Internationaler Frauentag
Zwischen Ablehnung und Zuwendung

Nottuln -

Sie galt als schwierig und egozentrisch, war aber auch vielschichtig und einzigartig: Hilde Domin. Ein Film über die Schriftstellerin steht im Mittelpunkt der Nottulner Veranstaltung zum Internationalen Frauentag.

Samstag, 15.02.2020, 18:00 Uhr
Zum Internationalen Frauentag am 8. März wird in Nottuln der Dokumentarfilm „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin“ gezeigt.
Zum Internationalen Frauentag am 8. März wird in Nottuln der Dokumentarfilm „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin“ gezeigt. Foto: Anna Ditges

Starke Frauen stehen im Fokus beim Kulturfrühstück zum „Internationalen Frauentag“ am Sonntag (8. März, 9.30 Uhr), das „Kunst & Kultur Nottuln“ im Gasthaus Denter veranstaltet. Zu Gast ist Anna Ditges aus Köln, die den Dokumentarfilm „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin “ produzierte. Ulla Wolanewitz, Vorsitzende des Kulturvereins, sprach vorab mit der Filmemacherin.

Wie entstand Ihre Idee zu dem Film über Hilde Domin?

Anna Ditges:Per Zufall entdeckte ich ihre Gedichte. Danach wollte ich diese Frau unbedingt kennenlernen. Bereits beim ersten Treffen war die Begegnung sehr intensiv. Ich war fasziniert von ihrer ausgeprägten Persönlichkeit und ihrer spannenden Lebensgeschichte. Hilde war für mich wie ein lebendiges Buch, in dem ich über das vergangene Jahrhundert lesen konnte. Die 95-Jährige war erstaunlich wach und schlagfertig, man konnte offen mit ihr reden.

 

Hilde Domin galt als schwierig, egozentrisch. Wie haben Sie Ihre Zusammenarbeit erlebt?

 

Anna Ditges: Der Film zeigt sehr deutlich, dass es nicht einfach war. Jedes Mal, wenn ich ihr mit der Kamera zu nahekam, gerieten wir aneinander. Anfangs habe ich tatsächlich sofort ausgeschaltet, wenn sie mich anschrie. Irgendwann wurde mir aber klar, dass unsere Auseinandersetzung Teil des Films werden muss. Deswegen habe ich die Kamera dann weiterlaufen lassen. Im Laufe der Zeit ist es auch zu einem Spiel zwischen uns geworden. Das hatte beinahe etwas von einem Flirt. Ein Spiel zwischen Ablehnung und Zuwendung. Hilde ging es ja vor allem um meine Gesellschaft. Da störte die Kamera sie eher – so sehr sie sich auch geschmeichelt fühlte von meiner intensiven Beschäftigung mit ihr. Sie hat die Kamera in Kauf genommen und immer öfter ignoriert. Sie wusste, wie wichtig es mir war, einen Film zu machen, der mehr zeigt als ‚die Domin‘, wie man sie kannte.

Hilde Domin verstarb 2006 im Alter von 97 Jahren. Sie hat den fertigen Film nicht sehen können. Wie war Ihre letzte Begegnung?

 

Anna Ditges: Zwei Wochen vor ihrem Tod habe ich noch ein sehr intensives und schönes Wochenende mit ihr verbracht und ein paar wichtige Aufnahmen gemacht. Die allerletzten Bilder habe ich bei ihrer Beerdigung gedreht. Die Auseinandersetzung mit ihrem Tod war ein schmerzhafter Prozess – das wurde mir beim Schneiden des Films klar. Im Schnittraum ist sie für mich noch lange lebendig geblieben. Auch nach Monaten ist es mir noch schwergefallen, das Ende des Films zu schneiden, weil es darin um ihre Einsamkeit und den Tod geht.

Welche Wirkung wünschen Sie sich von Ihrem Film?

 

Anna Ditges: Um es mit Hildes Worten zu sagen: ‚Laternen anzünden in den Herzen am Wegrand‘. Es wäre wunderschön, wenn der Film dem ein oder anderen Zugang zu den Gedichten eröffnet. Vor allem aber hoffe ich, dass der Film den Zuschauern Hilde in ihrer Vielschichtigkeit und Einzigartigkeit nahebringt. Das wünsche ich mir, weil ich sie so sehr mochte und immer noch mag. Im Film wird deutlich, warum.

Karten gibt es ab sofort im Vorverkauf zum Preis von 32 Euro bei Dammann, Daruper Straße, 0 25 02/4 22, online sind sie erst ab dem 26. Februar unter www.kunst-kultur-nottuln.de erhältlich. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Gemeinde Nottuln statt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7260880?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker