Bürgermeisterkandidat Dr. Dietmar Thönnes
Kampf gegen Corona statt Wahlkampf

Schapdetten -

Eigentlich wollte er als Bürgermeisterkandidat in diesem Frühjahr ganz viele Gespräche mit den Bürgern führen. Doch die Coronakrise hat auch Dr. Dietmar Thönnes zu einem Umdenken veranlasst.

Dienstag, 31.03.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 06:30 Uhr
Die Corona-Pandemie hat auch den Arbeitsalltag von Dr. Dietmar Thönnes am St.-Joseph-Hospital in Bochum stark verändert. Das Foto zeigt ihn in der neu errichteten Intensivstation.
Die Corona-Pandemie hat auch den Arbeitsalltag von Dr. Dietmar Thönnes am St.-Joseph-Hospital in Bochum stark verändert. Das Foto zeigt ihn in der neu errichteten Intensivstation. Foto: Dietmar Thönnes

Das Frühjahr hatte er sich anders vorgestellt, der Bürgermeisterkandidat von CDU , FDP und Grünen, Dr. Dietmar Thönnes . An Stelle von vielen Veranstaltungen, Besuchen und Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern verbringt er nun viel Zeit mit der Organisation von Ressourcen für das Katholische Klinikum in Bochum.

Das Büro von Dietmar Thönnes befindet sich im St.-Joseph-Hospital und ist Teil des Universitätsklinikums, das mit 1400 Betten und jährlich rund 50 000 stationären Patienten zu den großen Kliniken im Ruhrgebiet zählt. Sein Arbeitsalltag hat sich verändert, berichtet Thönnes. Neben der Organisation von Reinigung, Wäschemanagement, Speisenversorgung, Komfortstationen und Raumplanungen sind viele Tätigkeiten jetzt nur noch auf Abstand möglich. Manche Sitzungen finden online oder mit wenigen Beteiligten im großen Hörsaal und auf Abstand statt. Eine Herausforderung der letzten Tage war die Organisation von Schutzkleidung, erzählt Thönnes. Besonders dankbar ist er, dass er zwei Unternehmen überzeugen konnte, in die Produktion von Mund-Nasen-Schutz einzusteigen. Über 30 000 textile Schutzausrüstungen konnte er für die Kliniken bestellen. „Es hat nicht nur viel Überzeugungsarbeit gekostet, sondern die Sorge war groß, den Spezialstoff überhaupt noch kaufen zu können und dann über die Grenze zu bekommen. Inzwischen ist die Produktion angelaufen. Jetzt kamen die ersten Exemplare, die in der eigens aufgebauten Wäscherei aufbereitet und dann im Klinikverbund ausgeliefert werden können.“

Sein Blick in die Zukunft ist differenziert: „Wir werden die Krise nur dann in absehbarer Zeit hinter uns lassen, wenn wir diszipliniert die Kontakteinschränkungen so lange wie nötig beachten. In einem Krankenhaus ist das besonders schwierig und die Besuchsverbote werden auch hier als einschneidend empfunden.“

Thönnes ist Mitglied im Ethik-Komitee der Klinik und berichtet davon, wie intensiv das Ringen um eine Leitlinie für die Behandlung von Menschen in Zeiten knapper Ressourcen ist: „Wir haben lange diskutiert und uns Orientierung gesucht, was wir empfehlen, damit im äußersten Notfall Intensivbetten und Beatmungsgeräte gerecht und sinnvoll eingesetzt werden. Das war keine leichte Aufgabe und solche Themen lässt man nach Feierabend nicht am Arbeitsplatz. Gottlob konnten wir letzte Woche in dem noch nicht bezogenen Neubau einer Forschungseinrichtung auf dem Klinikgelände eine komplette Intensivstation mit elf Betten aufbauen.“

Besonders sorgt sich Thönnes aber um die Menschen in der Gemeinde Nottuln: „Ich hoffe, dass wir die Infektionen im Rahmen halten können.“ Oft leiden besonders Familien, die entweder Sorgen um ihre Zukunft haben oder Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen müssen. Aber auch ältere Menschen leiden unter den Einschränkungen. Schon jetzt ist außerdem erkennbar, dass es auch für Nottulner Unternehmen schwierig werde. „Nicht jede Firma verfügt über ausreichend liquide Mittel oder eine ausreichende Kreditlinie, um längere Zeit das Geschäft ruhen zu lassen – so wichtig und unumgänglich das im Moment ist. Ich hoffe sehr, dass die Finanzhilfen des Bundes und des Landes unbürokratisch und schnell helfen werden. Die Auswirkungen dieser Situation werden auch in den nächsten Jahren noch zu spüren sein“, vermutet Thönnes, „weil auch der kommunale Haushalt durch geringere Steuereinnahmen weniger Spielraum bieten wird.“ Und es geht es auch um Fragen des gesellschaftlichen Lebens, das sich nach der Pandemie erst wieder entwickeln muss. Das Leben „nach Corona“ werde sich verändern.

Seinen Wahlkampf lässt Thönnes deshalb gerne ruhen. „Jetzt ist es wichtig, das zu tun, was Menschen unmittelbar zu Gute kommt: am Arbeitsplatz in der Klinik und im ehrenamtlichen, sozialen Engagement in Nottuln.“

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