Kloster Gerleve
Meister Adebar kann einziehen

Gerleve/Nottuln -

Das kommt auch nicht alle Tage vor: Pater Kilian Röhl vom Kloster Gerleve hat ein Storchennest auf dem Klosterbauernhof realisiert.

Freitag, 05.02.2021, 14:44 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 15:03 Uhr
Pater Kilian legt noch ein letztes Mal Hand an das Nest, bevor es auf dem Dach aufgebaut wird.
Pater Kilian legt noch ein letztes Mal Hand an das Nest, bevor es auf dem Dach aufgebaut wird. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Es ist ein besonderer Moment für Pater Kilian Röhl vom Kloster Gerleve. Gespannt verfolgt er, wie der Kran die runde Nestunterlage in die Luft hebt. Das Ziel: ein massiver Holzpfahl aus Eiche, der einen Meter über das Dach des alten Kuhstalls auf dem Klosterbauernhof hinausragt. Dann der große Moment. Das Nest erreicht seine endgültige Position und wird wind- und wetterfest verschraubt. Pater Kilian atmet erleichtert auf: Meister Adebar kann einziehen. Gern hätte er auf dem Dach mitgeholfen, aber „ich habe Höhenangst“, gibt er zu. An diesem Tag erfüllt sich ein langgehegter Wunsch, für den er sich ordentlich ins Zeug gelegt hat.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Benediktiner in der Klostergaststätte in Gerleve im Advent selbst gebastelte Tannenbäume, Fröbel- und Faltensterne, Engel und Elche aus Papier gegen eine Spende verkauft. „Über den Klosterhaushalt lässt sich so ein Projekt nicht finanzieren. Das gibt der nicht her“, erklärt der 48-Jährige, der in der Seelsorge und Exerzitienarbeit, aber auch in der Klosterimkerei und im Gästegarten tätig ist.

Dachdecker Dennis Volmer hat das Nest auf dem Klosterbauernhof befestigt.

Dachdecker Dennis Volmer hat das Nest auf dem Klosterbauernhof befestigt. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Von der Idee bis zur Realisierung, ein Storchenpärchen auf dem Hof unterhalb der Abtei anzusiedeln, sind rund drei Jahre vergangen. „Ich habe mich im Internetinformiert, wie ein Storchenhorst gebaut wird“, berichtet Pater Kilian. Die Unterkonstruktion hat ihm ein Dachdecker gebaut. Dann legte er selbst Hand an. An zwei Nachmittagen schaffte er mit verschiedenen Zweigen und Gras die Grundlage für das Nest mit einem Durchmesser von 1,50 Metern. „Wenn die Störche es annehmen, bauen sie es selbst noch weiter aus“, erklärt er.

Pater Kilian ist ein Naturliebhaber. Er interessiert sich von Kindesbeinen an für Pflanzen, Tiere und Bäume. Diese Liebe hat er nach dem Abitur mit einem Studium der Garten- und Landschaftsarchitektur professionalisiert, bevor er sich vor 21 Jahren für ein Leben im Kloster entschied. Er beobachtet gern die Fledermäuse, die ihren Unterschlupf vor seinem Fenster haben. „Es ist toll, spannend und wunderschön“, begeistert er sich. Auch die Arbeit mit den Bienenvölkern mag er. Der Klosterhonig ist begehrt, und die geernteten 400 Kilogramm vom vergangenen Jahr sind längst ausverkauft.

Und jetzt der Storchenhorst. „Diese imposanten Vögel, die die Nähe zu den Menschen suchen, faszinieren mich“, gibt Pater Kilian zu. Er freut sich, dass es inzwischen gelungen ist, auch in der Region wieder Störche anzusiedeln. „Der Storch hat gelernt, sich an unsere Kulturlandschaft anzupassen. Er hat gute Chancen, rund um den Hof genug Nahrung zu finden“, ist er sich sicher. Denn im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung ernährt er sich nicht überwiegend von Fröschen, sondern von Mäusen, Regenwürmern und Insekten. Rückhalt findet Pater Kilian auch in der Gemeinschaft der Benediktiner. „Meine Mitbrüder sind gut informiert, denn es wurde ein Buch über Störche, das ich auf dem Bücherflohmarkt gefunden hatte, als Tischlektüre gelesen“, berichtet er und erklärt den Hintergrund: „Zu den Mahlzeiten liest immer ein Mitbruder etwas vor. Das ist nicht nur theologische und fromme Literatur, sondern kann auch weltlichen Charakter haben.“

Nun ist Pater Kilian gespannt, ob das Nest angenommen wird, wenn die Störche aus ihrem Winterquartier in Afrika vermutlich Anfang März wieder ins Münsterland zurückkehren. Mit einem Trick will er das neue Zuhause Meister Adebar noch etwas schmackhafter machen: „Wir müssen das Dach mit weißer Farbe besprenkeln, damit es aussieht, als habe dort schon einmal ein Paar gebrütet.“

Und mit einem Augenzwinkern fügt er noch hinzu: „Sollte sich Erfolg einstellen, vielleicht klappt es dann auch wieder mit dem Klosternachwuchs.“

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