Beitritt zum Riga-Komitee
Auftrag zur Friedensarbeit

Nottuln -

Die Gemeinde Nottuln ist neues Mitglied im Riga-Komitee des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Mit einem Festakt im Bürgerzentrum Schulze Frenking wurde der Beitritt angemessen gefeiert.

Mittwoch, 15.01.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 18:58 Uhr
Beim Festakt anlässlich des Beitritts der Gemeinde Nottuln zum Deutschen Riga-Komitee im Bürgerzentrum (v.l.): stellvertretender Bürgermeister Paul Leufke, Robert Hülsbusch (Friedensinitiative Nottuln, Mitantragsteller), Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Bezirksverbandsvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die sich auch ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug, Winfried Nachtwei MdB a.D. und Vorstandsmitglied im Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, Bürgermeisterin Manuela Mahnke mit der Beitrittsurkunde und Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr.
Beim Festakt anlässlich des Beitritts der Gemeinde Nottuln zum Deutschen Riga-Komitee im Bürgerzentrum (v.l.): stellvertretender Bürgermeister Paul Leufke, Robert Hülsbusch (Friedensinitiative Nottuln, Mitantragsteller), Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Bezirksverbandsvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die sich auch ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug, Winfried Nachtwei MdB a.D. und Vorstandsmitglied im Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, Bürgermeisterin Manuela Mahnke mit der Beitrittsurkunde und Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Foto: Frank Vogel

„Wir stellen uns gemeinsam der Erinnerung.“ Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeisterin Manuela Mahnke am Dienstag anlässlich des offiziellen Beitritts der Gemeinde Nottuln zum Deutschen Riga-Komitee des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Gäste zum Festakt im Bürgerzentrum Schulze Frenking. Mit dem Beitritt verpflichte sich die Gemeinde, nicht zu vergessen, was in den Jahren 1941 und 1942 im Wald von Bikernieki in Riga geschehen ist.

25 000 Juden aus dem damaligen „Großdeutschen Reich“ waren in die lettische Hauptstadt deportiert und dort zum allergrößten Teil ermordet worden. Unter ihnen auch zwei gebürtige Nottulner. Walter Heimbach, der 1887 in Nottuln zur Welt gekommen und am 27. Januar 1942 nach Riga verschleppt und dort ermordet worden war. Und Else Wertheim, die 1903 in Nottuln geboren und am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert worden war. Sie überlebte das Grauen, verstorben ist sie 1979 in Münster.

Verbunden mit der Erinnerung sei auch ein „sehr eindringliches ‚Nie wieder‘“, betonte Manuela Mahnke und mit dem Verweis auf das „Wiedererstarken der rechten Szene“ führte sie aus: „Wir müssen überall, wo es nottut, Zivilcourage an den Tag legen, den Mund aufmachen und Präsenz zeigen. Diese Präsenz zeigen wir mit dem Beitritt zum Deutschen Riga-Komitee.“

Regierungspräsidentin Dorothee Feller , Vorsitzende des Bezirksverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, erklärte, dass kaum noch Zeitzeugen leben, die die Erinnerung als Personen wachhalten könnten. Umso wichtiger sei es, den Opfern auf andere Weise Namen, Gesichter und Würde zu geben. Die 1991 geschaffene Gedenkstätte im Wald von Bikernieki, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1996 übernommen hat, sei ein Beitrag dazu. „Das Gedenken gehört in die Mitte der Gesellschaft, und das nicht nur am Auschwitz-Gedenktag, sondern in seiner ganzen Vielfalt.“ So blieben die Opfer „Teil unserer Gesellschaft“. Ihr Tod sei Mahnung zur Friedensarbeit, betonte die Regierungspräsidentin. „Europa gibt uns die wunderbare Chance, in Frieden zu leben. Lassen Sie uns alle daran arbeiten, dass es so bleibt.“

