Gedenkfeier
„Schon wieder mitten drin“

Nottuln -

Dirk Mannwald (CDU) hat bei der Gedenkfeier zur Reichpogromnacht angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung deutliche Worte gefunden.

Freitag, 15.11.2019, 18:00 Uhr
Fast 80 Bürgerinnen und Bürger nahmen am Donnerstagabend an der Aschebergschen Kurie an der öffentlichen Gedenkfeier aus Anlass des Pogroms vom 9. November 1938 teil. Jürgen Hilgers-Silberberg (FI) und Dirk Mannwald (CDU) sprachen.
Fast 80 Bürgerinnen und Bürger nahmen am Donnerstagabend an der Aschebergschen Kurie an der öffentlichen Gedenkfeier aus Anlass des Pogroms vom 9. November 1938 teil. Jürgen Hilgers-Silberberg (FI) und Dirk Mannwald (CDU) sprachen. Foto: Ludger Warnke

Deutlich mehr Menschen als sonst haben am Donnerstagabend an der Gedenkfeier anlässlich der Pogromnacht vom 9. November 1938 teilgenommen. An der Aschebergschen Kurie, wo eine Gedenktafel an die vielen Opfer der Nazi-Tyrannei von 1933 bis 1945 und namentlich an die 13 Ermordeten der jüdischen Gemeinde Nottuln erinnert, versammelten sich diesmal beinahe 80 Bürger, um der Opfer zu gedenken, aber auch um ein Zeichen des „Niemals wieder“ zu setzen. Erstmals hatten Friedensinitiative und Gemeinde Nottuln gemeinsam mit den Nottulner Parteien CDU , SPD, UBG, Grüne und FDP zur Teilnahme aufgerufen.

Jürgen Hilgers-Silberberg (FI) betonte in seiner Begrüßung die Notwendigkeit, sich immer wieder an die schrecklichen Ereignisse zu erinnern. Dies sei dringlicher als je zuvor: „Rechtes, Menschen verachtendes Gedankengut macht sich in unserem Land, ja in ganz Europa wieder breit“, betonte er. „Das hatten wir schon mal. Wir müssen das im Keim unterdrücken. Dafür sind wir zum Erinnern hier.“

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

1/8
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke
  • Foto: Ludger Warnke

Die Gedenkansprache hielt der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Dirk Mannwald. Freunde von ihm, die das KZ Ausschwitz besucht hatten, hätten ihm ein Foto der Opfernamensliste gezeigt, darunter auch die Namen der Nottulner ermordeten jüdischen Mitbürger. „Der Gedanke an dieses Bild verursacht bei mir immer noch Gänsehaut“, sagte Mannwald.

Die Nazidiktatur habe es geschafft, die Stimmung gegenüber den jüdischen Mitbürgern immer weiter zu vergiften und Übergriffe zu bagatellisieren. Das Pogrom vom 9. und 10. November sei der Auftakt zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einem noch nie bekannten Ausmaß gewesen. Mannwald verlas alle Namen der Nottulner Ermordeten. „Ihr Tod soll uns eine Mahnung sein.“

Obwohl man wisse, dass solche Taten sich nicht wiederholen dürften, erlebe man aktuell wieder, wie Antisemitismus und rechter Terror um sich greifen. Mannwald verwies auf den Synagogen-Anschlag in Halle und auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten und betonte: „Wir erleben, wie Teile der AfD als Mittel der politischen Eskalation den Holocaust verharmlosen und leugnen. In den Sozialen Medien ist jede Geschmacklosigkeit und Hetze gegen Andersdenkende an der Tagesordnung.“ Es werde gegen alles und jeden ausgeteilt, verunglimpft und bedroht, die guten Sitten und der Anstand verrohten, demokratische Politiker aller Ebenen würden Opfer von Morddrohungen und Gewalt. Dirk Mannwald: „Es bleibt also festzuhalten, dass wir nicht am Anfang einer Entwicklung stehen, sondern schon wieder mitten drin sind.“

Glücklich stimme ihn das Engagement vieler Menschen für die Opfer und für den Schutz von Minderheiten. „Und zum Glück leben wir heute im Gegensatz zu 1938 in einer stabilen Demokratie, in der der Staat und die große Mehrheit der Gesellschaft sich gegen rechte Stimmungsmache und Gewalt stemmen.“ Mannwald dankte allen Bürgern für ihr Kommen: „Lassen sie uns die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Worte ‚Nie wieder‘ keine leere Hülle sind, sondern ein starkes Statement für Frieden, Freiheit und Toleranz.“

Jürgen Hilgers-Silberberg griff in seinem Schlusswort den Gedanken auf, sich aktiv gegen rechtes Gedankengut und Handeln zu engagieren. Noch sei man in der Mehrheit gegenüber denen, die Hass und Gewalt predigten. Damit dies so bleibe, sei es notwendig, überall im Alltag, wo man Rassismus und Antisemitismus wahrnehme, sich einzumischen, zu widersprechen und den Menschen, die angefeindet würden, Schutz und Rückhalt zu bieten.

Jutta Schmalenbach (Querflöte) sorgte mit zwei Instrumentalstücken und einem gemeinsam gesungenen Lied für den musikalischen Rahmen der Gedenkfeier.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7068100?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Jutta van Asselt ist im Theater zu Hause
Jutta van Asselt an einem ihrer Lieblingsplätze – dem Zuschauerraum des Schauspielhauses.
Nachrichten-Ticker