Gedanken zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren
„Erinnerung, Versöhnung, Frieden“

Nottuln -

Die Versöhnungskapelle an der Pfarrkirche St. Martinus hat eine neue Funktion bekommen: „Erinnerung, Versöhnung, Frieden“. Daran erinnerten jetzt Pfarrdechant Norbert Caßens und Robert Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln anlässlich eines besonderen Datums.

Freitag, 08.05.2020, 10:07 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 11:00 Uhr
In der Versöhnungskapelle, die für jeden begehbar ist, sind neue Inschriften auf die Wände aufgebracht worden. Im nahe gelegenen Café am Stiftsplatz kann man sich während der normalen Öffnungszeiten den Schlüssel für die Kapelle bei Stiftscafé-Inhaber Holger Klein (l.) abholen. Auch darüber freuen sich Pfarrdechant Norbert Caßens (M.) und Robert Hülsbusch.
In der Versöhnungskapelle, die für jeden begehbar ist, sind neue Inschriften auf die Wände aufgebracht worden. Im nahe gelegenen Café am Stiftsplatz kann man sich während der normalen Öffnungszeiten den Schlüssel für die Kapelle bei Stiftscafé-Inhaber Holger Klein (l.) abholen. Auch darüber freuen sich Pfarrdechant Norbert Caßens (M.) und Robert Hülsbusch. Foto: Frank Vogel

Am Freitag (8. Mai) jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Aus diesem Grund trafen sich Pfarrdechant Norbert Caßens und Robert Hülsbusch von der Friedensinitiative Nottuln (FI) in der Versöhnungskapelle an der Pfarrkirche St. Martinus.

In den vergangenen Wochen haben sich beide Gedanken über diese Kapelle gemacht. Lange war die Kapelle für die Allgemeinheit geschlossen. Zudem waren die Inschriften nicht mehr erkennbar. Beides wurde nun geändert. Neue Inschriften wurden auf die Wände aufgebracht. Zudem ist die Kapelle für jede Bürgerin und jeden Bürger sowie für Touristen begehbar.

Im nahe gelegenen Café am Stiftsplatz kann man sich während der normalen Öffnungszeiten den Schlüssel für die Kapelle ausleihen. Die Inhaber des Café, Katrin und Holger Klein, haben die Aufgabe des „Schlüsseldienstes“ gerne übernommen.

Und so bekommt die kleine Kapelle eine neue Aufgabe. Sie mahnt für „Erinnerung, Versöhnung und Frieden“ und das in einer ganz besonderen Weise.

2008 wurde dafür der Grundstein gelegt. Die Friedensinitiative Nottuln hatte den Antrag gestellt, dass auch in Nottuln dem „Unbekannten Deserteur“ ein Denkmal errichtet wird. Die breite Diskussion darüber mündete in den Vorschlag des damaligen Pfarrdechants Bernhard Tietmeyer, doch die Kapelle an der Katholischen Kirche, die bis dahin als „Kriegergedächtnis-Kapelle“ diente, zu überplanen. Intensive Gespräche fanden zwischen der Katholischen Kirchengemeinde, der Kameradschaft Ehemaliger Soldaten und der Friedensinitiative statt.

Das Ergebnis ist die heutige Kapelle: Statt der dunklen Türen mit dem Eisernen Kreuz laden nun helle, mit durchsichtigem Glas besetzte Türen in die Kapelle ein. Der Schriftzug, in diese Glastüren eingraviert, verrät die neue Funktion der Kapelle: „Erinnerung, Versöhnung, Frieden“.

Und auch im Innern der Kapelle wurde „aufgeräumt“. Die wichtigste Neuerung: Der in Stein gemeißelte Spruch „Die Heimat neigt sich in Ehrfurcht, Treue und Dankbarkeit vor der Größe Eures Opfers!“ wurde entfernt. Nun sind zwei kurze Texte auf die weißen Wände der Kapelle aufgebracht: „Wir gedenken aller im Krieg Vermissten und Getöteten aus Nottuln.“ Und: „Wir gedenken aller, die durch ihr Nein zum Krieg gelitten haben und leiden.“

An der rechten Seite liegt weiter das Buch mit den Namen der getöteten Soldaten aus Nottuln. Links gegenüber ist nun eine „Mitmach“-Wand. Ein Zitat aus dem Evangelium nach Lukas dient als Überschrift und Motto: „…unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens“ (Lk 1,79). Dort haben Besucher der Kapelle schon einige Notizen in diesem Sinne angepinnt. Auch Menschen, die aus der Armee desertierten.

„Frieden braucht Versöhnung und Versöhnung ist ohne Erinnerung nicht möglich!“ Mit diesen Worten eröffnete 2009 der damalige Pfarrdechant Bernhard Tietmeyer die neu gestaltete Kapelle. In diesem Sinne wollen Pfarrdechant Norbert Caßens und Robert Hülsbusch ihr Engagement für diese Kapelle verstanden wissen: „Am 8. Mai denken wir an die Millionen Opfer, die der Krieg forderte: Kinder und Alte, Männer und Frauen, Soldaten und Zivilisten. Auch viele Menschen aus Nottuln verloren ihr Leben. Und wir denken an die vielen Menschen in ganz Europa, in der ganzen Welt, die in dem durch Deutschland entfachten Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen.“

Und natürlich blicken beide auch sorgenvoll in die Gegenwart und in die Zukunft: „Wir denken auch an die vielen großen und kleinen Kriege in der heutigen Zeit. Auch heute leiden Menschen – wie damals. Auch heute werden Menschen traumatisiert. Und wieder gehen 80 Jahre und mehr ins Land – und immer noch setzt sich das Leid fort. Wann wird man je verstehen?“

Der ganze Text „Gedanken zum 8. Mai 2020“ ist online auf www.wn.de zu lesen und kann unter info@fi-nottuln.de angefordert werden.

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