Pfarrgemeinde St. Martin
„Schutz des Lebens ist die erste Christenpflicht“

Nottuln -

Ab dem 1. Mai sind Gottesdienste wieder möglich. Auch kirchliche Feiern wie die Erstkommunion. Ob, wie und wann das aber in der Pfarrgemeinde St. Martin tatsächlich Wirklichkeit wird, sollen die Gespräche der nächsten Tage zeigen.

Samstag, 25.04.2020, 09:18 Uhr aktualisiert: 25.04.2020, 10:00 Uhr
Dechant Norbert Caßens St. Martin Nottuln
Dechant Norbert Caßens St. Martin Nottuln Foto: Frank Vogel

Die Landesregierung lässt ab dem 1. Mai die Feier von Gottesdiensten mit Beteiligung von Gläubigen wieder zu. Aber die Sicherheitsstandards sind einzuhalten. Die Gesundheit der Menschen muss geschützt werden. Wie bringt man das zusammen? Wie soll man vor Ort mit dieser Lockerungsmaßnahme umgehen? Keine leichten Fragen, wie Pfarrdechant Norbert Caßens im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Und deshalb wird es in der kommenden Woche in der Pfarrgemeinde St. Martin mehrere Sitzungen geben, in denen genau geschaut wird, was in Nottuln und den anderen Ortsteilen wann und wie möglich ist.

Konkret: Am Dienstag gibt es ein Treffen mit den Küsterinnen und den Sicherheitsbeauftragten der Ortsteile. Unter welchen Bedingungen können Kirchen, Büchereien, Pfarrbüros und Trauerhallen wieder geöffnet werden? „Die Sicherheit muss dabei höchste Priorität haben“, sagt der Pfarrdechant.

Am Mittwoch trifft sich der Krisenstab der Pfarrgemeinde und bespricht die Ergebnisse und Hinweise aus dem Dienstagsgespräch. „Es ist möglich, aber nicht zwingend, dass wir am 1. Mai alles wieder hochfahren“, sagt Norbert Caßens. Man müsse schauen, wann was in der Gemeinde Nottuln sinnvoll und leistbar ist. Klar, der Entscheidungsdruck sei inzwischen hoch, Erstkommunion, Firmung, Taufen, Hochzeiten – Anfragen, was wann stattfinden kann, gibt es reichlich. „Es herrscht eine riesige Unsicherheit.“

Das gilt auch für die drei Ferienlager. Mit den Leitungen gibt es ein Treffen am Donnerstag. Unabhängig von einer Entscheidung über die Durchführung haben die Leitungen eine Abfrage gestartet, wer sein Kind überhaupt unter den gegebenen Umständen mitschicken möchte. Ein anderes Problem sind die Betreuer. Die, die studieren, haben möglicherweise wegen der verschobenen Semester keine Zeit mehr, mitzufahren. Man sieht, es gibt ganz viel Klärungsbedarf.

Der Pfarrdechant selbst hat – wie er es formuliert – eine „ambivalente Haltung“ zur Frage der Lockerung bei den Gottesdiensten. „Mit den Menschen gemeinsam Gottesdienst zu feiern, darauf freue ich mich sehr.“ Aber er ärgere sich darüber, dass die Bischöfe die Ministerpräsidenten an die Religionsfreiheit erinnert haben. „Das finde ich anmaßend. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sind teilweise überzeugte Christen, die muss man darauf nicht hinweisen. Der Lebensschutz ist die erste Christenpflicht, das geht vor der Religionsfreiheit.“

Er habe sich den Wiedereinstieg auch gewünscht, aber vorsichtiger vorgestellt. „Warum müssen es gleich Kommunionen sein? Warum fangen wir nicht erst einmal mit Wortgottesdiensten an, sehen, wie es geht und erweitern dann das Angebot?“, fragt er sich. Wenn es zu schnell wieder losgehe, dann – da sei er bei Kanzlerin Angela Merkel – „leisten wir einem zweiten Shutdown Vorschub“. Und noch ein Gedanke ist Caßens wichtig: „Wenn der kleine Cafébetreiber nicht einmal draußen seine Tische aufstellen darf, warum sollen wir dann Gottesdienste feiern dürfen? Das ist auch eine Frage der Solidarität.“

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