FI erinnert an Tschernobyl
Heute brennen die Wälder

Nottuln -

Vor 34 Jahren gab es in Tschernobyl den Super-GAU. Heute brennt es in dem Gebiet. Die Friedensinitiative Nottuln erinnert an die Katastrophe und warnt vor einer neuen.

Sonntag, 26.04.2020, 06:20 Uhr
So war es 1992: Ein Miliz-Begleiter maß ständig die radioaktive Strahlung. Im Bild auch Ulla Hülsbusch (2.v.l.).
So war es 1992: Ein Miliz-Begleiter maß ständig die radioaktive Strahlung. Im Bild auch Ulla Hülsbusch (2.v.l.). Foto: WN-Archiv/FI Nottuln

Am heutigen Sonntag (26. April) jährt sich die Havarie des Atomkraftwerkes Tschernobyl zum 34. Mal. Darauf macht die Friedensinitiative Nottuln (FI) in einer Pressemitteilung aufmerksam. Die Atomkatastrophe hatte damals noch nie gekannte Auswirkungen. Der Super-GAU von Tschernobyl brachte Hunderttausenden den Tod durch Krebs und andere Erkrankungen, Fehl- und Totgeburten. Allein von den 800 000 Aufräumarbeitern (Liquidatoren) sind mehr als 125 000 gestorben; fast alle noch lebenden Liquidatoren sind krank, weiß die FI zu berichten.

„Was jetzt in Tschernobyl passierte, kann morgen in anderer Form überall auf der Welt passieren“, mahnte kurz nach der Katastrophe auf einer FI-Veranstaltung zu den Auswirkungen des Unglücks auf das Münsterland Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein , damals Leiter des Instituts für Strahlenbiologie an der Universität Münster. 25 Jahre später kam es zur Kernschmelze in Fukushima, Japan.

1992 waren vier Mitglieder der FI Nottuln ganz in der Nähe des havarierten Reaktors. Gabriele Mense-Viehoff , Jürgen Hilgers-Silberberg und Ulla und Robert Hülsbusch waren damals nach Minsk eingeladen worden, um die Ferienfreizeiten von Tschernobyl-Kindern in Nottuln vorzubereiten. Im Rahmen dieser Reise besuchten sie auch zwei Tage das Dorf Narowlja, das unmittelbar an der gesperrten „Zone“ liegt. Die WN berichtete von diesem Besuch: „Einen Einblick in das, was die Atomenergie zu zerstören in der Lage ist, erhielten die Nottulner am letzten Tag ihres Besuches in Narowlja. Ihr Begleiter führte sie in die Sperrzone, die 30 Kilometer rund um den zerstörten Reaktor errichtet wurde. Ein Bild des Schreckens bot sich den Besuchern: zerstörte Natur, verlassene Dörfer, mit Brettern zugenagelte Häuser, erste Anzeichen des Verfalls, eine Atmosphäre, die an Unheimlichkeit ihresgleichen sucht.“

Und im Dorf waren es gerade die Kinder, die an den Folgen des Unglücks litten: Schilddrüsenerkrankungen, Immunstörungen, Krebs. Auch heute – 34 Jahre nach dem GAU – haben die Menschen in der Region noch mit den Folgen zu kämpfen, so die FI.

Und nun brennen die Wälder um Tschernobyl. Die Bewohner der Region und auch der Metropole Kiew leiden unter Qualm und hohen Cäsium-Werten. Und wenn die Wälder in der „Zone“ brennen, dann befürchten Gabriele Mense-Viehoff, Jürgen Hilgers-Silberberg und Ulla und Robert Hülsbusch das Schlimmste. „Radioaktive Partikel werden vom Boden durch die Flammen in die Luft geschleudert und vom Wind verweht. Und jede Dosis von Radioaktivität ist für den menschlichen Körper schädlich, haben wir von Prof. Dr. Köhnlein gelernt“, sorgen sich die FI-Mitglieder. Und wieder – wie 1986 – komme von den Behörden: Alles sei in Ordnung. Es gäbe keine Gefahr. Dem trauen die FI-Mitglieder nicht.

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