalfall 50 Cent für ein Kinderkleidungsstück und 1 Euro für ein Erwachsenenteil. Mit dem Erlös aus dieser Schutzgebühr unterstützt die Kleiderstube wieder andere gemeinnützige Projekte und Initiativen, wie zum Beispiel die Obdachlosenhilfe von Kay Kuhnert.

Dass dies alles so hervorragend in der Gemeinde Nottuln funktioniert, dafür spricht das Kleiderstuben-Team allen Spendern und Nutzern ein großes Dankeschön aus.

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