Winfried Nachtwei, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Vorstand des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ und „Motor der Entwicklung der Gedenkstätte von Bikernieki“, wie Dorothee Feller ihn nannte, war es, der bei der Friedensinitiative Nottuln den Anstoß für den Bürgerantrag zum Beitritt der Gemeinde zum Riga-Komitee gegeben hatte. Er berichtete, dass die Nationalsozialisten Erinnerungen an die Opfer systematisch zerstört hätten, indem sie die Ermordeten verbrannten und zermahlten. Erinnerung an die jüdischen Opfer habe es auch später nicht gegeben. Als er in den 80er-Jahren erstmals in Riga war, sah er, „wie die Jogger über die Massengräber gelaufen sind“. Erst in den 90er-Jahren habe das Gedenken an die verschollenen Nachbarn eingesetzt, habe der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sich des Themas angenommen.

Im Jahr 2000 wurde das Riga-Komitee des Volksbundes von 13 Städten gegründet, heute gehören ihm mit Nottuln 63 an. Ein Jahr später wurde die Gedenkstätte in Bikernieki eingeweiht. 5000 Granitsteine, dicht zusammengedrängt, symbolisieren die Familien, die ausgelöscht worden sind. „Ein erster Schritt, das anonyme Schicksal individueller zu machen“, so Nachtwei.

Mehr noch: Es sei ein Netzwerk der im Komitee vertretenen Städte entstanden. Und es werde in Workcamps mit deutschen, österreichischen und lettischen Jugendlichen, die die Gedenkstätte pflegen und über die Geschichte sprechen, Friedensarbeit geleistet. „Das Riga-Komitee hat Bänder und Brücken geschaffen zwischen Nationen und Generationen.“

Robert Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln sprach für die Antragsteller: Winfried Nachtwei habe bereits seit 25 Jahren immer wieder über Bikernieki und die Notwendigkeit des Erinnerns gesprochen, bei der FI wie auch an Schulen und anderen Stellen. „Wir sind dankbar, dass das Thema offiziell in Nottuln angekommen ist.“ Der Beitritt zum Komitee sei ein weiterer Mosaikstein der Erinnerungskultur in der Gemeinde, zu der Stolpersteine, Gedenktafel, Versöhnungskapelle, Novembertage und mehr gehören. Der Beitritt sei „Zeichen und Aufgabe“: „Wie wäre es, wenn eine Delegation aus Nottuln mit Jung und Alt, Bürgern, Vertretern von Politik und Verwaltung noch in diesem Jahr den Gedenkstein aus Nottuln, der in Bikernieki aufgestellt werden soll, dort hinbringen würde.“

Im Anschluss an die Reden, die umrahmt wurden von Beiträgen der Corona Musica unter der Leitung von Helga Höfer, unterzeichneten Manuela Mahnke und Dorothee Feller die Beitrittsurkunde. Außerdem trug sich die Regierungspräsidentin ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Die Geschehnisse von Riga

Dorothee Feller hatte einige Daten und Fakten mitgebracht, deren Grausamkeit den Zuhörern das Blut in den Adern gefrieren ließ. So hatte der Kommandant des Rigaer Ghettos die Anfrage, ob dieses für die Belegung mit Juden aus dem „Großdeutschen Reich“ frei sei, mit einem Ja beantwortet, was eine Lüge war. Und so wurden am 30. November, dem Rigaer Blutsonntag, und am 8./9. Dezember 1941 rund 26 500 lettische Juden aus dem Ghetto herausgeholt, um dieses schnell zu räumen, und im Wald von Rumbula ermordet. Und weil die ersten Transporte aus dem „Großdeutschen Reich“ vor der Räumung eintrafen, wurden diese nach Kwono umgeleitet, wo die insgesamt rund 5000 deportierten Juden umgebracht wurden. Auch die 730 Insassen des ersten Transportes, der Riga erreichte, wurden ermordet, weil das Ghetto noch immer nicht komplett geräumt war.   | www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee.html

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