Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl
„Das war lebendige Demokratie“

Nottuln -

Es war eine rund zweieinhalbstündige Veranstaltung, aber sie hat sich gelohnt: Die Podiumsdiskussion der Kaufmannschaft zur Bürgermeisterwahl.

Donnerstag, 20.08.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 21.08.2020, 15:40 Uhr
Vor dem Beginn der Podiumsdiskussion in der Alten Amtmannei stellten sich zum Gruppenbild auf (v.l.): Bürgermeisterkandidat Dr. Dietmar Thönnes, Politikwissenschaftler Prof. Klaus Schubert, Bürgermeisterin und Kandidatin Manuela Mahnke, Kaufmannschaftsvorsitzender Gerri Wallace, Moderator Philipp Böckmann und Kandidat Hubert Maas.
Vor dem Beginn der Podiumsdiskussion in der Alten Amtmannei stellten sich zum Gruppenbild auf (v.l.): Bürgermeisterkandidat Dr. Dietmar Thönnes, Politikwissenschaftler Prof. Klaus Schubert, Bürgermeisterin und Kandidatin Manuela Mahnke, Kaufmannschaftsvorsitzender Gerri Wallace, Moderator Philipp Böckmann und Kandidat Hubert Maas. Foto: Frank Vogel

„Das war eine ganz großartige Veranstaltung, ein Beispiel, wie lebendige Demokratie stattzufinden hat.“ Durchaus auch hart in der Sache, aber zivilisiert im Umgang miteinander. Prof. Klaus Schubert, Politikwissenschaftler von der Uni Münster, war voll des Lobes für die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl, zu der die Kaufmannschaft Nottuln am Mittwoch in die Alte Amtmannei eingeladen hatte. Schubert, der als Experte von außerhalb mit auf dem Podium saß, freute sich, dass das Publikum einen guten Eindruck von den Ideen und Charakteren der drei Kandidaten Manuela Mahnke , Dr. Dietmar Thönnes und Hubert Maas bekommen habe.

Und dieses Publikum war groß: 50 Menschen im Saal und im Durchschnitt 365 User, die die Diskussion im Livestream verfolgten, berichtete Moderator Philipp Böckmann. (Das Video ist über einen Link auf www.kaufmannschaft-nottuln.de weiter abrufbar).

Die Diskussion ging lebhaft hin und her. Ein Beispiel war die Gemeindeentwicklung. Hubert Maas kritisierte, es sei zu wenig passiert, sonst hätte man im Ortskern keine Leerstände. Das müsste die Gemeinde ändern. Bürgermeisterin Manuela Mahnke erklärte, dass es sich um private Häuser handle, die Gemeinde zu vermitteln versuche, das aber nicht einfach sei, gerade der Einzelhandel habe heute andere Anforderungen an die Ladenlokale. Auch Dietmar Thönnes sah, dass die Aufgabe nicht schnell zu erledigen sei, ihm schwebe aber ein großes Konzept für Gewerbe und Wohnen vor. Für den Ortskern könne er sich vorstellen, sich an anderen Orten etwa in den Niederlanden zu orientieren, wo es Kreativwirtschaft, Handwerkermärkte und Ähnliches gebe. Für ein weiteres Gewerbegebiet am Beisenbusch oder entlang der Bundesstraße strebe er ein qualitatives Ansiedlungskonzept vor, bei dem etwa Arbeitsplätze, Flächenversiegelung und Vernetzung Auswahlkriterien sein sollten.

Manuela Mahnke betonte, dass die Gemeinde immer schon bemüht sei, Flächen zu bekommen, dass es auch einzelne Flächen zu kaufen gebe, allerdings der aktuelle Regionalplan enge Grenzen ziehe. Man hoffe auf den anstehenden neuen Plan. Schon vor Corona habe man begonnen, eine Gesamtwirtschaftsstrategie zu entwickeln, zu der auch das Thema Gewerbeflächen gehöre.

Dass die Grundstückspreise zu hoch seien in Nottuln, kritisierte Hubert Maas. Im Baugebiet „Nottuln Nord“ seien dies private Grundstücke gewesen, also nicht Sache der Gemeinde, erklärte Manuela Mahnke. Man müsse einen Investor reinholen, der dann auch geförderten Wohnraum schaffen kann, erwiderte Maas, er kenne solche Beispiele aus anderen Gemeinden. Auch mit diesem Geschäftsmodell könne ein Investor Geld verdienen.

