Wilde Müllkippe am Ludgerusweg
Streit um Zuständigkeit

Nottuln -

Es ist verzwickt. Nur eines ist klar: Die Gemeinde Nottuln kann im Moment wenig tun. Kreis und Landesbetrieb Wald und Holz sind sich in der Bewertung eines riesigen Müllhaufens im Wald uneins.

Mittwoch, 05.02.2020, 21:48 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 22:00 Uhr
Die wilde Müllkippe an der Kreisstraße 19 zwischen Marienhof und Longinusturm sieht unscheinbar aus. Unter der Oberfläche verbirgt sich jedoch metertief Bauschutt und anderer Abfall.
Die wilde Müllkippe an der Kreisstraße 19 zwischen Marienhof und Longinusturm sieht unscheinbar aus. Unter der Oberfläche verbirgt sich jedoch metertief Bauschutt und anderer Abfall. Foto: Gemeinde Nottuln

Wer den Nottulner Zugangsweg zum Ludgerusweg nimmt und an der Kreisstraße 19 entlanggeht, der kann rote und weiße Planen durchs Unterholz schimmern sehen. Was der Wanderer indes nicht sofort erkennen kann ist, dass das, was er sieht, nur die Spitze des Eisbergs ist. Eine verita­ble wilde Müllkippe befindet sich zwischen den Bäumen am Rande eines Steinbruchs. Und die sorgt für ein langwieriges „Hin- und Hergeschiebe zwischen den Behörden“. So formuliert es Stefan Kohaus, Rechtsrat der Gemeinde Nottuln, im Pressegespräch.

Im Oktober 2018 hatte ein Wanderer den Müll am Wegesrand entdeckt. Die Gemeinde, die den Hinweis bekam, schickte den Bauhof los, das vermeintliche „bisschen Müll“ zu entfernen. Doch dann wurde klar: Hier geht es um mehr als nur eine schnell entsorgte Plane. Um die Zuständigkeit für das Thema zu klären, gab es gleich eine ganze Reihe an Ortsterminen, Telefonaten und Schriftverkehr.

Der Kreis Coesfeld war nach einem Ortstermin der Ansicht, dass es sich – gemäß des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und des Bundesbodengesetzes – nicht um eine Altlast handelt, wie Daniel Claas , Leiter der Abteilung Umwelt, erläutert. Dann wäre der Kreis für die Entfernung zuständig gewesen. „Wir werten das als Abfall im Wald.“ Und für den sei das Regionalforstamt des Landesbetriebs Wald und Holz zuständig.

Doch der sah das anders. Nach einem Ortstermin im März, bei dem auch ein Entsorgungsunternehmen dabei war, eingeholten Angeboten und einigen Erinnerungsmails der Nottulner Gemeindeverwaltung war das Forstamt im Oktober mit einem Minibagger vor Ort. „Und dann mussten wir feststellen, dass der Müll da hoch aufgeschüttet liegt“, wie Martin Baumgart vom Regionalforstamt berichtet. „Wir haben einen Meter tief gegraben und waren noch lange nicht am Ende angekommen.“ Schlussfolgerung des Landesbetriebs: Hier handelt es sich nicht um eine „überschaubare Menge Erholungsmüll“, der achtlos in den Wald geworfen worden ist, sondern um eine alte Müllkippe. Über die Abbruchkante des noch heute betriebenen Steinbruchs sei vor vielen Jahren im großen Stil Bauschutt und anderer Abfall abgekippt worden. „Und den wegzuräumen, übersteigt unsere Möglichkeiten“, so Baumgart. Und es sei vor allem auch nicht mit dem Forstgesetz vereinbar. Zuständig für diese illegale alte Deponie sei der Kreis.

Der seinerseits greift jetzt zu den ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln. Zunächst soll eine öffentliche Anhörung stattfinden, führt das zu keinem Ergebnis, kann der Kreis eine Ordnungsverfügung gegen den Landesbetrieb Wald und Holz verhängen, wie Daniel Claas erläutert. „Die Situation ist tatsächlich verzwickt“, sagt Martin Baumgart. „Das wird man wohl vor Gericht klären müssen.“

Der Gemeinde Nottuln sind in dieser Auseinandersetzung die Hände gebunden. „Alle Beteiligten sind sich einig, dass wir als Gemeinde nicht dafür zuständig sind, den Müll aus dem Wald zu holen“, erklärt Stefan Kohaus. Abholen und entsorgen, das wäre Gemeindesache. Nur: Soweit ist es eben noch nicht.

„Wir haben gemeinsam mit dem jetzigen Eigentümer und den beteiligten Behörden versucht, eine pragmatische Lösung zu finden“, so Kohaus. Vergebens. „Im Steinbruch wird zurzeit gearbeitet, die Arbeiter könnten dort jetzt mit einem Bagger von unten an den Müll herankommen“, erklärt Fachbereichsleiterin Nicole Wortmann. Doch daraus wird offenbar nichts.

Letztlich geht es natürlich auch um die Kosten, die die Bergung des Mülls verursachen würde. Baumgart spricht von insgesamt circa 15 000 Euro. Die Gemeinde Nottuln hat vorsichtshalber ihrerseits bereits 5000 Euro in den Haushalt eingestellt.

Für Stefan Kohaus eine sehr unbefriedigende Situation. „Dafür, dass wir nicht in erster Instanz zuständig sind, haben wir einiges getan.“ Genutzt hat es bisher noch nichts.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7241720?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker