Parkinson-Forum
„Gelungene Premiere“

Nottuln -

Corona – und die Referenten können nicht persönlich kommen: Kein Problem für das Parkinson-Forum Kreis Steinfurt. Die Referenten werden einfach online zugeschaltet.

Mittwoch, 14.10.2020, 07:56 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 17:24 Uhr
„Wieso sehe ich Doppelbilder“, fragte Willi Jürgens aus Emsdetten den virtuell zugeschalteten Neurologen Prof. Warnecke.
„Wieso sehe ich Doppelbilder“, fragte Willi Jürgens aus Emsdetten den virtuell zugeschalteten Neurologen Prof. Warnecke. Foto: Rainer Schwarz

„Natürlich hätten wir Prof. Dr. Tobias War­necke und seinen Kollegen Dr. Nils Warneke vom Universitätsklinikum Münster gerne persönlich hier begrüßt“, betonte Reiner Krauße , Vorsitzender des Parkinson-Forums Kreis Steinfurt e. V., zu dem auch Mitglieder aus Nottuln und Umgebung gehören, während des Mitgliedertreffens der Selbsthilfeorganisation. „Wegen Corona ging das aber nicht.“ Aufgeben kam für Krauße und seine Vorstandskollegen aber nicht in Frage. „Dann holen wir die Beiden eben virtuell zu uns.“ Und die technische Unterstützung durch Holger Wermers, als 2. Webmaster im Forum aktiv, machte dies tatsächlich möglich. „Das ist auch für mich die erste derartige Veranstaltung mit einer Selbsthilfegruppe. Sensationell, dass das so klappt“, strahlte Prof. Warnecke, Oberarzt der Neurologie in der UKM, von der Leinwand im Saal.

So erfuhren die rund 70 Anwesenden online und live, welche Augenprobleme Morbus Parkinson verursachen kann. Dabei erläuterte Warnecke zum Beispiel, dass Symptome wie trockene Augen, verminderte Sensibilität der Hornhaut, Grüner Star, visuelle Halluzinationen, Blendempfindlichkeit der Pupille oder eine verminderte Kontrastsensivität zum Teil früh auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen können.

„Wo fängt Parkinson an?“, fragte der Neurologe und erläuterte verschiedene Typen und Subtypen der Krankheit. „Oft wird übersehen, dass Sehstörungen von Parkinson kommen“, beklagte er und forderte: „Wir müssen mehr Augenärzte für unser Parkinson-Netzwerk gewinnen und für diese Zusammenhänge sensibilisieren.“

Dr. Nils Warneke, Oberarzt an der UKM-Klinik für Neurochirurgie, brachte die Teilnehmer anschließend auf den neuesten Stand zum Thema Tiefenhirnstimulation, indem er unter anderem hierzu vorab erhaltene Fragen beantwortete. Warum so lange warten? Wo erfolgt eine Neueinstellung, ambulant oder stationär? Wie lange dauert eine Einstellung? „Wichtig vor einer OP sind unbedingt entsprechende Voruntersuchungen“, betonte der Chirurg und erläuterte, dass nach der Implantation des Gehirnschrittmachers zirka ein Jahr für dauerhafte Einstellungen anzusetzen sind. „Das Gehirn muss sich erst an die Stimulation gewöhnen.“

Souverän beantworteten die beiden Mediziner die Fragen und vermittelten die oft komplexen Zusammenhänge verständlich. „Ihr habt alles perfekt erklärt“, dankte ihnen denn auch Reiner Krauße zum Abschied.

„Tolle Premiere. Super gelungen“, so der einhellige Tenor am Ende der Veranstaltung, bei der andere Infos fast zur Nebensache gerieten. Denn Krauße hatte zu Beginn der Veranstaltung trotz Corona durchaus weitere positive Nachrichten im Gepäck. „Wir haben aktuell 443 Mitglieder. Allein vom 1. Januar bis heute verzeichneten wir 61 Neuaufnahmen.“ Corona hätte zwar leider dafür gesorgt, dass die Weihnachtsfeier dieses Jahr ausfällt, aber mit dem Vortrag des Kardiologen Dr. Christian Fechtrup über „Perspektiven der Herzmedizin in den nächsten Jahren“ stehe am 11. November noch ein sehr interessantes Thema auf der Agenda.

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