Paul Thiele (84) erinnert sich an das Räppeln in seiner Jugend
„Ganz oft gab es heiße Milch“

Nottuln -

Sie waren Messdiener. Zu Ostern wurde geräppelt. Manchmal haben sie auch dummes Zeugs gemacht. Dennoch: Paul Thiele (84) erinnert sich gerne an seine Messdienerzeit.

Freitag, 10.04.2020, 11:34 Uhr aktualisiert: 11.04.2020, 08:36 Uhr
Paul Thiele (84) erinnert sich gerne an seine Messdienerzeit und das alljährliche Räppeln zu Ostern.
Paul Thiele (84) erinnert sich gerne an seine Messdienerzeit und das alljährliche Räppeln zu Ostern. Foto: Ludger Warnke

Ostern ohne die Räppler in der Kirchengemeinde St. Martin – Paul Thiele stimmt das traurig. Der 84-jährige Nottulner war früher selbst aktiver Messdiener und Räppler. Und später baute er noch über viele Jahre regelmäßig neue Räppeln für die Messdiener.

Zusammen mit Werner Niemann und Winfried Knaup hat Thiele über die alten Messdienerzeiten gesprochen. Über das Räppeln in seiner Jugendzeit berichtet der Nottulner:

Wir waren damals so gut 60 Messdiener, nur Jungens. Etwa 40 durften mitgehen zum Räppeln. Es wurde an drei Tagen geräppelt, im Dorf alle drei Tage und in den Bauerschaften nur einmal.

Wir teilten den Ort in vier Bezirke auf. Start war um 8 Uhr. Dann war das ganze Dorf vom Räppellärm erfüllt. Alle wussten: Die Messdiener kommen! Da auch im Dorf alle Gärten und Hühner hatten, bekamen wir häufig nur Eier und manchmal etwas Geld. Oft wurde uns frische warme Milch angeboten. Es gab aber auch einige Stellen, da gab es etwas Süßes: selbst gemachte Bonbons. Ein tolles Rezept aus der Pfanne war damals: Gute Butter, Zucker und Sahne erhitzt, ergibt braune, leckere Karamellbonbons. Die gab es dann in Spitztüten aus Zeitungspapier in die Hand.

Die Gruppen für die Bauerschaften trafen sich bereits um 4.30 Uhr beim Kaplan zum Segen und Abgang. Obschon wir uns leise zu den Bauern schlichen, um diese nicht vorher zu wecken, standen sie oft schon längst mit ihren Petroleumlampen hinter den Tennentüren. Jeder Hof hatte zwei bis drei Hunde, die den Räppellärm unterstützten. So war rund um Nottuln Musik.

Leider müssen wir heute sagen, dass wir manchmal auch unsolide waren. Fast jeder hatte etwas Tabak, aus eigener Produktion der Eltern heimlich abgezweigt, in der Hosentasche. Der Tabak wurden dann, vermischt mit etwas trockenem Waldmeister, im Zeitungspapier verklebt zu Zigaretten. Einige von uns haben nie mehr danach geraucht!

Bei den Bauern und den Kötterlingen gab es oft heiße Milch, zu unserem Leidwesen mit dick Schmand drauf, aber auch Milch mit Knabbeln, ein Brot mit Griebenschmalz oder etwas ganz Besonders, eine Münsterländer Spezialität: „Fettsoppen“. Im Gasthof Waltering in Uphoven bekam jeder Struwen auf die Hand in Zeitungspapier.

Nach Ankunft am Mittag wurden die Eier zur Alten Kochschule gebracht. Je eine Lage Eier bekamen der Kaplan und der Dechant. Ein Großteil der Eier bekam das Krankenhaus. Aber auch wir wurden ausreichend versorgt. Um 14 Uhr gab es dann in der Alten Kochschule an der Kaplanei Rühreier mit Brot und Schwarzbrot.

Als Dank gab es im Mai eine Halbtagesfahrt für alle Messdiener mit dem Kaplan. Mit Jans Jägers Bus, damals noch mit Anhänger, ging es zum Teutoburger Wald oder nach Lavesum zum Tierpark.“ – Das alles liegt schon Jahrzehnte zurück, doch Paul Thiele (84) erinnert sich gerne an das Räppeln.

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