Nottulner in aller Welt
Heiße Schokolade für Bedürftige

Nottuln/Cusco (Peru) -

Es ist Dezember und es ist Sommer. Zumindest im peruanischen Cusco. Dort befindet sich seit fünf Monaten der Nottulner Lukas Sydow.

Dienstag, 24.12.2019, 10:00 Uhr
Szene aus dem Altenheim in Cusco, in dem der Nottulner Lukas Sydow arbeitet. Trotz schwieriger Hintergründe bewahren sich die älteren Menschen eine beeindruckend gute Stimmung.
Szene aus dem Altenheim in Cusco, in dem der Nottulner Lukas Sydow arbeitet. Trotz schwieriger Hintergründe bewahren sich die älteren Menschen eine beeindruckend gute Stimmung. Foto: Lukas Sydow

Italienisches Panetón, Truthahnbraten aus den USA, aber auch gebratenes Meerschweinchen – allein das Essen zeigt, dass Weihnachten in Peru ein wahres Potpourri verschiedener Kulturen ist. Gerade in der ehemaligen Inka-Hauptstadt Cusco treffen zahlreiche Traditionen aufeinander.

Weihnachtszeit ist hier Sommerzeit. Und so genießen die Omas und Opas im Altenheim momentan die angenehmen Temperaturen in der Sonne und hören dabei Radio. Dort laufen im ganzen Dezember Weihnachtslieder auf Qechua – der ursprünglichen Sprache der Anden, die nach und nach wieder an Bedeutung gewinnt. „Qechua ist viel ausdrucksstärker“, meinen viele im Vergleich zu Spanisch, das erst mit der Eroberung des Inka-Reiches ab 1532 nach Südamerika gekommen ist.

Ein schneller Erfolg bei der Missionierung der „Neuen Welt“ erforderte damals Kompromisse. Heute ist die überwältigende Mehrheit der Peruaner zwar katholisch, aber viele Heilige haben eine Doppelbedeutung: In der Gottesmutter Maria wird zum Beispiel gleichzeitig „Pachamama“, die Mutter Erde, verehrt. So leben auch an Weihnachten Synthesen aus andinen Vorstellungen und europäischem Katholizismus weiter. Und im von Ordensschwestern geführten Altenheim wird manch ein Gottesdienst auf Qechua gehalten – nicht nur an Heiligabend .

Freiwilliger Einsatz in einem Altenheim in Cusco/Peru

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  • Zu Weihnachten werden Bilder gemalt und kleine Geschenke gebastelt.

    Foto: Lukas Sydow
  • Lukas Sydow aus Nottuln arbeitet ein Jahr lang in Peru.

    Foto: Iris Bergmann
  • Die Bewohner bewahren sich ihre gute Stimmung.

    Foto: Lukas Sydow
  • Abwechslung im Alltag.

    Foto: Lukas Sydow
  • Zu Weihnachten werden Bilder gemalt und kleine Geschenke gebastelt.

    Foto: Lukas Sydow
  • Besucher empfangen die Altenheimbewohner mit einem Lächeln.

    Foto: Lukas Sydow
  • Gemeinsame Freizeitaktivität unter der Dezember-Sonne.

    Foto: Lukas Sydow

Am 24. Dezember findet auf dem Hauptplatz in Cusco ein großer Markt statt. Menschen aus dem Umland verkaufen hier Handwerksarbeiten als Zubehör für teils pompöse Krippen. Die Ursprünge des Marktes reichen bis in die Kolonialzeit; der Name „Santurantikuy“ stammt aus dem Qechua und bedeutet sinngemäß „Heiligenverkauf“. Heute ist der Weihnachtsmarkt in ganz Peru bekannt und UNESCO-Weltkulturerbe.

Gleichzeitig kommen immer mehr neue westliche Einflüsse dazu. In der typisch US-amerikanischen Einkaufsmall der Stadt werden schon seit November Plastik-Weihnachtsbäume und Kunstschnee angepriesen. „Nur Müll“, sagt eine Oma kopfschüttelnd dazu – aber bei anderen scheint es anzukommen. Und auch das Essen an Heiligabend ist mittlerweile international geprägt: Es gibt gebratenes Meerschweinchen – ein typisch peruanisches Gericht für besondere Anlässe –, aber auch Truthahnbraten und Panetón. Dieser gefüllte Hefeteigkuchen mit Rosinen kommt ursprünglich aus Italien. Eine europäische Unternehmerfamilie führte ihn in den 1950er-Jahren in Peru ein.

Das mit viel Mühe zubereitete Weihnachtsmenü wird allerdings erst nach Mitternacht genossen. Vorher gehen die Peruaner zur Christmesse in die Kirche und feiern später die „Stille Nacht“ mit vielen Böllern und Raketen. Denn um Punkt Mitternacht gibt es ein großes Feuerwerk. Und erst in diesem Moment wird auch das Jesuskind in die Krippe gelegt.

Im Altenheim findet all das etwas früher statt, wenn die Bewohner noch wach sind. Die meisten von ihnen haben keine Angehörigen, mit denen sie zusammenkommen könnten. So kümmern sich Ordensschwestern und Mitarbeiter in den Weihnachtstagen besonders intensiv um die Omas und Opas. Wie im ganzen Land wird gemeinsam gegessen und gefeiert. Fröhliche Tänze spielen dabei eine wichtige Rolle.

Und noch eine besondere Tradition gibt es in Peru: Unternehmen und Organisationen verteilen bei den sogenannten „chocolatadas“ heiße Schokolade mit Zimt und Nelken an Bedürftige. Die gibt es jedes Jahr auch im Altenheim, worauf sich die Bewohner besonders freuen. Sie sind stolz auf ihr peruanisches Weihnachtsfest, das „ziemlich von westlichen Einflüssen geprägt ist“, wie ein Opa meint – und dann hinzufügt: „Aber wir feiern es eben doch typisch peruanisch!“

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Übrigens: Weitere Einblicke in die Arbeit im Altenheim in Cusco und das Leben in Peru gibt es auch bei www.hola-südamerika.de unter Blogs/Lukas Sydow.

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Lukas Sydow

Ein ganzes Jahr lang lebt und arbeitet Lukas Sydow in Cusco , der drittgrößten Stadt Perus. Dort arbeitet der Nottulner, der sich am 2. August dieses Jahres auf den Weg machte, in einem Altenheim. Gemeinsam mit weiteren Freiwilligen leistet Lukas Sydow einen „weltwärts“-Freiwilligendienst, der durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu 75 Prozent finanziell unterstützt wird. Ausgewählt, vorbereitet und entsendet wurde die Freiwilligengruppe von „amntena e.V.“. Der ehrenamtliche Verein unterstützt soziale Projekte in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Wer das Projekt, in dem Lukas Sydow arbeitet, unterstützen möchte, kann dies für amntena e.V. unter der Kontonummer IBAN DE90 6669 2300 0033 6495 17 und dem Verwendungszweck „FW Lukas Sydow“ tun, damit der Verein die Spende zuordnen kann.

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