Winterversammlung der Landwirte
„Sind in einer rezessiven Phase“

Schapdetten -

Gelungene Premiere: Zum ersten Mal haben die Landwirtschaftlichen Ortsverbände Nottuln, Schapdetten und Appelhülsen eine gemeinsame Winterversammlung durchgeführt. Viele Sorgen, Projekte und Informationen kamen zur Sprache.

Mittwoch, 15.01.2020, 20:00 Uhr
Freuten sich über eine gelungene Premierenveranstaltung (v.l.): die drei Landwirtschaftlichen Ortsverbandsvorsitzenden Antonius Lückmann (Appelhülsen), Bernhard Schnieder (Schapdetten) und Markus Lütke Aldenhövel (Nottuln).
Freuten sich über eine gelungene Premierenveranstaltung (v.l.): die drei Landwirtschaftlichen Ortsverbandsvorsitzenden Antonius Lückmann (Appelhülsen), Bernhard Schnieder (Schapdetten) und Markus Lütke Aldenhövel (Nottuln). Foto: Ludger Warnke

„Wir werden immer weniger“, betonte am Dienstagabend Bernhard Schnieder, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Schapdetten, in seiner Begrüßung zur Winterversammlung. Dabei vermittelte der Blick in den Saal des Hotels „Zur alten Post“ genau das Gegenteil. Mehr als 70 Landwirte, Landfrauen und Gäste waren gekommen. Allerdings: Zum ersten Mal führten die drei Landwirtschaftlichen Ortsverbände Nottuln, Schapdetten und Appelhülsen eine gemeinsame Winterversammlung durch. Damit reagiere man einerseits auf die sinkenden Mitgliederzahlen in den einzelnen Ortsverbänden, wie Schnieder erläuterte, andererseits wolle man es auch den Referenten leichter machen, die nun in einer statt in drei Versammlungen über die vielen Neuerungen informieren konnten.

Bei den Teilnehmern kam die Premierenveranstaltung gut an – trotz über dreistündiger Dauer. Schließlich haben alle Landwirte mehr oder weniger die gleichen Sorgen. Da erntete Martin Bontrup , stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Zustimmung, als er bemerkte, dass er zwischen dem Verband und der neuen Bewegung „Land schafft Verbindung“ keine Konkurrenz sehe. „Wir verfolgen dieselben Ziele, wie helfen uns, wo wir nur können.“

Zugleich warb Bontrup intensiv bei seinen Berufskollegen dafür, sich der neuen Informationskampagne „Mag doch jeder“ anzuschließen, mit dem die Landwirtschaft über ihre Arbeit informieren möchte. Bontrup: „Ich bin erschrocken von der Ahnungslosigkeit vieler Menschen.“

Den Reigen der Fachvorträge eröffnete Christoph Steinhoff von der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Coesfeld. Er warb intensiv für das Förderprogramm „Feldvogelinseln im Acker“ und wünschte sich zwei Teilnehmer aus jedem Ortsverein. Bei diesem Projekt zur Schaffung von Brut-, Nahrungs- und Rückzugsflächen für Feldvogelarten (zum Beispiel Kiebitz, Fasan, Feldlerche, Goldammer, Rebhuhn, Rohrweihe) geht es darum, Flächen von der Größe eines halben bis eines ganzen Hektars vorübergehend aus der Bewirtschaftung zu nehmen.

Die erste gemeinsame Winterversammlung der Landwirte aus Nottuln, Appelhülsen und Schapdetten war gut besucht.

Die erste gemeinsame Winterversammlung der Landwirte aus Nottuln, Appelhülsen und Schapdetten war gut besucht. Foto: Ludger Warnke

Das gut gemeinte Förderprogramm des Landes ist allerdings nicht gut durchdacht. Steinhoff selbst räumte ein, dass die Antragstellung jetzt im Frühjahr ein ungünstiger Zeitpunkt sei, da die Landwirte bereits im Jahr zuvor ihre Anbauplanung erarbeitet haben und auf vielen Äckern schon die Saat liegt. Allenfalls Maisackerflächen (der Mais wird erst ab April gelegt) kämen demnach in Frage.

Zweiter Knackpunkt: Die Entschädigung von pauschal ca. 1000 Euro für den Ertragsausfall ist für das Münsterland zu niedrig. Gleichwohl warb Steinhoff um ein Mitmachen bei diesem Programm, denn damit könnten Landwirte ein sichtbares Zeichen für den Umweltschutz setzen.

Dass die Landwirtschaft in Sachen Umweltschutz schon viel unternimmt, dazu hatte Marianne Lammers von der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Coesfeld/Recklinghausen, Zahlen mitgebracht. So seien 5,5 Prozent der Ackerflächen im Kreis im Programm „Ökologische Vorrangfläche“. Zumeist hätten sich die Landwirte für den umweltschonenden Zwischenfruchtanbau entschieden, erläuterte Lam­mers. Damit leiste man Gewässerschutz, denn der Zwischenfruchtanbau verhindere das Auswaschen der Böden.

Außerdem haben die Landwirte im Kreis etwa 2 Prozent der Ackerflächen für freiwillige „Agrarumweltmaßnahmen“ zur Verfügung gestellt. Zumeist geht es dabei um Uferrandstreifen in einer Größe von 652,4 Hektar.

Ein großes Thema für die Kammer wie für die Landwirte sind die Neuerungen bei der Düngeverordnung. „Wir haben große Zweifel an der korrekten Ermittlung der roten Grundwasserkörper“, betonte Lammers. Sie kritisierte die sehr grobe Einteilung der Gebiete und forderte neue und detailliertere Untersuchungen. Mit rot sind in den entsprechenden Kartenwerken die Flächen markiert, in denen die Nitratbelastung als zu hoch angesehen wird.

Die Zukunftssorgen der Landwirtschaft haben Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft. Lammers stellte verschiedene Zahlen vor, wonach die Investitionen in Stallungen und auch in Wohngebäuden in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen sind. „Es werden mehr Stallungen aufgegeben als neue hinzukommen. Wir sind in einer rezessiven Phase“, betonte Marianne Lammers.

Da passte auch gut das Beispiel, das Raphael van der Poel, Geschäftsführer des Kreisverbandes, in Schapdetten anführte: Zwar fordere die Gesellschaft von den Landwirten, mehr für das Tierwohl zu tun. Wenn dann Landwirte aber bereit seien, Stallungen zu vergrößern und besser auszustatten, bekämen sie keine Baugenehmigung. Ein „großes Dilemma“, so van der Poel.

Aufmerksamer Zuhörer in der großen Runde war auch Bürgermeisterkandidat Dr. Dietmar Thönnes. Ihn hatten die Landwirte eingeladen, damit er sich den Mitgliedern vorstellen konnte. Thönnes ermunterte die Anwesenden zur Geschlossenheit („Gemeinsam sind sie mehr“) und attestierte den Landwirten und ihren Familien eine große Bedeutung: „Sie sind eine wichtige Kraft für Nottuln.“ Er wolle den Abend dazu nutzen, genau zuzuhören und sich zu informieren.

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