Politik beschließt Erarbeitung eines „Nahmobilitätsplanes“
Einstieg in die Verkehrswende?

Nottuln -

Die Ökologische Liste in Nottuln ist mit ihrem Antrag, einen Nahmobilitätsplan zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs zu erarbeiten, auf einmütige Zustimmung gestoßen. Ist das der Einstieg in eine Verkehrswende?

Dienstag, 16.06.2020, 19:00 Uhr
Momentaufnahme aus Mai 2009: Lkw und Pkw knubbeln sich in der Nottulner Ortsdurchfahrt. Auch heute bestimmen vor allem Pkw das Straßenbild in Nottuln. Die Politik hat sich nun für die Erarbeitung eines „Nahmobilitätsplanes“ ausgesprochen, um den Rad- und Fußverkehr zu fördern.
Momentaufnahme aus Mai 2009: Lkw und Pkw knubbeln sich in der Nottulner Ortsdurchfahrt. Auch heute bestimmen vor allem Pkw das Straßenbild in Nottuln. Die Politik hat sich nun für die Erarbeitung eines „Nahmobilitätsplanes“ ausgesprochen, um den Rad- und Fußverkehr zu fördern. Foto: Ludger Warnke

Ist das die Wende in der Nottulner Verkehrspolitik? Wird künftig mehr im Interesse der Radfahrer und Fußgänger geplant und weniger im Sinne der Autofahrer? Der jüngste verkehrspolitische Beschluss des Ausschusses für Gemeindeentwicklung geht in diese Richtung und ist zugleich ein Erfolg für die Ökologische Liste in Nottuln (ÖLiN). Bei der Beratung über das Thema „Verkehrsentwicklung im Ortsteil Nottuln und Aktualisierung des Verkehrsmodells“ stieß ein vom ÖLiN-Fraktionsvorsitzenden Stephan Hofacker vorgebrachter Antrag auf einmütige Zustimmung.

Danach soll für den Ortsteil Nottuln im Sinne einer nachhaltigen Veränderung der innerörtlichen Mobilität ein „Nahmobilitätsplan“ entwickelt werden. Dieser Plan soll Maßnahmen enthalten, „die den sicheren Rad- und Fußverkehr gewährleisten und zur Entlastung des Gesamtverkehrsaufkommens geeignet sind, den motorisierten Individualverkehr auf den Rad- und Fußverkehr zu verlagern. Dabei sind auch restriktive Maßnahmen zur Beeinflussung des Durchgangsverkehrs insbesondere in den Wohngebieten zu prüfen.“

Ausgangspunkt der Diskussion im Ausschuss waren die Ergebnisse der im vergangenen Herbst an 17 Knotenpunkten im Ortsteil Nottuln durchgeführten Verkehrszählung (wir berichteten). Dipl.-Ing Jörn Janssen vom Büro SHP Ingenieure aus Hannover stellte die Ergebnisse vor, nicht nur für die realen Messpunkte, sondern auch daraus errechnete Verkehrsbelastungen für andere Straßen. Diese rechnerisch ermittelten Werte weisen allerdings eine Toleranz von plus-minus 10 Prozent auf, wie Janssen erläuterte.

Interessant für den Ausschuss waren die Vergleiche des Ist-Zustands 2019 mit der aus 2009 stammenden Verkehrsprognose 2025 und der Vergleich des Ist-Zustandes 2019 mit dem Ist-Zustand 2009.

Im Vergleich zur seinerzeitigen Prognose wird die Umgehungsstraße weniger stark in Anspruch genommen, die Verkehrsbelastung im Bereich östlich der Ortsdurchfahrt und der Dülmener Straße ist höher als erwartet, dafür ist die Verkehrsbelastung westlich der Ortsdurchfahrt geringer als in der Prognose vorhergesagt.

Vergleich man allerdings die Ist-Zustände der Jahre 2009 und 2019, ergibt sich nach Aussage des Gutachters eine im Durchschnitt 50-prozentige Verkehrsentlastung durch die Ortsumgehung. Von dieser Entlastung profitiert der Bereich östlich der Ortsdurchfahrt, während im Bereich westlich der Ortsdurchfahrt eine gestiegene Verkehrsbelastung gemessen wurde. Schlussfolgerung des Gutachters: Das Entlastungspotenzial der Ortsumgehung ist noch nicht ausgeschöpft. Eine gezielte Umgestaltung der alten Ortsdurchfahrt wäre hilfreich.

Die unterschiedlichen Vergleiche boten natürlich Raum für unterschiedliche Interpretationen. Während nach Einschätzung der UBG der Entlastungseffekt der Umgehungsstraße weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, sprach die SPD hingegen von einer Erfolgsgeschichte.

Stephan Hofacker, Fraktionsvorsitzender der Ökologischen Liste Nottuln, die ja bekanntlich in der Gruppierung „Klimaliste Nottuln“ aufgeht, warb intensiv dafür, nach dem 2019 beschlossenen „Klimaaufbruch“ nun eine Verkehrswende einzuleiten. Es gelte, den Autoverkehr nachrangig zu betrachten und dafür den Fuß- und Radverkehr zu fördern. Michael Küper (Klimaliste Nottuln) sprach von der Notwendigkeit eines „Paradigmenwechsels“.

Zustimmung zum Antrag der ÖLiN kam von den anderen Fraktionen und von der Verwaltung. Vorbehaltlich der Zustimmung des Rates, der am 26. Juni die endgültige Entscheidung treffen soll, ist nun die Verwaltung an der Reihe, einen Nahmobilitätsplan zu entwickeln. Damit wird sich dann der neue Gemeinderat befassen.

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