Lesung aus Büchern von „Verbrannten Autoren“
„Wir müssen wachsam sein“

Nottuln -

„Nie wieder Bücherverbrennung! Nie wieder Krieg!“ Unter diesem Motto hat die Friedensinitiative eine Online-Lesung durchgeführt und damit an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren erinnert.

Dienstag, 16.06.2020, 17:29 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 18:32 Uhr
Aus Berlin zugeschaltet war der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann mit einem Text von Erich Kästner. In den kleinen Fotos Jürgen Hilgers-Silberberg und Robert Hülsbusch, die als Moderator und Techniker durch die virtuelle Lesung führten.
Aus Berlin zugeschaltet war der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann mit einem Text von Erich Kästner. In den kleinen Fotos Jürgen Hilgers-Silberberg und Robert Hülsbusch, die als Moderator und Techniker durch die virtuelle Lesung führten. Foto: FI Nottuln

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschienen am Montagabend im virtuellen Raum der Friedensinitiative Nottuln (FI), die zu einer Online-Lesung eingeladen hatte. Mit der Lesung unter dem Motto: „Nie wieder Bücherverbrennung! Nie wieder Krieg!“ wollte die FI auch in schwierigen Zeiten an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren erinnern.

16 Bürgerinnen und Bürger hatten sich bereit erklärt, Texte von Autoren zu vorzulesen, deren Bücher am 10. Mai 1933 im Rahmen der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten verbrannt wurden. Mit dabei auch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (mit einem Text von Kurt Tucholsky ), die stellvertretende Schulleiterin des Rupert-Neudeck-Gymnasiums Jutta Glanemann (Anna Seghers) und Pfarrerin Regine Vogtmann (Stefan Zweig).

Aus Berlin wurde der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann mit einem Text von Erich Kästner zugeschaltet, aus Polen meldete sich das Pastorenehepaar Stübecke, das dort zurzeit sein Sohn Manuel besucht. Ingrid und Manfred Stü­becke lasen zwei Texte von Mascha Kaléko.

Und aus Süddeutschland schickte Dr. Angelica Schwall-Düren, lange Zeit Bundestagsabgeordnete für den hiesigen Wahlkreis, ein Video mit einem Textvortrag von Irmgard Keun.

In den Pausen sang Sabine Terhaar (Münster) Liedtexte von Kurt Tucholsky.

„Der Zweite Weltkrieg begann nicht am 1.9.1939. Der eigentliche Beginn ist mit dem 30. Januar 1933 markiert, als das Hitlerregime in Deutschland die Macht übernahm, als Hitler die Macht übergeben wurde“, warf Robert Hülsbusch am Anfang der Lesung einen Blick zurück. Innerhalb von ein paar Monaten seien alle demokratischen Strukturen zerschlagen worden. Eine grausame Diktatur wurde errichtet – innerhalb kürzester Zeit. Hülsbusch: „Diese Diktatur führte direkt in den Krieg, an dessen Ende Europa in Schutt und Asche lag. Ein Schritt dieses Wegs in die Diktatur war die Bücherverbrennung.“

Jürgen Hilgers-Silberberg führte als Moderator durch den Abend. Er drückte zum Schluss seine Hoffnung aus: „Es war ein guter Abend, der nachklingen möge. Bücherverbrennung, Ausgrenzung, Gewalt und Krieg – das darf nie wieder passieren. Da müssen wir alle wachsam sein!“ Und so schlossen zwei „verbrannte“ Dichter den Abend. Bertold Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“ Und Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

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