Politik für die Öffnung des Wellenbades
Pandemieplan der Gemeindewerke überzeugt

Nottuln -

Das Wellenfreibad wird „frühestens am 30. Mai“ für die Sommersaison geöffnet. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss in einem Dringlichkeitsbeschluss mit breiter Mehrheit (drei Gegenstimmen von der UBG, eine Enthaltung von der ÖLiN) entschieden.

Freitag, 15.05.2020, 18:55 Uhr aktualisiert: 17.05.2020, 11:58 Uhr
Die Gemeindepolitik stimmte mit breiter Mehrheit für die Öffnung des Wellenfreibades. Für das Betriebskonzept in Corona-Zeiten erhielten die Gemeindewerke großes Lob.
Die Gemeindepolitik stimmte mit breiter Mehrheit für die Öffnung des Wellenfreibades. Für das Betriebskonzept in Corona-Zeiten erhielten die Gemeindewerke großes Lob. Foto: Johannes Oetz

Der Verlust, der sich nach dem gemeinsamen Jahresabschluss von Wasserwerk und Energieversorgung/Bäder ergeben könnte, wird durch den Gemeindehaushalt ausgeglichen.

Beifall gab es von den Mitgliedern des Ausschusses für Werkeleiter Peter Scheunemann . Der hatte in einer ausführlichen Beschlussvorlage das Für und Wider einer Öffnung des Wellenfreibades dargestellt sowie – in Absprache mit dem Bundesfachverband öffentliche Bäder und dem Gesundheitsamt des Kreises – einen Pandemieplan zur praktischen Umsetzung der Öffnung präsentiert.

Als Gesichtspunkte für eine Entscheidung führte Scheunemann unter anderem auf, dass es „rein betriebswirtschaftlich gesehen die sinnvollste Lösung ist“, die Freibadsaison ausfallen zu lassen. Nach den Berechnungen der Gemeindewerke müsse man, wenn das Bad unter Coronabedingungen – begrenzte Besucherzahl etc. – von einer Mehrbelastung von 80 000 bis 100 000 Euro ausgehen, auch wenn man das heute noch nicht genau beziffern könnte.

„Wir müssen uns, wenn wir das Bad öffnen, in der nächsten Zeit täglich auf neue Situationen einstellen und auf die Verordnungen von Land und Kreis reagieren“, erklärte Scheunemann. Vorübergehende Unterbrechungen oder die dauerhafte Schließung könnten jederzeit möglich sein. Hinzu komme, dass die Gäste erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen: Es gibt keinen Wellenbetrieb, keine warmen Duschen, keine Sammelumkleiden, keinen Anspruch auf Einlass bei Erreichen der maximalen Besucherzahl – auch nicht für Dauerkartenbesitzer.

Auf der anderen Seite seien die Bäder rein wirtschaftlich betrachtet immer ein Minusgeschäft (das nur deshalb auskömmlich zu betreiben ist, weil die Gewinne des Wasserwerkes mit den Verlusten der Bäder verrechnet werden). Und das Nottulner Bad sei einfach ein Publikumsmagnet. Vor allem die DLRG-Ortsgruppe erwähnte Scheunemann, die die Bäder seit vielen Jahren treu unterstützt: „Ohne unsere DLRG würden wir nicht auskommen.“ Ohne die Bäder sei aber auch deren Vereinstätigkeit nicht möglich.

Zusammengefasst meinte Scheunemann, dass man den Pandemieplan so gut wie möglich umsetzen werde, aber eine vollständige Sicherheit nicht gegeben werden könne. „Wir bewegen uns ein Stück weit im epidemischen Ungewissen.“

Brigitte Kleinschmidt ( UBG ) hatte große Bedenken, dass bei einer Begrenzung der Besucherzahlen sich Schlangen vor den Toren bilden, in denen sich die Stimmung aufheizen könnte und ein Sicherheitsdienst notwendig würde. Und wenn es zu Schwierigkeiten oder Erkrankungen komme, sei die Gemeinde rechtlich verantwortlich. Bei allem Verständnis für die Bevölkerung, die sich auf das Bad freue, so Brigitte Kleinschmidt: „Das ist ein Risiko ersten Ranges. Ich bin absolut gegen eine Öffnung.“

„Wenn das Bad nicht öffnet, wäre das verdammt bitter für die Familien“, fand Dr. Susanne Diekmann (Grüne). Bei allen Bedenken wolle sie den Familien das Freibad nicht verwehren, erklärte auch Claudia Jürgens (SPD). Man könne, um die Besucherströme zu lenken, vielleicht begrenzte Besucherzeiten anbieten, vormittags und nachmittags öffnen, in der Pause das Bad reinigen.

Die Gemeindeverwaltung sah natürlich auch das Angebot für die Familien, hatte aber, so Beigeordnete Doris Block, „große Bauchschmerzen“. „Wenn der Betrieb nicht vernünftig funktioniert, können wir jederzeit schließen, und das werden wir auch tun“, erklärte Bürgermeisterin Manuela Mahnke.

Georg Schulze Bisping (CDU) konnte einer Öffnung unter diesen Umständen dann auch guten Gewissens zustimmen. Die meisten anderen Ausschussmitglieder auch.

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