Karl Schiewerling ist im Alter von 69 Jahren verstorben
„Ein Vorbild und Leuchtturm“

Nottuln -

Die Gemeinde Nottuln trauert um den Sozialpolitiker Karl Schiewerling. Der langjährige Bundestagsabgeordnete starb in der Nacht zum Sonntag.

Sonntag, 28.02.2021, 17:19 Uhr aktualisiert: 28.02.2021, 19:24 Uhr
Karl Schiewerling, langjähriger Kommunal- und Bundespolitiker, starb am Wochenende im Alter von 69 Jahren. Sein Tod löst große Bestürzung über Parteigrenzen hinweg aus.
Karl Schiewerling, langjähriger Kommunal- und Bundespolitiker, starb am Wochenende im Alter von 69 Jahren. Sein Tod löst große Bestürzung über Parteigrenzen hinweg aus. Foto: WN-Archiv

Geradlinig, den Menschen zugewandt, fest verankert im christlichen Glauben und in der christlichen Soziallehre – so haben viele in den vergangenen Jahrzehnten den Nottulner Karl Schiewerling kennen und schätzen gelernt. Groß ist die Bestürzung, als nun die Nachricht von seinem Tode bekannt wurde. Im Alter von nur 69 Jahren ist Karl Schiewerling in der Nacht zum Sonntag an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau, drei erwachsene Kinder und einen Enkel.

Der Nottulner war drei Mal direkt von den Menschen seines Wahlkreises in den Deutschen Bundestag gewählt worden und machte sich dort einen Namen als arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Experte. Wenn Karl Schiewerling sprach, hörten alle zu – auch Minister und Kanzlerin.

Seine Motivation, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, nährte sich aus einem christlichen Glauben, der zeitlebens für ihn Kompass war. Geboren am 18. Mai 1951 in Essen-Borbeck, erlernte Schiewerling den Beruf des Industriekaufmanns. Von 1970 bis 1973 war er bei den Mannesmannröhren-Werken tätig, dann erfolgte der Wechsel in die Katholische Verbandsarbeit: von 1973 bis 1978 als Verbandssekretär des KKV-Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung; von 1978 bis 1984 als Bundessekretär des Bundes der Deutschen katholischen Jugend; und schließlich seit 1984 als Diözesansekretär des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster. Darüber hinaus engagierte sich Schiewerling in weiteren kulturellen und sozialen Organisationen. Auch zum Beispiel in der Deutschen Rentenversicherung. Seit 1986 war Karl Schiewerling Mitglied der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Westfalen und seit 1999 Vorsitzender dieses Gremiums.

Seine politischen Karriere begann 1972 mit dem Eintritt in die CDU und die CDA. Einige Jahre war er Jugendvertreter in der Bezirksvertretung Essen-Borbeck.

Später in der Gemeinde Nottuln engagierte er sich in der Kommunalpolitik, war Ratsmitglied von 1989 bis 1994 und noch einmal von 2004 bis 2006. Es lag nahe, dass Schiewerling als Experte für Arbeits- und Sozialpolitik seinerzeit auch den Vorsitz im Ratsausschuss für Familie, Soziales, Bildung und Freizeit übernahm.

2005 wurde Karl Schiewerling zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Insgesamt zwölf Jahre wirkte er als Bundestagsabgeordneter. Im Bundestag erwarb er sich Respekt und Anerkennung über die Parteigrenzen hinweg. Und wie sehr seine Meinung und seine Expertise geschätzt wurde, zeigt sich daran, dass der Nottulner nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als Co-Vorsitzender die Rentenkommission der Bundesregierung leitete, um die Altersvorsorge in Deutschland auch ab 2030 zukunftsfest zu gestalten.

Auch wenn er Bundespolitik mitgestaltete, seine Heimatgemeinde Nottuln und die Menschen in seinem Wahlkreis hat er dabei nie aus den Augen verloren. Riesig ist die Liste der Bürgerinnen und Bürger, die ihn in Berlin besucht haben. Und ebenso riesig ist die Liste seiner regelmäßigen Besuche im Wahlkreis und in seiner Heimatgemeinde. Dazu gehörten Firmen- und Projektbesuche ebenso wie die Teilnahme an Vereins-, Kolping- und CDU-Versammlungen.

Martinimontag konnte man ihn in den überfüllten Nottulner Gassen ebenso treffen wie bei einer Podiumsdiskussion über die Zukunft der Rente. Das Modellprojekt „Respekt“, mit dem Jugendlichen unkompliziert in schwierigen Lebenssituationen geholfen werden sollte, erwirkte er auch für den Kreis Coesfeld. Und als die Nottulner Ortsumgehung unter Dach und Fach war, setzte er sich maßgeblich für die Finanzierung ein.

Gespräche mit Karl Schiewerling waren manchmal lang, aber nie langweilig. Gerne erklärte er den Menschen die Berliner Politik, erzählte launig von Anekdoten mit prominenten Politikern, konnte in kontroversen Diskussionen aber auch Schärfe zeigen, wenn es notwendig war.

Die CDU Nottuln würdigt in einem Nachruf die vielen und großen Verdienste von Karl Schiewerling und stellt abschließend fest: „Wir verlieren einen guten Freund und Sympathieträger. Er hat Nottuln, unser Land und die CDU über Jahre geprägt. Durch seine unkomplizierte, offene und dem Menschen zugewandte Art führte er auch innerparteiliche Diskussionen immer zu einer zielführenden Einigkeit; ein Vorbild und Leuchtturm mit klarem christlichen Kompass.“

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