Nach der Groß-Demo in Berlin
„Viele haben volles Verständnis“

Nottuln -

Susanne Strätker aus Nottuln hat an der großen Bauern-Demo in Berlin teilgenommen. Im WN-Gespräch zog sie Bilanz.

Freitag, 29.11.2019, 21:00 Uhr
26. November in Berlin: Zahlreiche Bauern mit ihren Treckern stehen bei einer Protestaktion gegen das Agrarpaket der Bundesregierung auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor. 26. November in Berlin: Susanne Strätker und ihr Mann Bernd (Mitte) stehen mit Hendrik Meier aus Münster, der sich ebenfalls in der Initiative „Land schafft Verbindung“, in der großen Demonstrantenmenge am Brandenburger Tor.
26. November in Berlin: Zahlreiche Bauern mit ihren Treckern stehen bei einer Protestaktion gegen das Agrarpaket der Bundesregierung auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor. 26. November in Berlin: Susanne Strätker und ihr Mann Bernd (Mitte) stehen mit Hendrik Meier aus Münster, der sich ebenfalls in der Initiative „Land schafft Verbindung“, in der großen Demonstrantenmenge am Brandenburger Tor. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Landwirtschaft ist zusammengerückt. „Die großen Protestaktionen in dieser Woche haben unser Zusammengehörigkeitsgefühl nochmals gestärkt“, hat Susanne Strätker festgestellt. Ihr Mann Bernd und sie führen ein Landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit Sitz in Hövel. Susanne Strätker engagiert sich außerdem in der Initiative „Land schafft Verbindung“, die auch die Protestaktionen der vergangen Tage organisiert hat. Die Nottulnerin ist lokale Ansprechpartnerin der Initiative und hat auch an der Großdemonstration in Berlin teilgenommen. Mit ihr sprach unser Redaktionsmitglied Ludger Warnke .

Frau Strätker, die 15-stündige Fahrt nach Berlin zur Großdemonstration war keine Kleinigkeit. Hat sich der ganze Aufwand gelohnt?

Susanne Strätker: Klares Ja! Zusammen unter Landwirten und Landwirtinnen zu sein, Unterstützung von allen Seiten zu erfahren, waren eine schöne Bestätigung, dass man mit seinen Sorgen nicht alleine ist.

Was wird Ihnen von der Berlin-Fahrt besonders im Gedächtnis bleiben?

Strätker: Der Zusammenhalt des gesamten ländlichen Raumes. Die liebevollen Menschen, die uns herzlichst aufgenommen und verpflegt haben, und die eine Unterkunft geschaffen haben, in der es uns an nichts mangelte. Und besonders im Gedächtnis bleiben wird mir das Vertrauen untereinander, obwohl man sich vorher nie begegnet ist.

Welche Weichen sollte die Bundespolitik für die Landwirtschaft nun stellen?

Strätker: Es müssen Weichen gestellt werden, damit wir deutschlandweit und europaweit Lebensmittel zu fairen Bedingungen produzieren können. Investitionssicherheiten bedeuten sicheren Absatz zu sicheren und kalkulierbaren Preisen, die uns Gewinn zum Leben bringen. Sonst werden wir Landwirtinnen und Landwirte von unseren Finanzämtern irgendwann der Liebhaberei bezichtigt, da wir keine Gewinne einfahren. Auch Bürokratieabbau, schnellere Erteilung von Baugenehmigungen und Fördermaßnahmen sind solche notwendigen Weichenstellungen.

Landwirtschaftspolitik wird auch auf kommunaler Ebene betrieben. Ich denke da zum Beispiel an die gemeindlichen Zahlungen für die Kooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft. Wird aus Ihrer Sicht die Landwirtschaft in der Kommunalpolitik fair berücksichtigt?

Strätker: Da die Landwirtschaft ortsansässig ist, Projekte mit Städten und Gemeinden gemeinsam geschaffen wurden und werden, teilweise die Kommunalpolitiker sogar Nachbarn sind von Landwirten und Landwirtinnen und da dort die Kommunikation sehr eng ist, klappt der Dialog. Es gibt sehr viele Projekte von Landwirten und Landwirtinnen, Kommunen und Institutionen, die zusammen durchgeführt werden und sehr erfolgreich sind. Auch dadurch, dass gerade auf kommunaler Ebene Landwirte sich in der Politik als auch im Dorfgeschehen engagieren.

Von Seiten der Landwirtschaft wird ja beklagt, dass man über sie, aber nicht mir ihr redet. Planen Sie Angebote, um mit Politik und Verbrauchern besser ins Gespräch zu kommen?

Strätker: Selbstverständlich planen wir weitere Aktionen! Bevölkerung und Politik müssen wieder näher an die Landwirtschaft herangeholt werden. Regionale Aktionen sind auch von der Initiative „Land schafft Verbindung“ vorgesehen, zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt in Münster. Um Verbraucher zu informieren, reden wir mit ihnen. In vielen Gesprächen mit Bürgern wird uns immer gesagt, dass die Leute volles Verständnis für unsere Arbeit haben. Sehr viele von ihnen haben Eltern oder Großeltern, die einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten. Das erzählen die Menschen mir mit sehr viel Wehmut. Man merkt bei ihnen, mit wie viel Liebe sie zur Landwirtschaft stehen.

Bald steht ja der Jahreswechsel an. Was wünscht sich eine Landwirtin für das Jahr 2020?

Strätker: Ich wünsche mir eine Anerkennung unserer täglichen Arbeit von der Bevölkerung und der Politik. Ich wünsche mir auch mehr Kommunikation in der Bevölkerung untereinander über die Bedeutung von Ernährung und Lebensmitteln, dass sich alle wieder mehr der Wertschätzung unserer in Deutschland regional erzeugten Produkte bewusst werden. Mein Wunsch: Augen auf beim Lebensmittelkauf!

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