Thema Alzheimer
„Mutter, möchtest du denn tot sein?“

Nottuln -

Es gab Momente zum Schmunzeln, und es gab Momente großer Betroffenheit. Das Theaterstück „Du bis meine Mutter“ fesselte das Publikum in Nottuln.

Donnerstag, 05.03.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 20:38 Uhr
Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter und verlieh beiden Charakteren große Glaubwürdigkeit.
Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter und verlieh beiden Charakteren große Glaubwürdigkeit. Foto: Iris Bergmann

Die Frau im roten Morgenmantel pustet die Kerze aus, steht vom Stuhl auf und geht. Die schwermütige Musik verstummt, die Bühne wird dunkel. Im Zuschauerraum – Stille. Erst als das Licht wieder angeht und die Schauspielerin auf die Bühne zurückkommt, brandet der Applaus auf. „Du bist meine Mutter“ heißt das Theaterstück, das die Krankheit Alzheimer thematisiert. Der Nottulner Teilhabebeirat und die Alzheimergesellschaft des Kreises Coesfeld hatten dazu am Mittwochabend ins Forum des Rupert-Neudeck-Gymnasiums eingeladen, und viele Zuschauer füllten die Stuhlreihen.

In dem Theaterstück von Joop Admiral besucht eine Tochter die an Alzheimer erkrankte Mutter im Pflegeheim. Faszinierend daran: Sowohl die 86 Jahre alte Mutter als auch die 59-jährige Tochter wurden von einer Schauspielerin verkörpert. Gisela Nohl vom D.a.S. Theater Köln schlüpfte in beide Rollen – und das ganz vorzüglich und sehr einfühlsam. Mal ist sie Tochter Hanna, die sich wie jeden Sonntag mit Schokoladenpudding und Kakao aufmacht, um die Mutter im Pflegeheim zu besuchen. Dort angekommen verwandelt sie sich in die Mutter, eine alte Frau. Verändert die Stimme und die Gestik, lässt die Hände zittern.

Spannender Theaterabend mit „Du bist meine Mutter“

1/8
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann
  • Schauspielerin Gisela Nohl verkörperte sehr einfühlsam mal die Tochter Hanna, mal die 86-jährige Mutter, und verlieh beiden Charakteren ihre Glaubwürdigkeit.

    Foto: Iris Bergmann

Die Dialoge zwischen Mutter und Tochter lösen im Publikum mal Lachen aus, wenn die Mutter jedes Kleidungsstück mit „Das ist aber hübsch“ kommentiert, mal herrscht Betroffenheit, wenn die Tochter fragt: „Mutter, möchtest du denn tot sein?“

Dazwischen erfährt der Zuschauer immer wieder Fragmente aus der Vergangenheit der beiden Frauen. Alltägliche Begebenheiten und kleine Anekdoten, an die sie sich gegenseitig erinnern. Dort hineingestreut blitzen nicht ausgelebte Gefühle der Mutter auf, die die Tochter indes nicht hinterfragen möchte, sondern ungeduldig davon ablenkt: „Magst du den Pudding nicht?“

Am Ende fällt die Mutter aus dem Bett, muss ins Krankenhaus. Sie ist jedoch nicht lebensgefährlich verletzt. „Das war eine Enttäuschung, es war nur das Hüftbein gebrochen“, erzählt die Tochter nüchtern, aber keineswegs lieblos. Und so sitzt sie wieder am Frühstückstisch, packt Schokopudding ein, pustet die Kerze aus, geht und lässt den Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück.

„Ich habe es sehr genossen, hier zu spielen“, erzählte Schauspielerin Gisela Nohl dem Publikum und verriet, dass auch ihre eigene Mutter an Alzheimer erkrankt war. Sicher trug auch das wesentlich dazu bei, dass die Schauspielerin beide Rollen so authentisch und sensibel ausfüllen konnte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7312784?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker