Haus ARCA: Corona-Pandemie
Dringende Bitte um Verständnis

Appelhülsen -

Die Corona-Pandemie stellt auch die Verantwortlichen der Pflegeeinrichtung Haus ARCA in Appelhülsen vor große Herausforderungen. Die Arbeit für die Mitarbeiter hat sich extrem verdichtet.

Mittwoch, 04.11.2020, 17:33 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 17:40 Uhr
Es ist enorm wichtig, bindet aber auch das Personal: die Anmeldung der Besucher in Haus ARCA. Darauf machten jetzt (v.l.) Annika Fleige, Martina Bosse und Tanja Rehberg aufmerksam.
Es ist enorm wichtig, bindet aber auch das Personal: die Anmeldung der Besucher in Haus ARCA. Darauf machten jetzt (v.l.) Annika Fleige, Martina Bosse und Tanja Rehberg aufmerksam. Foto: Johannes Oetz

Die Coronazahlen steigen und steigen. Das macht vielen Menschen Angst. Auch die Verantwortlichen der Pflegeeinrichtung Haus ARCA in Appelhülsen müssen sich täglich viele Gedanken machen. Das berichteten jetzt in einem Pressegespräch Martina Bosse (Einrichtungsleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin), Annika Fleige (Pflegedienstleiterin Junge Pflege und stellvertretende Einrichtungsleiterin Frenkings Hof) sowie Tanja Rehberg (Pflegedienstleiterin und stellvertretende Einrichtungsleiterin der Senioren Pflege in der Münsterstraße).

„Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stolz bin, denn sie haben im letzten dreiviertel Jahr hervorragende Arbeit geleistet und sich im privaten Bereich zum Schutz aller mehr eingeschränkt, als es eigentlich vorgeschrieben ist“, erklärte Martina Bosse. „Außerdem arbeiten sie seit Anfang Oktober mit FFP2-Masken, was äußerst anstrengend ist. Bisher hat sich bei uns noch kein Bewohner und kein Mitarbeiter infiziert.“ Das Trio ist sich indes einig, dass dazu auch eine gute Portion Glück gehörte.

Dass im Haus ARCA eine Menge Arbeit investiert worden ist, merken Besucher bereits im Eingangsbereich. Zum Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter muss sich zunächst jeder Ankömmling telefonisch anmelden. Dann erwartet den Besucher, der natürlich über die gesamte Zeit in der Einrichtung einen Mund-Nase-Schutz tragen muss, ein Corona-Screening. Nach dem Fiebermessen muss er einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand ausfüllen und dann seine Hände gründlich desinfizieren.

„Dieses Prozedere muss von einem Mitarbeiter durchgeführt werden. Dieser lässt die Besucher anschließend ins Haus und begleitet sie dann auch ins Zimmer. Das bindet natürlich Personal“, verweist Martina Bosse auf ein großes Problem der strengen Hygienemaßnahmen. Daher sei es wichtig, dass Gäste nur zu den verabredeten Uhrzeiten kommen und sich an die vorgegebenen Zeitfenster halten.

Leider musste die Einrichtung in Appelhülsen aber schon mehrfach die Erfahrung machen, dass viele Angehörige mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden sind. „Wir hatten schon einige Diskussionen mit Angehörigen, die sich in ihrer Privatsphäre eingeschränkt fühlen. Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar, denn hier leben auch viele Hochrisiko-Menschen“, sagte Tanja Rehberg. Und Annika Fleige fügte hinzu: „Wir müssen ja nicht nur Mehrarbeit im Umgang mit den Angehörigen leisten, sondern benötigen auch mehr Zeit beim Umgang mit den Lieferanten oder beim Verteilen der Post. Der Postbote geht schließlich nicht mehr durchs Haus.“

Auf großes Unverständnis stößt daher bei den Dreien, dass es Menschen gebe, die unangemeldet erscheinen und dann durch Sturmklingeln auf Einlass drängen. „Wir werden in diesen Momenten mitten aus der Pflege gerissen. Letztlich geht das von der Zeit der Bewohner ab, weil ein Angehöriger sein Bedürfnis befriedigen möchte“, verdeutlicht Martina Bosse, die aber auch betont, dass sich die meisten Gäste an die Vorgaben halten und sie unterstützen würden.

Aufräumen möchte die Einrichtungsleiterin mit dem Vorurteil, dass Menschen aufgrund von Besuchsverboten in Pflegeeinrichtungen alleine sterben würden. „Das stimmt so nicht! Es hat von Anfang an die Möglichkeit gegeben, sterbende Bewohner zu besuchen. Es ist jedoch immer eine Einzelfall-Entscheidung. Und die Angehörigen müssen bei ihrem Besuch Schutzkleidung tragen.“

Enttäuscht ist die Diplom-Pädagogin allerdings von der Politik. Viele der angeordneten Maßnahmen gingen an der Realität in den Einrichtungen vorbei. Viele Anordnungen seien zudem Ad-hoc-Entscheidungen, die häufig schnell wieder zurückgenommen würden. Letztlich ginge das zu Lasten der Mitarbeiter, die heute alles bis ins Kleinste dokumentieren müssten.

„Ich glaube, dass es irgendwann wieder eine Pandemie geben wird. Wir müssen dann aus unseren Erfahrungen Lehren gezogen haben und mit durchdachten Maßnahmen reagieren.“ Von Schnellschüssen, das muss Martina Bosse erst gar nicht aussprechen, hat sie jedenfalls die Nase gestrichen voll ...

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