„Sozialpolitiker aus dem Maschinenraum der Politik“
Karl Schiewerling erlag einem Krebsleiden

Nottuln -

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling aus Nottuln ist tot. Er ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 69 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Schiewerling gilt als einer der prägenden Köpfe der bundesdeutschen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Sonntag, 28.02.2021, 17:20 Uhr aktualisiert: 28.02.2021, 18:57 Uhr
Bundessozialminister Hubertus Heil hat Karl Schiewerling (l.) im Mai 2018 als Co-Vorsitzenden der Rentenkommission der Bundesregierung vorgestellt.
Bundessozialminister Hubertus Heil hat Karl Schiewerling (l.) im Mai 2018 als Co-Vorsitzenden der Rentenkommission der Bundesregierung vorgestellt. Foto: dpa

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling aus Nottuln ist tot. Er ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 69 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Schiewerling gilt als einer der prägenden Köpfe der bundesdeutschen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Der ehemalige CDU-Abgeordnete war von 2005 bis 2017 im Bundestag tätig, davon seit 2009 als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vor seiner politischen Tätigkeit war er 20 Jahre Diözesansekretär des Kolpingwerks der Diözese Münster. Er war weit über die Grenzen seiner eigenen Partei und Fraktion als verlässlicher Politiker und Partner anerkannt und geschätzt. Schiewerling hinterlässt seine Ehefrau, drei erwachsene Kinder und einen Enkel.

Sein Glaube, die katholische Soziallehre und sein christlich-soziales Menschenbild waren die Wurzeln seines politischen Wirkens. In Berlin wurde die „Hilfe aus einer Hand“, also die Bildung der kommunalen Jobcenter, zu einem seiner ersten Projekte. Verbunden mit ihm waren untrennbar auch die Wahrung der Tarifautonomie bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, die Eindämmung von Fehlentwicklungen in der Arbeitsnehmer­überlassung und – damals quasi sein politisches Husarenstück – die ersten spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, wie sein langjähriger Sprecher Jörg Grabenschröer erklärt.

"Bedeutender und einflussreicher Politiker"

Besonders am Herzen lagen dem Nottulner arbeitslose Jugendlichen, für die er zwischen Sozial- und Jugendhilfe Jobperspektiven suchte und fand. Dafür bohrte er viele dicke Bretter. Mit Erfolg: Sein Anliegen fand schließlich Platz im vorletzten Koalitionsvertrag. Nach dem Bundestag leitete er als Co-Vorsitzender die Rentenkommission der Bundesregierung.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Stefan Nacke und Schiewerlings Nachfolger im Landesvorsitz des Kolpingwerkes NRW bezeichnete den Sozialpolitiker als „bedeutenden und einflussreichen Politiker im Maschinenraum des Politikbetriebs, wie er es selbst gerne sagte“. Mit hoher persönlicher Glaubwürdigkeit habe er sich für soziale Themen eingesetzt und zuletzt die Rentenkommission geleitet. „Mit Schiewerling droht eine Ära zu Ende zu gehen, in der in der CDU kirchlich engagierte wirkliche Christen Politik aus einem Gemeinwohlgedanken und mit Gerechtigkeitssinn gestalteten.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7842791?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F
Nachrichten-Ticker