Dietmar Thönnes sprach sich für die Entwicklung von Wohnraum durch die GIG (Gewerbe- und Industrieförderungsgesellschaft) der Gemeinde aus, auch Joint Ventures mit den Banken, statt diesen das Gebiet allein zu überlassen, seien Möglichkeiten, auch geförderten Wohnraum zu schaffen.

Sie stehe ebenfalls für sozialen Wohnungsbau, betonte die SPD-Politikerin Manuela Mahnke, man habe diesbezüglich auch Anläufe genommen. Es gebe allerdings in einem Fall Widerstände aus der Bürgerschaft. Und beim Versuch mit einem Investor hätten nicht alle Parteien mitgezogen. Jetzt habe man mit NRW.Urban einen Partner gefunden, um ein kleines Projekt zu entwickeln. Eine Wohnungsbaugesellschaft sei für eine so kleine Verwaltung wie Nottuln nicht zu stemmen.

In anderen Gemeinden gehe mehr, meinte Dietmar Thönnes, wohl aufgrund einer weitsichtigeren Planung. Er sei konkret mit Investoren und Flächeneigentümern im Gespräch, erklärte Hubert Maas.

Politikwissenschaftler Klaus Schubert bestätigte als Fachmann, dass es in der hiesigen Kulturlandschaft tatsächlich keine Flächen gebe, die man „mal eben kaufen und erschließen könnte“. Außerdem sei ein massiver Wettbewerb zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Interessenten im Gange. An Hubert Maas gewandt erklärte er, dass für eine Bürgermeister und einen Privatmann unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Das dürfe man auch nicht vermengen. Nein, er sei nur moderierend tätig, erklärte Maas.

Beim Thema Schule und Kitas erklärte Maas, müsse man die Diskussion um die Drei- oder Vierzügigkeit der Sekundarschule wieder aufmachen, mit dem Bistum verhandeln. Manuela Mahnke verwies darauf, dass man in den vergangenen Jahren 150 Kita-Plätzen dort geschaffen habe, wo der Bedarf ist, dass die Daruper Schule zukunftsfähig gemacht werde und dass umfängliche Bautätigkeiten für Sekundarschule und Gymnasium geplant sind. Dietmar Thönnes war derselben Ansicht, Kitas und Schulen zu schaffen und zu erhalten, da wo die Kinder sind. „Man muss das Thema größer denken im Sinne, dass jedes Kind bekommt, was es braucht.“

Kritische Anmerkungen gab es aus dem Publikum. Unter anderem wurde Manuela Mahnke vorgehalten, Kultur und Tourismus zu vernachlässigen, dass Nottuln etwa nicht in aktuellen Radwanderführern auftauche. Ihre Arbeit bestehe nicht nur aus Kultur, sei viel facettenreicher, erwiderte Mahnke. Und was Radwege angehe, so sei beispielsweise der Steverradweg gerade gebaut worden. Dietmar Thönnes erklärte, dass Kultur seine Leidenschaft und für Nottuln profilgebend sei. „Und damit kann man auch Geld verdienen.“ Für Raunen im Publikum sorgte Hubert Maas, der sich Street Art im Ort – Potthof, Mauritzstraße, Stiftsplatz – vorstellen konnte.

Bei ihrem Schlussstatement erklärten die Kandidaten kurz, warum man sie wählen sollte. Manuela Mahnke warf Kontinuität in die Waagschale, sie sei eine Bürgermeisterin zum Anfassen und der klaren Worte, man bekomme bei ihr keine Tagträumereien. Dietmar Thönnes nannte 18 Jahre Verwaltungserfahrung, er lebe seit 20 Jahren in Schapdetten, wo er auch bleiben wolle, habe viel Kraft und Durchhaltevermögen, Sensibilität und Moderationsgeschickt. Hubert Maas erklärte, er sei ein Mann aus den Baumbergen, bringe wirtschaftliche Erfahrung mit und stoße jetzt schon große Projekte an.

Nottuln hat die Wahl.

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